Junge Zornnatter?

Funde & Beobachtungen

Moderator: Herpetofauna.at-Team

Ist neu hier
Beiträge: 2
Registriert: Do Apr 16, 2009 0:09

Junge Zornnatter?

Beitragvon Fragesteller » Do Apr 16, 2009 16:21

Hallo,
nachdem Fachliteratur ("Schlangen Europas..." u.a.) und Internetrecherche nicht meine letzten Zweifel ausräumen, wäre es schön, wenn die Fachleute dieses Forums mir bei der Bestimmung der Schlange helfen könnten.

Bild

Das 30-40 cm lange Tier lag in Kalabrien (Westküste) bei über 30°C (Sommer 2008) unter einem Tisch auf der Terrasse. Wg. der leider mageren Bildqualität noch ein paar Worte dazu:
Große Rundpupillen, weisser Bauch; kopfseitig braune Flecken auf weissem Grund, wogegen der Körper eine graue Gundfärbung aufweist. Das Muster brauner Flecken geht gegen den Schwanzbereich in einen einheitlichen Farbton über.
Die Schlange machte immer wieder mal kleine Vorstösse (von Beissen kann man nicht reden).
Leider sind die meisten "Eingeborenen" dort gegenüber Schlangen ziemlich allergisch und greifen hysterisch zu Latten und Schaufel. Aufklärung tut also not.

Handelt es sich um eine junge Zornnatter?

Für Hinweise vielen Dank.

Kennt sich schon aus
Benutzeravatar
Beiträge: 145
Registriert: Sa Nov 15, 2008 13:11
Wohnort: Wien

Beitragvon pseudopus1 » Do Apr 16, 2009 16:56

Hallo!
Bei deiner Zornnatter handelt es sich meiner Meinung nach um eine Gelbgrüne Zornnnatter (Hierophis viridiflavus).
Schöne Bilder! Besonders das Oberste, auf dem die ganze Schlange sichtbar ist. Nach meinen Erfahrungen ist es nicht immer einfach, solche Bilder von einer Zornnatter zu machen.

Fühlt sich wie zu Hause
Benutzeravatar
Beiträge: 573
Registriert: So Sep 03, 2006 17:36
Wohnort: Wien

Beitragvon pleurodeles » Do Apr 16, 2009 19:20

Hallo!

Letzte Woche auf Krk hatten wir auch das Problem mit den jungen Hierophis. Am sichersten wäre eine Zählung der Ventralschilder. Da Du das Tier aber in Kalabrien gefunden hast, sollte es sich in der Tat um eine junge H. viridiflavus handeln. H. gemonensis kommt in Italien nicht wirklich vor, sondern besiedelt im Wesentlichen die ostadriatische Küste bis zur Peloponnes runter. Der Name "gemonensis", der sich auf die Stadt Gemona in Friaul bezieht, ist - wie ich kürzlich erfahren habe - auf einen Irrtum zurückzuführen.

Fazit: eine vermutlich vorjährige Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus).

LG,
Günther

Macht sich's gemütlich
Beiträge: 63
Registriert: Mi Jul 23, 2008 18:42
Wohnort: Ahaus

Beitragvon schlangenfan » Do Apr 16, 2009 20:06

Wie meine Vorschreiber denke ich auch, dass es sich um eine junge viridiflavus (Gelbgrüne Zornnatter) handelt.

Schönen Gruß

Moderator
Benutzeravatar
Beiträge: 856
Registriert: Sa Mai 15, 2004 2:00
Wohnort: Salzburg, Austria

Beitragvon Vipersgarden » Fr Apr 17, 2009 9:30

pleurodeles hat geschrieben:Hallo!

Letzte Woche auf Krk hatten wir auch das Problem mit den jungen Hierophis. Am sichersten wäre eine Zählung der Ventralschilder. Da Du das Tier aber in Kalabrien gefunden hast, sollte es sich in der Tat um eine junge H. viridiflavus handeln. H. gemonensis kommt in Italien nicht wirklich vor, sondern besiedelt im Wesentlichen die ostadriatische Küste bis zur Peloponnes runter. Der Name "gemonensis", der sich auf die Stadt Gemona in Friaul bezieht, ist - wie ich kürzlich erfahren habe - auf einen Irrtum zurückzuführen.

Fazit: eine vermutlich vorjährige Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus).

LG,
Günther


... nicht nur Ihr!
aber da es bei allen relevanten Schuppen- und Schilderzahlen einen weiten Überschneidungsbereich gibt, und auch die oft angeführten Zeichnungs- und Färbungsmustes des Kopfes nicht konstant sind, hilft m.E. nur die Gesamtbetrachtung. Junge gemos sehen Adulttieren sehr sehr ähnlich (meistens). Bei viridiflavus auch, das heißt, der Schwarzanteil ist viel höher, die Körperflecken größer.

Das abgebildete Tier ist mit Sicherheit viridiflavus, aber wenn die einmal groß ist (wenn sie Glück hat) ist von viridiflavus = grüngelb nicht mehr viel bis gar nichts zu sehen. In Kalabrien kommt die Unterart carbonarius (revalidiert und von einigen sogar als eigene Art betrachtet) vor.

Mario
Mario Schweiger

Amphibien und Reptiliendatenbak (Systematik, Bilder, Literatur, ....)
http://http://vipersgarden.at/ARdb/index.php

.. und das neue englischsprachige Feldherpetologen-Forum - FIELDHERPING.EU

Moderator
Beiträge: 668
Registriert: Mo Jun 17, 2002 2:00
Wohnort: 1220 Wien

Beitragvon Srutl » Fr Apr 17, 2009 9:40

Kuckst Du...

http://www.herpetofauna.at/gallery/krk2 ... nensis.htm

... und vergleiche die hellen Streifen auf dem Kopf mit Deinen Fotos und die Nasenpholidose
======================


Srutl

Moderator
Benutzeravatar
Beiträge: 856
Registriert: Sa Mai 15, 2004 2:00
Wohnort: Salzburg, Austria

Beitragvon Vipersgarden » Fr Apr 17, 2009 9:54

Srutl hat geschrieben:Kuckst Du...

http://www.herpetofauna.at/gallery/krk2 ... nensis.htm

... und vergleiche die hellen Streifen auf dem Kopf mit Deinen Fotos und die Nasenpholidose


also die Konfiguration der Rostrale, Internasale und Praefrontale bei der abgebildeten viridiflavus sind Artefakte, ebenso die "breiten Zwischenräume" zwischen diesen Schildern.
Auch die "Binde" zwischen den Augen ist bei beiden Tieren atypisch (lt. Diagnose sollte viridiflavus eine fast durchgehende Binde, gemonensis nur zwei Punkte oder Querflecken haben.
Dass gemo in den dunklen Körperflecken helle Längsstriche hat ist richtig und trifft auch zu.

Mario
Mario Schweiger

Amphibien und Reptiliendatenbak (Systematik, Bilder, Literatur, ....)
http://http://vipersgarden.at/ARdb/index.php

.. und das neue englischsprachige Feldherpetologen-Forum - FIELDHERPING.EU

Ist neu hier
Beiträge: 2
Registriert: Do Apr 16, 2009 0:09

Beitragvon Fragesteller » Fr Apr 17, 2009 12:58

Herzlichen Dank allen Beteiligten für die hilfreichen Beiträge zur Aufklärung.
@Srutl: Der von Dir genannte Bildlink war übrigens Auslöser, mich an dieses Forum zu wenden, weil eben keiner der beiden Köpfe so richtig "meiner" Schlange entsprach.

Gruß

Zurück zu Funde

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste