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Revitalisierung von Tümpeln an der Unteren Steyr/Oberösterreich

 

Mag. Werner Weißmair, Sierning, im November 2013

 

Der Verfasser führt im Gebiet der östlichen Traun-Enns-Platte im Osten von Oberösterreich (an der Unteren Enns auch auf der niederösterreichischen Seite) seit Anfang der 1990er Jahre Amphibienerhebungen durch. Diese umfassen u.a. ein Monitoring in Abständen von einem bis mehreren Jahren mit Schwerpunkt der Frühlaicher (Springfrosch, Grasfrosch, Erdkröte, teilweise Molche), mit Erhebungen der Laichprodukte an den Laichgewässern. Für die drei Molcharten Kammmolch, Berg- und Teichmolch wurden gebietsweise auch separate Begehungen/Nachtkartierungen durchgeführt, generell sind diese aber aufgrund der aufwändigeren Nachweisbarkeit schlechter präsentiert.


Das Untere Steyrtal ab Grünburg als Teil dieses Untersuchungsraumes beherbergt noch relativ viele fischfreie oder fischarme Klein- und Kleinstgewässer und ist daher ein bedeutender Amphibienlebensraum. Es konnten sechs Amphibienarten, darunter der in Oö. stark gefährdete Alpen-Kammmolch (Anhang II FFH-Richtlinie der EU), nachgewiesen werden. Hervorhebenswert sind außerdem große Bestände des Springfrosches (Anhang IV FFH-Richtlinie der EU). Ein Teil der Gewässer, vor allem die flussnahen, sind natürlichen Ursprungs, liegen in alten Flutmulden und Seitengräben und werden vom Grundwasser der Steyr gespeist.

 

Ab etwa dem Jahr 2000 waren auch in Auegebieten an der Unteren Steyr, speziell in der Rosenegger und in der Unterhimmler Aue im Westen der Stadt Steyr, verstärkte Verlandungstendenzen bei den Amphibienlaichgewässern und damit einhergehend Rückgänge bei den Amphibien festzustellen. Neben dem langsam wirkenden, jährlichen Eintrag von Falllaub, Ästen, etc. spielen dafür auch zwei extreme Hochwasserereignisse (August 2002 und Juni 2013) eine entscheidende Rolle. Innerhalb von nur gut 10 Jahren ereigneten sich zwei Spitzenhochwässer mit einer Auftretungswahrscheinlichkeit von mehreren hundert Jahren! Zahlreiche Amphibienlaichgewässer waren daher im Frühjahr und Sommer 2013 entweder komplett trocken oder führten nur sehr wenig Wasser und konnten daher von den Amphibien nicht mehr zur Fortpflanzung genutzt werden.

 

Im Sommer 2013 entschloss sich der Verfasser ein kleines Amphibienschutzprojekt zu initiieren bzw. umzusetzen. Dieses wurde in Vorgesprächen mit der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreichs (Mag. M. Brands), bzw. im Rahmen einer Vorbegehung, mit den definierten Schutzzielen des Naturschutzgebietes Untere Steyr abgeglichen. Ziel ist die Revitalisierung von ausgewählten, stark verlandeten Amphibienlaichgewässer in einem abgegrenzten Areal der Rosenegger Aue.

 

Baggerarbeiten

Minibagger im Einsatz (Gewässer Rosenegg 7)

 

An zwei Tagen im November wurden 11 Tümpel und der im Winter 1999/2000 unter der Bauaufsicht des Verfassers angelegte Teich („WWF-Teich") mit einem Minibagger mit Gummiraupen (Fa. Th. Ebner, Schlierbach) bei Niederwasserführung der Steyr vorsichtig entschlammt (30-40 cm). Die Größen der Tümpel reichen von 0,5m² bis 25m² Wasserfläche. Die Baggerarbeiten wurden gezielt bei sehr niedrigem Wasserstand der Steyr durchgeführt. Die Tümpel sollen ja im Winter mit sinkendem Grundwasserstand teilweise oder ganz trocken fallen. Dadurch wird die natürliche Prädatorendichte (Fische, Libellenlarven, etc.) reduziert und von Menschen eingebrachte, faunenfremde Tiere, wie z.B. Goldfische, haben geringe Entwicklungschanchen.

 

Rosenegg7 vorher Rosenegg7 nachher

 Gewässer Rosenegg 7 vorher & nachher
Niederwasser und im Frühjahr steigt der Wasserspiegel um ca. 30-40 cm

   

Rosenegg7a-vorher Rosenegg7a-nachher

 Gewässer Rosenegg 7a vorher & nachher

  

Rosenegg12-vorher Rosenegg12-nachher

 Gewässer Rosenegg 12 vorher & nachher


Das Aushubmaterial blieb vor Ort bzw. wurde seitlich auf kleiner Fläche im Auwald verteilt, so wie auch durch Hochwasser hier immer wieder Material natürlicherwiese sedimentiert. Entlang der Ufer mussten ein paar Sträucher entfernt werden, um mit dem Minibagger zufahren und zu können; außerdem erhöhte sich dadurch die Besonnung der mittlerweile stark verwachsenen Gewässer, was sich positiv auf die Amphibien auswirkt. Im Winter sind weitere kleine Entbuschungen geplant. Die Zufahrt des Minibaggers (Kubota u173, Breite 1,2m, Höhe ca. 2m, ca. 20 Ps, Gewicht ca. 1800 kg) erfolgte über bestehende Wege.


Die Tatsache, dass der WWF-Österreich Grundeigentümer dieses Gebietes ist, erleichtert das Vorhaben enorm. Außerdem förderte der WWF die Kosten für den Minibagger und finanziert mehreren freiwilligen Helfern die Verpflegung beim Arbeitseinsatz. Ich bedanke mich dafür sowohl beim WWF-Österreich (Mag. Beate Striebel) als auch bei allen Helfern (u.a. Rennfahrer Sepp von herpetofauna.at) sehr herzlich. Alle Arbeiten des Verfassers erfolgten ehrenamtlich.


Die Kontrollen bzw. das Monitoring im nächsten Frühjahr und in den Folgejahren werden zeigen, wie gut die neu revitalisierten Gewässer von den Amphibien angenommen werden; weitere Gewässerrevitalisierungen sind in Planung. Dem Verfasser ist wichtig zu zeigen, dass mit verhältnismäßig geringen finanziellen Mitteln, etwas persönlichem Engagement sehr viel am Amphibienschutzmaßnahmen umgesetzt werden kann und ich hoffe auf zahlreiche „Nachahmungstäter".

 

→ Anlage von Wechselkrötengewässer im Weinviertel