Mini - Ringelnatter

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Mini - Ringelnatter

Beitragvon Snake23 » Mo Jun 29, 2009 20:49

Hab eine längere Regenpause genutzt, und heute diese junge Ringelnatter gefunden, wobei mich die größe des Tieres etwas verwundert hat.
Eigendlich sieht sie aus wie ein frischer Schlupf. Was aber gar nicht sein kann, weil das viel zu früh wäre. Für ein Tier vom Vorjahr ist sie mir
aber wieder zu klein. ???

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Aber totstellen konnte sie sich schon perfekt.


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Beitragvon Gerald » Di Jun 30, 2009 11:23

Sehr kleine Tiere um diese Jahreszeit habe ich auch schon beobachtet bzw. mir dann genau die selbe Frage gestellt. Bis jetzt hab' ich allerdings leider jedes mal vergessen nachzusehen wann die ersten Schlüpflinge möglich wären oder ob - Spekulation - es zu sehr späten Eiablagen im Jahr kommen kann und die Jungtiere am Ablageplatz überwintern, bzw. der Zusammenhang Größe - Alter (Bandbreite) ist mir auch nicht wirklich bekannt - wird nun nachgeholt ;-)

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Beitragvon pewter » Di Jun 30, 2009 14:03

ich schließe mich der problematik an :D
hatte schon vor 4 wochen solche zwerge von daher denke ich eher daß sie aus 08 sein müßten.

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Beitragvon Jürgen Gebhart » Di Jun 30, 2009 18:42

Ich konnte in den letzten drei Jahren diese Beobachtung auch häufiger machen.
Natürlich ist die logischste Erklärung, später Schlupf und dann direkt in die Winterruhe, aber ich finde die ersten Adulten Ringelnattern schon immer Anfang April und trotz niedriger Vegetation die ersten "Würmlinge" immer erst Anfang/Mitte Mai.
Letztes Jahr konnte ich Mitte Mai drei dieser Zwerge an einem potentiellen Eiablageplatz entdecken, innerhalb von 30 qcm!!!
Nehme mir jedes Jahr vor die Kleinen zufangen und nach einem frisch verheilten Nabel zu sehen, kam aber bis jetzt immer was dazwischen.
Nächstes Jahr sicher!!!!

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Beitragvon Lobatis » Do Jul 09, 2009 18:50

Bei den Menschen gibt es ja auch Zwerge, wer weiss vielleicht gibt es das auch bei den Schlangen.

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Beitragvon Gerald » Fr Apr 23, 2010 0:09

Sodale, etwas spät aber doch hab' ich mich ein bisschen umgesehen was es in der mehr oder weniger leicht zugänglichen Literatur zu Lesen gibt.
Zuerst einmal Danke an Jürgen, dass er mich an diesen Beitrag erinnert hat!

Leider habe ich fast nichts „Konkretes“ gefunden, also einen "definitiven" Beweis für entweder eine Überwinterung in den Eiern oder direkt am Eiablageplatz überwinternde Jungtiere oder eine sehr zeitige Eiablage, allerdings zumindest einen Beitrag zu einem erfolgreichen Schlupf im Mai.

Dafür aber viel interessante Informationen rund um das Thema Eiablage, Jungtiere etc.:

Ich fange vlt. mit den Paarungsaktivitäten außerhalb der "eigentlichen" Paarungszeit im Frühjahr an – hierzu gibt es in der Literatur einige Stellen:“gelegentlich Herbstpaarungen im Sept. – Okt.“ [1], „Paarungsversuche bis in den November“ [2] und „Herbstpaarungen immer wieder erwähnt“ [3].

Betreffend die Eiablage wird im entsprechenden Kapitel des Handbuches der Amphibien und Reptilien Europas als „üblicher“ Zeitraum der Eiablage Anfang Juli bis Mitte August, sowie in [2] der Schlupf gewöhnlich Ende Juli bis Ende September angeführt.
In [1] sind zusätzlich zwei Funde von „Wintergelegen“ in Pferdemisthaufen beschrieben.(Nov. bzw. Dez.), allerdings ohne Hinweise zu Eiablagedatum, Entwicklungsstadium, späteren Schlupferfolg oder ähnliches. In [2] werden vereinzelte Funde frischer Gelege bis in die erste Septemberhälfte erwähnt, ebenfalls ohne weitere Infos hierzu.
„Interessant“ ist die Einschätzung der Autoren, wonach es nicht auszuschließen ist, dass mehr oder weniger weit entwickelte Eier überwintern und die Jungschlangen erst im folgenden Jahr schlüpfen. Sie führen aber gleichzeitig an, dass noch keine erfolgreiche Überwinterung von Eiern, aus denen im nächsten Jahr Junge schlüpften, beobachtet werden konnte.
In [3] wird ein "[im Wuppertal] Mitte Mai entdecktes Gelege in kompostierten Grassoden“ beschrieben, welches „in der letzten Maiwoche schon von den Jungschlagen verlassen [war]". Die Autoren dieses Artikels schließen auf eine Paarung im März, wohingegen die Autoren von [2] darauf hinweisen, dass es fraglich ist ob dieses Gelege wirklich aus dem selben Jahr stammt. Ebenfalls in [3] wird Düringen (1897) zitiert, welcher meint „"dass die spät schlüpfenden Jungschlangen ... es wohl bis zum nächsten Frühjahr ohne Nahrungsaufnahme aushalten".

Als Zeitspanne zwischen Eiablage und Schlupf wird für das Freiland in [1] mindestens 4, normalerweise 7-9 Wochen angeführt.

Nun zu den Größen der Jungtiere:
[1] sagen: Schlupfgröße 14-22cm, Durchschnitt 18,8; im ersten Lebensjahr 25-30cm, [2] führen betreffend der Zuwachsraten von Jungtieren an: Extremzuwächse von 2,2 bzw. 1,7mm pro Tag (!!!) ; im Schnitt 6-12 cm pro Jahr. Allerdings sollte man nicht vergessen dass es natürlich auch in Richtung kleiner Tiere gehen kann.

Die nun meiner Meinung interessanteste Literaturstelle zu den Größenangaben ist der Artikel [4] von Helga & Friedrich Happ, welcher einen Zufallsfund eines Überwinterungsplatzes von juvenilen Ringelnattern zum Inhalt hat.
Beschrieben ist der Fund von 50 juvenilen Individuen (41 lebend) am 13. März 1998 in einem Komposthaufen in der Gemeinde Brückl (Kärnten). Interessant nun einerseits, weil die Tiere nicht an der tiefsten Stelle des Komposthaufens lagen, sondern an jener mit der längsten Sonnenexposition, welche aber gleichzeitig auch als frostgefährdetste eingeschätzt wird.
Zusätzlich wurden sämtliche Tiere vermessen, mit folgenden Ergebnissen: Durchschnitt 210mm, kleinstes Tier 150mm. Sprich, diese Tiere haben auf jeden Fall auch noch im Frühjahr "Schlupfgröße".
Hinzuzufügen ist, dass den Gartenbesitzern keine Eier oder leere Eischalen aufgefallen sind.

Mein persönliches Konklusium wäre somit: Alles ist möglich, aber nix is fix ;-) Also auch, dass die sehr kleinen Tiere im Mai des gleichen Jahres geschlüpft sind, wann auch immer die Paarung und Eiablage dazu stattgefunden haben.

Literatur:
[1]:BÖHME, W. (Hrsg.) (1999): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas, Band 3/IIA: Schlangen (Serpentes) II. – Wiesbaden (AULA – Verlag).
[2]: GÜNTHER, R. (Hrsg.) (1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. – Jena (Gustav Fischer Verlag).
[3]:Eckstein, H.P. (1993): Zur Ökologie der Ringelnatter (Natrix natrix) in Deutschland. - In: Gruschwitz et al. (Hrsg): Mertensiella, Bd.3, Verbreitung, Ökologie und Schutz der Schlangen Deutschlands und angrenzender Gebiete, S. 157-170 - Bonn.
[4]: HAPP, H & HAPP, F. (1999): Zufallsfund eines Überwinterungsplatzes von juvenilen Ringelnattern (..) in Brückl, Kärnten. - In: Carinthia II, 189/109. Jahrgang, S. 13-14. - Klagenfurt

An dieser Stelle vielen Dank auch an die Mitarbeiter der herpetologischen Sammlung des NHM Wiens (speziell an Richard Gemel), die mich (wieder einmal) mit Büchern und Infos versorgt haben!

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Beitragvon Jürgen Gebhart » Fr Apr 23, 2010 9:08

Super Gerald! Vielen Dank für deine Mühe!!!

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Beitragvon Snake23 » Fr Apr 23, 2010 10:31

Auch von meiner Seite ein Dankeschön für die Info !
Grüße
Snake23
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