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Einleitung

 

Uns bot sich die Gelegenheit, die Exkursion gemeinsam mit Andrei Stojanov zu machen. Andrei Stojanov ist Herpetologe am Naturkundemuseum in Sofia und Autor des Buches „Die Amphibien und Reptilien Bulgariens“ (gemeinsam mit den Koautoren Nikolay Tzakov und Borislav Naumov; - in deutscher Sprache! Edition Chimaira, Frankfurt/M. , 2011, 592 S.).

 

Knapp eineinhalb Monate nach unserer gemeinsamen Reise erreichte uns die erschütternde Nachricht, dass Andrei Stojanov bei einem Verkehrsunfall in Griechenland ums Leben gekommen ist. Er befand sich zusammen mit seinen Kollegen Nikolay Tzankov und Dobrin Dobrev auf einer zoologischen Erkundungsfahrt. Seine beiden Kollegen starben ebenfalls bei dem Unfall. Bulgarien hat mit einem Schlag drei wichtige Herpetologen verloren! Wir trauern um sie und fühlen mit ihren Familien!

 

Unserer Gruppe gehörten neben Andrei als „Reiseführer“ noch Johannes Hill, Rudolf Klepsch und Richard Gemel an. Andrei schlug nicht nur die Regionen vor, die wir in den kommenden zehn Tagen besuchen sollten, sondern übernahm auch die Rolle des Fahrers. Dies erwies sich als sehr nützlich, da die Beschilderungen teilweise mangelhaft sind und trotz der Ortkenntnis von Andrei so manches Mal Rat eingeholt werden musste. Nach unseren Erfahrungen ist es deshalb empfehlenswert, ein Navigationsgerät einzusetzen, wenn man fernab von Touristenpfaden unterwegs ist!

Die Reise führte uns von Sofia aus in die südlichen Landesteile. Wir besuchten die folgenden drei Regionen:

 

• Das südliche Struma-Tal: Kresna-Schlucht, Umgebung von Rupite
• Die Ostrhodopen: Arda-Fluß, Umgebung von Ivailovgrad und Madzharovo
• Die Schwarzmeerküste südlich von Burgas: Mündungsgebiet des Ropotamo, Umgebung von Tsarevo.

 

Andrei Stojanov, Richard Gemel, Johannes Hill, Rudolf Klepsch

Andrei Stojanov, Richard Gemel, Johannes Hill, Rudolf Klepsch

 

Während der DDR-Zeiten war Bulgarien ein Eldorado für begeisterte Terrarianer und Herpetologen des damaligen Ostdeutschlands; zu dieser Zeit wanderten viele Amphibien und Reptilien in deutsche Terrarien. Die Epoche fand im Fach-Schrifttum ihren deutlichen Niederschlag, wie zahlreiche Beiträge in aquarien- und terrarienkundlichen Zeitschriften bekunden. Heute ist Bulgarien schon längst „in den Händen“ eigener Zoologen, die hier gute Arbeit leisten!


Bulgarien ist vor allem ein Land, dem man die Landflucht anmerkt: In den von uns bereisten Landesteilen gibt es außer in der thrakischen Tiefebene kaum großräumige Gebiete mit Intensiv-Landwirtschaft. Abgesehen von der Schwarzmeerküste mit zubetonierten kilometerlangen Strandabschnitten, den Hotelburgen, gibt es vergleichsweise wenig Spuren von Natur zerstörerischen Eingriffen. Im Gegenteil! Etliche der ehemals landwirtschaftlichen Bereiche liegen heute brach und sind von der Natur zurück erobert worden. Dazu kommen faszinierende und beinahe unberührte Naturräume, die in Europa ihresgleichen suchen. So kann sich Bulgarien rühmen, bedeutende Bestände von Braunbären, Goldschakalen und Wölfen zu besitzen!


Die Herpetofauna ist aus mehreren Gründen interessant, denn das Land beherbergt mehrere zoogeographische Regionen, was für einen entsprechenden Artenreichtum sorgt. Mehrere Schwesternarten treffen hier aufeinander und bilden Kontaktzonen. Zudem gelangten in vergangenen Jahren etliche Arten von Amphibien und Reptilien in den Fokus der systematischen und taxonomischen Forschung. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sorgen für neue und teilweise spannende Erkenntnisse. 

 

Dank seiner Fanggenehmigung war es uns möglich, einzelne Tiere zu fangen, um sie zu fotografieren. Alle Tiere wurden nach dem Fotografieren unversehrt an Ort und Stelle wieder frei gelassen.

  

1. Tag – 28. April: Sofia

 

Eine Stunde Zeitverschiebung, Übernahme des Mietautos, ein koreanischer SSangyong Korado, der für uns und unser Gepäck geräumig genug war und auch mit entsprechender Motorleistung überzeugen konnte.

 

 
2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

 

Karfreitag („Einkaufstag“) der Orthodoxen Kirche(n), ganztags bedeckt und Nieselregen, frische Temperatur, - keine günstigen Voraussetzungen für Reptilienbeobachtungen! Fahrt zum Pancharevo See, - einem künstlichen Gewässer und Naherholungsgebiet südöstlich von Sofia: Der See hatte nur wenig Wasser, er dient gleichzeitig als Ruder-Regatta-Stätte und ist das Revier vieler Angler. Trotz der ungünstigen Bedingungen konnten wir Seefrösche (Pelophylax ridibundus) und Springfrösche (Rana dalmatina) im Gras und am Ufer beobachten. Entlang einer asphaltierten Promenade fanden wir hier Erdkröten (Bufo bufo spinosus) und eine Ringelnatter (Natrix natrix natrix), beide Arten als platt gewalzte Straßenopfer.

 

Mittags ging es auf in den Süden: Eine Fahrt zum Rila-Kloster durfte da nicht fehlen. Der Besuch ist absolut empfehlenswert, ein kulturelles Highlight und UNESCO Weltkulturerbe! Nach diesem „Abstecher“ setzten wir die Weiterfahrt nach Süden fort in Richtung Struma-Tal und zur Kresnaschlucht. An der Struma herrschte trotz des nasskalten Wetters reges Treiben, denn der Fluss wird für Rafting-Aktivitäten genutzt. Die Vorsaison hatte bereits begonnen und es befanden sich etliche Schlauchboote auf ihrer abenteuerlichen Fahrt in Richtung flussabwärts. Von einem Restaurant an der Struma ausgehend, unternahmen wir eine Wanderung zu einem verfallenen Bahnwärterhaus, in dessen Innenräumen sich eine große Zahl von Hufeisennasen-Fledermäusen (Rhinolophus hipposideros) befand. Auf dem Weg dorthin fanden sich zahlreich Gefleckte Weinbergschnecken (Cornu aspersum). Praktisch unter jedem Stein fand sich ein Skolopender (Europäischer Riesenläufer Scolopendra cingulata) von stattlicher Größe, daran musste man sich erst gewöhnen. Später wurde es zur Gewohnheit, denn die Tiere fanden sich in unseren Exkursionsgebieten allerorts unter Steinen. Das Gift dieses Hundertfüßlers kann erhebliche Schmerzen und Schwellungen verursachen, also Vorsicht!

 

Rila Kloster

Rila Kloster

 

Anschließend ging es ein paar Kilometer weiter nach Süden zur Stadt Kresna. Hier fuhren wir über den östlichen Ortsteil vom Bahnhof in Richtung Vlahi. Inmitten von Weingärten befindet sich eine alte „Kreidemühle“, im Inneren voll mit Lumpen und sonstigen Abfällen. Sie soll als Massenüberwinterungsquartier für Schlangen dienen, durchaus glaubwürdig! In der Umgebung fanden sich kleinere Misthaufen, Scherbenhaufen, Kompost und Anhäufungen von Wurzeln. Die Suche in diesem viel versprechenden Gebiet ergab eine tote Wurmschlange (Xerotyphlops vermicularis). In einem Folienteich etwa 300m davon entfernt, gleich neben der Straße fanden wir Balkan-Kammmolche (Triturus ivanbureschi), zusammen mit den „unvermeidlichen“ Seefröschen (Pelophylax ridibundus). 

 

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 2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

Pancharevo-See

 2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

Rana dalmatina, Pancharevo-See 

 2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

Bewaldeter Abhang zum Pancharevo-See, Habitat von Ablepharus kitaibelii stepaneki 

 2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

Im Rila-Gebirge: Fahrt zum Rila-Kloster. V.l.n.r.: Andrei Stojanov, Rudolf Klepsch, Johannes Hill 

 2. Tag – 29. April: Sofia-Umgebung, Struma-Tal

Schlucht im Rila-Gebirge: Rilsja Reka 

 
 
 
3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Wir starteten mit einem weiteren Besuch der Kresnaschlucht. Das Wetter war weiterhin trüb, der Himmel bedeckt und nasskalte Witterung. Trotz des ungünstigen Wetters suchten wir nicht vergebens: Xerotyphlops vermicularis, diesmal lebend, befand sich unter einem Stein auf dem erweiterten Bankett (Parkplatz), ebendort unter einem Stein eine Smaragdeidechse Lacerta viridis, noch klamm vor Kälte, blieb aber beim Fangen fest in der Hand verbissen hängen. Diese Art sollte uns noch als häufigste Reptilienart in allen Exkursionsgebieten regelmäßig begegnen! Panzerreste der Griechischen Landschildkröte Testudo hermanni boettgeri lagen auf dem Parkplatz. Beim Aufstieg zu einer steilen Felsklippe mit Geröllhalden und Betonfundamenten begegneten wir Reste ehemaliger militärischer Anlagen. Erstmals kam die Sonne hervor. Hier beobachten wir erneut Lacerta viridis und begegneten der ersten Maurischen Landschildkröte Testudo graeca ibera, - ein Tier mit fehlendem linken Hinterfuß und Zecken. Mit der Haubenfangschrecke (Empusa pennata) präsentierte sich uns hier ein spektakulärer Vertreter der Insekten.

 

Am späten Vormittag machten wir uns dann auf die Fahrt in das südliche Strumatal bis knapp zur griechischen Grenze nach Rupite. Der Ort entpuppte sich als belebtes Ausflugsziel, besonders während unserer Ankunft zu den Osterfeiertagen. Der Straßenrand war gesäumt von Marktständen. Ein gepflegter Rasen mit Stühlen und Sitzgruppen sowie Imbissbuden luden zum Verweilen im parkartigen Gelände ein. Aufklärungstafeln wiesen auf Besonderheiten der Natur der Umgebung hin. Die reizvolle Landschaft liegt im Gebiet eines erloschenen Vulkans und weist heute etliche Thermalquellen auf. Gleich neben den Thermalteichen im Parkzentrum befindet sich eine Fasanerie mit Hühnern, Perlhühnern und Pfauen. Die Stätte ist landesweit bekannt als ehemaliger Wirkungsort der blinden Wahrsagerin „Baba Vanga“. In den mehr oder minder warmen Gewässern innerhalb der Parkanlage waren Europäische Sumpfschildkröten Emys orbicularis, Kaspische Bachschildkröten Mauremys rivulata, aber auch die neozoischen Schmuckschildkröten Trachemys scripta elegans und Trachemys scripta scripta recht zahlreich zu sehen.

 

Emys orbicularis

Emys orbicularis

 

Eine Emys flüchtete sogar zusammen mit Wasserfröschen Pelophylax ridibundus in einem 27° bis 30°C warmen Teich, der nur von Algen bewachsen war und versuchte sich in dessen Mitte im Schlammgrund einzugraben. Dieser Teich wurde immerhin von einer heißen Thermalquelle gespeist! In den Flachwasserbereichen ringsum nutzten auch etliche Menschen den Heilschlamm und badeten darin. Um zu einem nahe gelegenen Schilf-bestandenen Wassergraben zu gelangen, überquerten wir eine weitläufige Wiese, über unseren Köpfen flog eine große Zahl von Bienenfressern Merops apiaster. Im und am Wasser konnten wir zwei Emys orbicularis fangen und Natrix natrix sowie die Riesensmaragdeidechse Lacerta trilineata beobachten. Unweit davon, aber abseits des Touristenzentrums, streiften wir durch eine Wiesensenke und durchsuchten die daran anschließenden Geröllhalden und Böschungen. In der Wiese fand sich ein Weibchen von Testudo hermanni. Tunnelartige Gänge im hohen Gras verrieten Spuren von weiteren Tieren, die sich offenbar schon in das dornige Gestrüpp zurückgezogen hatten. Höhepunkt des Rupite – Besuches war ein Männchen der Schlanknatter Platyceps najadum dahlii in einer Geröllhalde am Rande der Wiese, das, vor der Häutung stehend, sich mit Bissen heftig zur Wehr setzte!

 

Danach begaben wir uns auf die Rückfahrt zur „Kreidemühle“. Dort fanden wir das syntope Vorkommen von Lacerta viridis und Lacerta trilineata bestätigt. In der Nähe war das Fiepen eines balzenden Testudo hermanni Männchens über mehrere Meter gut zu hören. Schauplatz des „Landschildkröten – Rendezvous“ war der Rand eines Weinberges, wo soeben ein Weibchen der Griechischen Landschildkröte versuchte, unter überhängenden Ästen das stürmische Männchen durch Abstreifen los zu werden. In wenigen Metern davon entfernt war eine Kaspische Zornnatter Dolichophis caspius mehrmals im Lückensystem einer Legsteinmauer beobachtet worden, sie verhielt sich jedoch zu geschickt, um gefangen zu werden.

 

Auf dem Weg zum erwähnten Kammmolch-Teich fanden wir eine Exuvie der Östlichen Eidechsennatter Malpolon insignitus und Erdkröten Bufo bufo als Straßenopfer. Ausgedehnte Rundgänge im Gelände ringsum und etwa 800 m weiter in Richtung Vlahi führten uns zu verlassenen Landwirtschaften mit Legsteinmauern und zu Schafweiden, die sich entlang eines tief eingeschnittenen Bachbettes befanden. In der Kelleröffnung eines Gebäude-Fundamentes entdeckten wir Panzerreste von Testudo graeca. Die Ruine wurde offensichtlich zur Schildkrötenfalle!

 

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Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Restaurant im Hotel Kresna, v.l.n.r.: Andrei Stojanov, Richard Gemel, Rudolf Klepsch

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Kresna-Schlucht: Habitat von Xerotyphlops vermicularis und Lacerta viridis 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Xerotyphlops vermicularis, Kresna-Schlucht 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Lacerta viridis, Kresna-Schlucht 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Testudo graeca ibera, Kresna-Schlucht 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Haubenfangschrecke (Empusa pennata), Kresna-Schlucht 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Trachemys scripta scripta, Rupite 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Baba Vanga-Park, Rupite („Vanga-Rupite-Komplex“) mit Thermalquellen

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Mauremys rivulata, Rupite 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Trachemys scripta elegans, Rupite

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Pelophylax ridibundus, Rupite

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Schlammbad, Thermalwasser, Rupite 

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Testudo hermanni boettgeri, Rupite

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Habitat von Testudo hermanni boettgeri und Platyceps najadum dahlii

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Platyceps najadum dahlii, Rupite

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Lacerta viridis, Jungtier östlich von Kresna 

 
 
 
4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

 

Gleich am Vormittag setzten wir die Suche im selben Gebiet fort: Auf einem Abfallhaufen mit Fetzen saß eine juvenile Testudo graeca und unweit davon eine stattliches, großes Weibchen derselben Art. Letzteres wurde beim Eingraben auf einer Böschung mit offenem Graswuchs überrascht. Die Weiterfahrt führte uns in das Strumatal, einige Kilometer weiter in Richtung Norden. Bei einem Bahnübergang am linken Struma-Ufer befanden sich in einem offenen Drainagerohr und daneben in Wegpfützen Wasserfrösche, Gelbbauchunken Bombina variegata und eine juvenile Würfelnatter Natrix tessellata. Im Gebüsch waren Lacerta viridis zahlreich. Auf einer Waldlichtung am rechten Struma-Ufer sonnte sich ein prächtiges Ringelnatter-Weibchen, Natrix natrix. Beim Rückmarsch zum Auto entdeckten wir an der Straßenböschung auf der Wiese neben der Struma ein großes Weibchen einer Natrix tessellata. Befand sich das Tier auf dem Weg zur Eiablage? Im Gebüsch zum Fluss hin fielen etliche Smaragdeidechsen auf. Sie saßen in regelmäßigen Abständen im Gebüsch auf Ästen, um sich in den „Sonnenfenstern“ aufzuheizen. Weitere kleinere Tiere liefen daneben in der Wiese umher.

 

Am Ufer der Struma nahe eines Rafting Zentrums befanden sich soeben Bufo bufo im Amplexus. Im kalten Wasser und in der starken Strömung eines Zuflusses zur Struma war dieses Pärchen mit der Reproduktion deutlich später dran als die Erdkröten in den umliegenden stehenden Gewässern. Am Waldweg entlang der Struma entdeckten wir eine subadulte Äskulapnatter Zamenis longissimus. Noch einmal ging es danach zurück zur Umgebung der „Kreidemühle“. Diesmal gelang der Fang von gleich zwei Malpolon insignitus, dazu Beobachtungen von mehr als einem halben Dutzend Landschildkröten beider Arten, teilweise unter Müll. Der Artenreichtum der Insekten war beeindruckend, als ein Beispiel nennen wir den eindrucksvollen Trauerbock Morimus funereus. Bei einem derartigen Insektenreichtum kam hier das Auftreten eines Rotkopfwürgers (Lanius senator) nicht überraschen.

 

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Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Testudo graeca ibera, östlich von Kresna 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Testudo graeca ibera, östlich von Kresna, adultes Weibchen, ventral

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Bombina variegata klammert Pelophylax ridibundus in einem offenen Drainage-Rohr, nördlich Kresna, linkes Struma-Ufer 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Bombina variegata in einem offenen Drainage-Rohr, nördlich Kresna, linkes Struma-Ufer 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Natrix natrix, adultes Weibchen, nördlich Kresna, rechtes Struma-Ufer

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Natrix tessellata, nördlich Kresna, adultes Weibchen, Böschung am rechten Struma-Ufer

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Bufo bufo im Amplexus, nördlich Kresna linker Zufluß zur Struma

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Zamenis longissimus, nördlich Kresna, rechtes Struma-Ufer, in situ 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Malpolon insignitus, östlich Kresna (Richtung Vlahi) 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Trauerbock Morimus funereus, östlich von Kresna

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

Rotkopfwürger Laniussenator östlich von Kresna 

Bulgarien 2016: 4. Tag – 01. Mai: entlang der Struma

v.l.n.r.: Andrei Stojanov, Johannes Hill, Richard Gemel, östlich Kresna (Richtung Vlahi)

 
 
 
5. Tag – 02. Mai: Die Ostrhodopen

  

Um in die Ostrhodopen zu gelangen, ging die Fahrt zunächst wieder nach Sofia zurück und dann anschließend in Richtung Südost, großteils auf der Autobahn. Bei einem Stopp auf einer Strasse durch die Wälder der Ostrhodopen, nahe dem Arda-Tal und einige Kilometer nördlich von Madzharovo machten wir folgende „Ausbeute“: Kolchische Blindschleiche Anguis colchica, Lacerta viridis, etliche Bombina variegata in Pfützen und Natrix natrix.

 

Anguis colchica

Anguis colchica

 

Anschließend besuchten wir das „Naturschutzzentrums Ostrhodopen“. Es befindet sich knapp außerhalb von Madzharovo, direkt an der Brücke, die hier über den Arda-Fluß führt. Mit Hilfe der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ist hier eine Geier-Beobachtungsstation eingerichtet. Mit Radverleih, Kajakfahrten und Reiten soll hier der Öko-Tourismus angekurbelt werden. Das Naturschutzzentrum besteht aus einer Gaststätte mit Gästezimmern und einem kleinen Ausstellungsraum. Im Ausstellungsraum befinden sich interaktive Schautafeln zum Thema Greifvögel, Poster, ein Relief-Panorama und ein kleiner Souvenirshop. Schildkrötenreste in den Dioramen der Geierhorste in diesem kleinen Museum veranschaulichen die Bedeutung dieser Reptilien in der Kost der Geier. Hier befinden sich auch etliche aus der Umgebung aufgesammelte Schildkrötenpanzer. Unter ihnen sticht vor allem ein riesiger Panzer von Testudo graeca hervor. Der Arda-Fluß bei Madzharovo bietet eine äußerst gute Gelegenheit, Geier, Greifvögel und Störche zu beobachten, die hier in den Aufwinden kreisen. Während unseres Besuches konnten wir unter anderem Gänsegeier (Gyps fulvus) und Schwarzstörche (Ciconia nigra) beobachten.

 

 
6. Tag – 03. Mai: Regenwetter und kühle Temperaturen

 

Regen und trübes Wetter hielten an. Als „Ersatzprogramm“ unternahmen wir deshalb eine Fahrt von unserer Unterkunft in Ivailovgrad zur Ausgrabungsstätte der römischen Villa Armira. Anschließend begaben wir uns auf einen Rundgang in die nähere Umgebung der Ausgrabungsstätte. Eine Exuvie von Zamenis longissimus gehörte offenbar zu jener Schlangenart, die nach Erzählungen der Archäologin regelmäßig die überdachten wärmeren Innenräume der Ausgrabungsstätte aufsuchen soll.

 

Seefrösche fanden sich am Bach und in den umliegenden Wiesen sowie in einem mit Weiden bestandenen kleinen Teich. In diesem Teich mit submerser Vegetation waren neben den Rufen der Seefrösche auch deutlich andere Anzeigerufe mit ca. fünf Impulsgruppen pro Sekunde zu hören, die vermutlich Pelophylax bedriagae zuzuordnen waren. Diese Rufe klangen ähnlich wie das Schnarren von Pelophylax lessonae. Das Keckern der Seefrösche, die sich ebenso in dem Teich befanden, hob sich deutlich davon ab. Bei unserer Annäherung stürzten sich drei Mauremys rivulata ins Wasser. Mehrere Rana dalmatina befanden sich entlang des Bachufers und auf der nahe gelegenen Rinderweide.

 

Zurück in Ivailovgrad konnten im Ortsgebiet am zeitigen Nachmittag trotz anhaltend feuchten Wetters und kühlen Temperaturen ein Testudo hermanni Baby und Lacerta viridis beobachtet werden. Am Nachmittag besserte sich endlich das Wetter etwas und wir unternahmen von Ivailovgrad aus einen „Aufstieg“ zu den nahe gelegenen Schafweiden. Dabei begegneten wir erneut mehreren Rana dalmatina und fanden auch Bufo bufo tot auf der Straße sowie Überreste eines kleinen Panzers von Testudo graeca auf der Schafweide. Unter einem flachen Stein verbarg sich ein Exemplar von Dolichophis caspius.

 

Dann kam die große Überraschung: Unter sechs Steinen, alle in einem Gebiet beisammen, befanden sich Xerotyphlops vermicularis, - immer ein einzelnes Tier unter einem Stein. Unter einem weiteren Stein entdeckten wir sogar ein Knäuel von Wurmschlangen, bestehend aus einem adulten Tier und vier bis fünf jungen Exemplaren! Unter keinem dieser Steine befanden sich Ameisen (mit Puppen), außerdem war es unter allen Steinen trocken. Bemerkenswert war auch, dass wir in einem Fall einen Skolopender gemeinsam mit einer Wurmschlange unter einem Stein fanden.

 

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6. Tag – 3. Mai: Regenwetter und kühle Temperaturen

Weißstorch Ciconia ciconia, Arda-Fluß, Ostrhodopen

Bulgarien 2016: 3. Tag – 30. April: Kresna-Schlucht und südliches Struma-Tal (Rupite)

Villa Armira bei Ivailovgrad, Modell der antiken Villa 

6. Tag – 3. Mai: Regenwetter und kühle Temperaturen

Villa Armira: Mosaikboden 

6. Tag – 3. Mai: Regenwetter und kühle Temperaturen

Dolichophis caspius, Ivailovgrad 

6. Tag – 3. Mai: Regenwetter und kühle Temperaturen

Xerotyphlops vermicularis im „Knäuel“, Ivailovgrad 

 
 
 
7. Tag – 04. Mai: Arda-Fluss

 

Im Bereich des „Naturschutzzentrums Ostrhodopen“ gingen wir im Schotterbett des Arda-Flusses entlang. Im Bereich der Brücke scheuchten wir etliche Exemplare von Lacerta viridis und Lacerta trilineata auf. In einem Nebenarm des Arda Flusses, mit grobem Schotter gefüllt, konnten wir im kalten Wasser eine Schildkröte überraschen, sie aber nicht bestimmen. Nach Aussage der Biologin vor Ort soll es hier nur Emys orbicularis geben.


Die zum Fluss hin abschüssigen Schafweiden waren unser nächstes Exkursionsziel. In diesem Bereich fanden sich Gebäudereste, deren Fundamente teilweise mit flachem Wasser gefüllt waren. Auf der Weide lagen einzelne Steine umher und an mehreren Orten befanden sich kleine Gesteinshalden und Legsteinmauern. In den kleinen Lacken der Gebäudefundamente hielten sich Seefrösche auf. Rufe der Wechselkröte Bufotes viridis waren von hier aus zu hören, aber keine Tiere waren zu sehen. Eine Dolichophis caspius konnte unter einem Gesteinshaufen zwischen Dornengestrüpp beobachtet werden, eine Wechselkröte (Bufotes viridis) fand sich dann auch unter einem Stein. Neben Brombeerranken sonnte sich eine Hornotter Vipera ammodytes. Eine Testudo graeca nahe der Fundstelle der Hornotter hatte auf dem ersten Blick auffallende Ähnlichsieht mit Testudo hermanni! Wir verzeichneten noch einen Totfund von Natrix tessellata, ganz in der Nähe der Brücke. Bei der „Foto-Session“ mit dem Exemplar von Vipera ammodytes erstaunte uns das Tier mit seinem einzigartigen Verhalten, indem es sich kurz tot stellte, und dann, auf dem Rücken liegend, den Kopf hob und immer wieder versuchte, mit S-förmig gekrümmtem Hals zuzustoßen. Von einem solchen Verhalten der Hornotter hatten wir noch nie gelesen oder gehört!


In etwa zwei Kilometer davon entfernt setzten wir die Suche nach Amphibien und Reptilien an der Straßenböschung im Arda-Tal fort. In einem Wassertrog am Straßenrand tummelten sich mehrere Gelbbauchunken (Bombina variegata), im Gras des Straßenbanketts fingen wir unseren ersten Scheltopusik Pseudopus apodus thracicus, ein Männchen, das beim Ergreifen beide Hemipenisse erigierte. Höhepunkt waren zwei Exemplare der Westlichen Sandboa Eryx jaculus turcicus, beide – ein größeres und ein kleines Exemplar - unter einem Stein.

 

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Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Lacerta trilineata, juvenil, nördlich Madzharovo, Arda-Tal 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Testudo graeca, Männchen, nördlich Madzharovo, Arda-Tal 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

„Riesenpanzer“ von Testudo graeca, Naturschutzzentrum Ostrhodopen 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Diorama eines Geiernestes mit Resten von Schildkröten, Naturschutzzentrum Ostrhodopen

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Vipera ammodytes, juveniles Männchen, Arda-Tal, Ostrhodopen

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Vipera ammodytes, juveniles Männchen in „Akinese“, Arda-Tal, Ostrhodopen 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Bufotes viridis Arda-Tal, Ostrhodopen 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

erigierte Hemipenisse und austretender Kot als Abwehrreaktion von Pseudopus apodus, Arda-Tal, Ostrhodopen 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Pseudopus apodus, Männchen, Arda-Tal, Ostrhodopen 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Ardatal, Ostrhodopen. Habitat von Pseudopus apodus und Eryx jaculus 

Bulgarien 2016: 7. Tag – 4. Mai: Arda-Fluss

Zwei Eryx jaculus, beide unter demselben Stein. Ardatal, Ostrhodopen 

 
 
 
8. Tag – 05. Mai: Schwarzmeerküste

 

Wir begaben uns bei kaltem Wetter (11°C) und Regen von den Ostrhodopen auf die Fahrt zur südlichen Schwarzmeerküste nach Tsarevo. Knapp vor unserem Ziel hielten wir beim Strand von Arkutino. Vom Parkplatz „Arkutino Bay“ aus begaben wir uns zunächst auf einen Spaziergang zum landeinwärts gelegenen Teich mit Bruchwald, Schilf und reichlicher submerser Vegetation. Die Rufe mehrerer Rotbauchunken Bombina bombina waren zu hören. Die Verlandung schreitet hier rasch voran! Auf einem Holzsteg ist das Gebiet bequem zu erkunden. Daraufhin überquerten wir die Straße in Richtung Strand und fanden hier eine Sandbucht mit Trockenmoos vor: Unerwartet scheuchten wir einen Hasen auf und stießen auch auf eine Natrix tessellata. Innerhalb etwa einer halben Stunde konnten gleich 13 Exemplare der beiden Landschildkrötenarten (Testudo hermanni & Testudo graeca) in mehreren Alters- und Größenklassen gefunden werden.

 

Arkutino Bay

Arkutino Bay“, Schwarzmeerküste. Lebensraum beider Landschildkröten, D. caspius und N. tessellata 

  

Jungtier von Testudo hermanni boettgeri

 Ein Jungtier von Testudo hermanni boettgeri und drei Jungtiere von Testudo graeca ibera

 


9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve
 
Vom Hotel in Tsarevo fuhren wir zum Vogelschutzgebiet „Poda“. Beim Erreichen des Vogelschutzgebietes „Poda“ hatten wir endlich sonniges Wetter und es wurde deutlich wärmer! Für den Eintritt zahlten wir 5 Lewa (etwa 2.50 €). Sofort war der große Vogelreichtum merkbar, selbst seltenere Arten wie den Braunen Sichler (Plegadis falcinellus) konnten wir beobachten, nicht zu übersehen waren die Nistkolonien der Kormorane (Phalacrocorax carbo) auf den Starkstrommasten. Die Brackwasser-Lagunen scheinen fischreich zu sein, denn nicht nur die Kormorane, sondern auch die Häufigkeit der Würfelnattern wiesen darauf hin. Unter drei Holzplatten (alte Türen) im Gelände des Empfangsgebäudes des Naturschutzgebietes Poda waren gleich mehr als zwanzig Natrix tessellata versammelt! Die Holzplatten wurden speziell aufgelegt, um den Kindern bei Führungen Schlangen näher bringen zu können und die Würfelnattern dafür „griffbereit“ zu haben.
 
Wir wanderten den schnurgeraden Damm entlang und konnten dabei vier Fleckennattern („Östliche Vierstreifennattern“) Elaphe sauromates entdecken und davon zwei fangen. Besonders das zweite Tier zeigte sich sehr aggressiv, plattete den Kopf extrem ab, um einen „Vipernkopf“ vorzutäuschen. Mit stark geblähter Lunge erzeugte es ein Blasbalg-artig lautes Zischen und wehrte sich mit (Schein)bissen. Von vier Dolichophis caspius konnten zwei gefangen werden, beide standen vor der Häutung, - ein Zufall? Zweifellos profitieren beide Arten vom Vogelreichtum der Umgebung! Auf den Zweigen der Gebüsche, die den Weg säumten, befanden sich auffallende Gespinste von Pinien-Prozessionsspinnern (Thaumepotoea pityocampa).
 
Vogelschutzgebiet Poda

Vogelschutzgebiet „Poda“, Schwarzmeerküste

 
Im flachen Wasser beim Damm im Eingangsbereich des Vogelschutzgebietes waren zwei Emys orbicularis auszumachen. Eine Natrix natrix hatte soeben einen Frosch am Hinterfuß gepackt und ließ sich durch unsere Nähe nicht stören. Nach einiger Zeit, während der Frosch Abwehrlaute von sich gab, ließ die Schlange unvermittelt los und stürzte sich sofort wieder auf ihre Beute. Beide Tiere verschwanden dabei unter der Schilfdecke, und so konnten wir den Ausgang des Dramas nicht weiter beobachten. Gleich außerhalb des Schutzgebietes am Straßenbankett zur Brücke ließ sich ein Männchen von Pseudopus apodus fangen, das ebenso beide Hemipenisse ausstülpte wie das Tier am Arda-Fluss. Eindrucksvoll war hier vor allem die große Zahl der Würfelnattern! Von der Brücke aus konnte man sich einen Überblick verschaffen: Unter dem gut Dutzend Tieren befanden sich zwei schwarze Exemplare nebeneinander liegend und ein Rekord verdächtiges großes Weibchen.
 
Danach ging es zum „Ropotamo Nature Reserve“: Zunächst durchstreiften wir den Uferbereich an einer verfallenen und nicht mehr in Betrieb befindlichen Bootsanlegestelle, anschließend stiegen wir die Böschung hinauf. Zwischen Fels und Geröll sichteten wir eine Vipera ammodytes, eine Taurische Eidechse Podarcis tauricus mit erstaunlich geringer Fluchtdistanz und eine Natrix tessellata oberhalb am Hang im Waldgebiet. Zudem fanden wir eine Exuvie von Malpolon insignitus. In diesem Bereich waren überall Spuren von Wildschweinen und Rehverbiss. Zurück am Flussufer nutzten wir das Angebot für Touristen und ließen uns mit einem Boot dem Ropotamo entlang fahren. Trotz des zwischenzeitlich bedeckten Himmel und deutlicher Abkühlung konnten bei der Gelegenheit etwa 20 Emys orbicularis beobachtet werden, hauptsächlich auf dem Totholz am Ufer sitzend, jeweils ein bis drei Tiere beisammen.
 
Noch am selben Nachmittag starteten wir zu einer Fahrt entlang der Schwarzmeer-Küste nach Süden nach Athopol und zur Veleka nahe der Grenze zur Türkei. In einer Geröllhalde fanden wir hier eine Exuvie von Zamenis longissimus. Einzelne Wasserfrösche wagten sich weit weg vom Wasser und befanden sich mitten auf einer Hahnenfuß-Wiese. Emys orbicularis tauchten in einem Tümpel am Fluss ab. Unter der Brücke über die Veleka befanden sich zahlreiche Mehlschwalbennester nebeneinander, in der Kolonie herrschte reges Treiben. Entlang des Flusses ist ein „Naturlehrpfad“ mit Tafeln zur Ornithofauna eingerichtet.

 

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Bulgarien 2016: 9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve

Kormorane auf alten Starkstrommasten im Vogelschutzgebiet „Poda“

Bulgarien 2016: 9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve

Elaphe sauromates mit abgeflachten Kopf, Vogelschutzgebiet „Poda“, Schwarzmeerküste 

Bulgarien 2016: 9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve

Dolichophis caspius, Vogelschutzgebiet „Poda“, Schwarzmeerküste 

Bulgarien 2016: 9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve

Natrix tessellata, in situ, Vogelschutzgebiet „Poda“, Schwarzmeerküste 

Bulgarien 2016: 9. Tag – 06. Mai: Poda Vogelschutzgebiet & Ropotamo Nature Reserve

Ropotamo-Fluss 

 
 
 
10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

 

Vom Quartier in Tsarevo ging es in das Strandscha-Gebirge. Das Naturschutzgebiet Bosna ist hier ca. 16 km nördlich von Tsarevo aus zu erreichen. Wir wanderten die Straße in einem naturnahen Flusstal entlang und schenkten den steinigen Hängen, dem Waldgebiet und den Uferbereichen besondere Aufmerksamkeit. Die reichliche „Ausbeute“ erbrachte Testudo hermanni, Testudo graeca, Vipera ammodytes, Malpolon insignitus im Bereich der Geröllhalden. Entlang des Waldweges beobachteten wir Bufo bufo (DOR) und Wasserfrösche. Wasserfrösche waren auch im Wald anzutreffen, auch hier auffallend weit weg vom Wasser. In regelmäßigen Abständen begegneten wir Rana dalmatina. Auf dem Weg und am Wegesrand im Waldgebiet verzeichneten wir weiters Natrix natrix, Pseudopus apodus und viele Lacerta viridis. Eine Emys orbicularis befand sich in einem schattigen Bach. In unmittelbarer Nähe zum Fluss auf dem Geröll entdeckten wir eine Podarcis muralis. Es sollte die einzige Mauereidechse sein, die uns auf unserer Exkursion begegnet ist!

 

Oberhalb des Weges, auf steil abfallenden Felsplatten befand sich eine Podarcis tauricus, das zweite Tier dieser Art auf unserer Exkursion. Weitere Arten, die wir hier vorfanden, waren Anguis colchica, Zamenis longissimus und eine weitere Vipera ammodytes. Beim Rückweg fingen wir im Steinbruchartigen Gelände, das wir schon zuvor inspiziert hatten, eine Malpolon insignitus -, nicht zuletzt, um sie den Bulgaren zu zeigen, die sich in der Nähe regelmäßig in einer Schank treffen. Zwei weitere Emys orbicularis konnten in einem Tümpel mit hoher Laubschicht unter einer Brücke beobachtet werden.


Völlig unerwartet dann das Highlight mit bitterem Beigeschmack: Eine Rötliche Schlanknatter Platyceps collaris, nach der wir so lange gesucht hatten, fand sich als Straßenopfer auf der Straße unweit der Küste zwischen Wiesen, knapp außerhalb des Naturschutzgebietes und mehrere Kilometer von den steinigen Hängen entfernt. Eine Nachsuche in der Wiese brachte eine weitere Vipera ammodytes, aber keine Rötliche Zornnatter.

 

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Bulgarien 2016: 10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

Rana dalmatina, Strandscha-Gebirge 

Bulgarien 2016: 10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

Emys orbicularis Strandscha-Gebirge 

Bulgarien 2016: 10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

Lebensraum von Podarcis muralis, Strandscha-Gebirge 

Bulgarien 2016: 10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

Vipera ammodytes, Strandscha-Gebirge

Bulgarien 2016: 10. Tag – 07. Mai: Strandscha-Gebirge

Platyceps collaris, DOR, knapp außerhalb des NSG Strandscha-Gebirge, nahe der Schwarzmeerküste

 
 
 
11. Tag – 08. Mai: Rückfahrt nach Sofia

 

Unser letzter Tag im Gelände, nochmals durchstreiften wir das Gebiet im Bereich des „Arkutino Beach“ und begaben uns dann auf den bekannten Holzsteg, der über den Teich führt. Seekannen (Nymphoides) bildeten hier stellenweise einen Wasserpflanzenteppich. Mehrere Emys orbicularis und Natrix natrix waren bequem zu beobachten und im Uferbereich Lacerta viridis. Da in dieser Gegend die Wasserfrösche teilweise als Pelophylax kl. esculentus eingestuft werden, legten wir uns nicht fest, ob es sich hier um Seefrösche oder Teichfrösche handelte. Auch bleibt es dahingestellt, ob die Wasserfrösche, die wir als „Pelophylax ridibundus“ bezeichnet haben, zur Gänze oder teilweise nicht Pelophylax kurtmuelleri zuzuordnen wären. Dieser idyllische Ort ist speziell für Vogelbeobachtungen eingerichtet wie uns ein über das Wasser fliegender Pirol (Oriolus oriolus) deutlich machte. Wir überquerten die Straße in Richtung Meeresstrand und suchten im Bereich der Bauruinen des nicht fertig gestelltes Kinderdorfheimes mit dem folgenden Ergebnis Triturus ivanbureschi, Rana dalmatina, Anguis colchica, mehrere Lacerta viridis, drei Xerotyphlops vermicularis, Natrix natrix, Pseudopus apodus. Nicht nur am Strand, sondern auch im Bereich der Gebäudereste ein adultes Männchen von Testudo hermanni und unweit davon ein adultes Männchen von Testudo graeca; letzteres mit Zecken, Testudo hermanni aber ohne Zecken! Wieso?

 

Dolichophis caspius

Dolichophis caspius „Arkutino Bay“, Schwarzmeerküste


Zurück von den Bauruinen zur Sandbucht, wo unter einer Blechplatte eine frisch gehäutete Dolichophis caspius gefangen werden konnte, die sich lebhaft zur Wehr setzte. Bei der Gelegenheiten konnten hier weitere Testudo graeca ausfindig gemacht werden. Bei der Rückreise nach Sofia beeindruckte uns eine Gruppe von fliegenden Rosapelikanen (Pelecanus onocrotalus) am Stadtrand von Burgas, so als wollten sie uns von einer so eindrucksvollen Naturlandschaft verabschieden.

 


12. Tag – 09. Mai

 

Mit einer Stadtbesichtigung, dem Besuch des Naturkundemuseums und des Archäologische Nationalmuseums ließen wir unsere Reise ausklingen. 

 

Besonderheiten unserer Beobachtungen 
 
    • Rana dalmatina war regelmäßig zu beobachten, an manchen Stellen in kurzen Abständen voneinander (Z. B. im Naturschutzgebiet Bosna).
    • Pelophylax bedriagae in einem Teich nahe der „Villa Armira“. Wir beurteilten das Vorkommen nach den Besonderheiten des Rufes. 
    • „Riesenpanzer“ von Testudo graeca im Schauraum des „Naturschutzzentrums Ostrhodopen“ von einem selten großwüchsigen Exemplar. 
    • Die beiden Landschildkrötenarten Testudo hermanni und Testudo graeca fanden wir in allen Exkursionsgebieten syntop; auffallender Weise zeigte Testudo graeca fast immer Zeckenbefall. Testudo hermanni hatte dagegen keine oder nur einzelne Zecken, obwohl manchmal Tiere beider Arten unmittelbar nebeneinander gefunden worden sind, in zwei Fällen sogar direkt nebeneinander sitzend.
    • Eryx jaculus: Zwei Tiere unter demselben Stein; ein größeres und ein kleineres. 
    • Xerotyphlops vermicularis: Knäuelartige Ansammlung von etwa sechs Tieren unter einem Stein. 
    • Schwärzlinge von Natrix tessellata im Vogelschutzgebiet „Poda“. 
    • „Riesenweibchen“ von Natrix tessellata im Vogelschutzgebiet „Poda“. 
    • Der einzige Fund von Platyceps collaris als Straßenopfer auf einem Straßenabschnitt zwischen Wiesen und nicht in dem zu vermutenden Habitaten mit Geröll und Steinen. 
    • Besonderes Abwehrverhalten eines Tieres von Vipera ammodytes: Auf dem Rücken liegend („Totstellreflex“), nach einiger Zeit von der Rückenlage aus zustoßend, „unvollständige Akinese“.

 

Liste der dokumentierten Arten

  Südliches Strumatal: Kresna-Schlucht, Rupite Ostrhodopen: Umgebung von Madzharovo und Ivailovgrad Südliche Schwarzmeer-küste: Ropotamo-Mündungsgebiet, Vogelschutzgebiet „Poda“, Naturschutzgebiet Bosna Anzahl
Triturus ivanbureschi x   x Ca. 10
Bombina bombina     x >4
Bombina variegata x x   >20
Bufo bufo x x x 4
Bufotes viridis   x   1
Rana dalmatina   x x >30
Pelophylax ridibundus x x x zahlreich
Pelophylax kl. esculentus     ?  
Pelophylax bedriagae   ?    
Emys orbicularis x x x >50
Mauremys rivulata x     Ca. 10
Testudo hermanni x x x >30
Testudo graeca x x x >30
Anguis colchica   x x 4
Pseudopus apodus   x x Ca. 10
Lacerta viridis x x x zahlreich
Lacerta trilineata x x   >10
Podarcis muralis     x 1
Podarcis tauricus     x 2
Xerotyphlops vermicularis x x x Ca. 15
Eryx jaculus   x   2
Dolichophis caspius x x x Ca. 10
Platyceps najadum x     1
Platyceps collaris     x 1
Elaphe sauromates     x 4
Zamenis longissimus x x x 6
Natrix natrix x x x >15
Natrix tessellata x x x zahlreich
Malpolon insignitus x   x >8
Vipera ammodytes x x x 4

 

Fotos: Hannes Hill, Rudi Klepsch und Richard Gemel


 

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