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22. April: Ankunft und Probleme mit dem Mietauto

 

Dieses Jahr wählten wir Jordanien als Ziel für unsere herpetologische Reise. Das Team, mittlerweile schon sehr gut eingespielt und wüstenerfahren, bestand aus Thomas Bader, Richard Kopeczky, Franz Rathbauer und Christoph Riegler. Nach einem angenehmen und ruhigen Flug kamen wir am Flughafen in Amman, der Hauptstadt von Jordanien, an und übernahmen nach Erledigung der Formalitäten unser Mietauto, einen riesigen Chevy 4WD SUV. Heuer beschlossen wir den Flug und das Auto über ein Reisebüro zu buchen. Wäre die politische Situation gekippt und hätten wir unsere Reise kurzfristig absagen oder umbuchen müssen, wären wir bei einem Reisebüro besser abgesichert gewesen. Die Austrian bietet einen 4 h-Direktflug von Wien nach Amman mit angenehmen Abflugzeiten. Die Kosten für den Flug und das Auto beliefen sich auf etwa 600 Euro pro Person.

 

Aber zurück zum Thema Auto. Bei der Übernahme des Autos merkten wir, dass die Stoßstange etwas locker war. Eine herpetologische Reise ist kein Sonntagsausflug, sondern es geht dabei immer wieder ins Gelände. Es war klar, dass wir die Stoßstange früher oder später verlieren würden. Nach kurzer Diskussion mit dem Verleiher am Flughafen wurde uns angeboten, zu einem anderen Stützpunkt nach Amman zu fahren, wo wir das Auto wechseln konnten. Dort angekommen wurde uns bewusst, dass die Uhren auch in Jordanien etwas langsamer als zu Hause gehen, aber egal, es war ja Urlaub. In Summe warteten wir knapp 2 Stunden auf unser neues Auto, einen Mitsubishi Pajero. Während dessen wurde uns von den freundlichen Mitarbeitern der Verleihfirma Kaffee und Tee serviert und Thomas und Franz nutzten das Nachbargrundstück um nach den ersten Arten zu suchen.  Der Pajero fuhr sich besser als der Chevy und hielt bis zum Ende der Reise ohne Probleme durch. Er war auch sparsamer im Verbrauch.

 

Auf dem Weg zum ersten Hotel hielten wir noch kurz vor Sonnenuntergang in der Nähe eines kleinen Baches. Es riefen einige Hyla savignyi (mittlerweile felixarabica), die wir partout nicht finden konnten. Auch beobachteten wir unsere ersten Schlangen, eine juvenile Natrix tessellata und eine Eirenis rothi, die häufigste Zwergnatter in Jordanien. Weitere Arten, die wir hier finden konnten waren: Hemidactylus turcicus, Ophisops elegans und Pelophylax cf. bedriagae.

 

Reiseroute Jordanien

Unsere Reiseroute durch Jordanien

 

Unsere Unterkunft, das Olive Branch Resort, war in der Nähe von Jerash (dem alten Gerasa) auf einem Hügel im Ort. Das Hotel war einfach, aber ok für ein paar Nächte. Etwas geschafft von der Reise entschieden wir uns, abends noch eine Kleinigkeit im Hotel zu essen und den lokalen Wein zu verkosten. Der Wein war gut, aber teuer. Das Essen war wenig und bescheiden, dafür auch teuer. Wir beschlossen, ab sofort nicht mehr in Hotels zu essen und zu trinken, sondern in diversen Buden in den Städten. Dies war eine gute Entscheidung. Für den ersten Abend war‘s egal, wir mussten immerhin auf eine zu gelingende Exkursion anstoßen. 

 

Gruppe Jordanien 190141 CR

Franz, Thomas, Christoph und Richard

 

 
23. April:  Mediterrane Wälder und das Jordantal

 

Die Wälder im Norden von Jordanien weisen eine attraktive und vielfältige Herpetofauna auf. Es gibt nur ein kleines Problem, um an gute Reptilienbilder zu kommen: es gibt Unmengen an Steinen mit unzähligen Löchern. In diesen felsigen Habitaten ist man eher mit sich selbst beschäftigt, um sich keine Bänder zu reißen oder die Fotoausrüstung nicht gleich zu Beginn zu ruinieren. Reptilien haben hier eindeutig einen Vorteil und können blitzschnell verschwinden, ehe man sie richtig zu Gesicht bekommt.

 

Die geschützten Wälder um Ajlun setzten sich hauptsächlich aus Eichen zusammen und in höheren Lagen dominieren Kiefern. Die Schönheit der Landschaft wurde durch das Blühen vieler Blumen unterstrichen, es war fast schon kitschig. Herpetologisch fanden wir wieder einige Eirenis rothi, Ophisops elegans, Laudakia stellio und mehrere Ablepharus rueppelli.

 

Ptyodactylus puiseuxi CR

 Ptyodactylus guttatus

 

Auf der Straße hinunter ins Jordantal machten wir einen interessanten Fund, leider nur DOR. Es war ein juveniler Pseudopus apodus, der kurz zuvor überfahren wurde. Interessant ist dieser Fund, weil es sich hier um ein sehr trockenes Habitat handelt und wir uns bereits an der südlichen Verbreitungsgrenze dieser Art befanden. Weitere Arten, die wir hier fanden, waren Chalcides ocellatus und Ptyodactylus guttatus.

 

Im Jordantal war es bereits extrem heiß und wir konnten nichts mehr finden. Wir hatten auch keine Lust bei der Hitze nach guten Habitaten zu suchen. Stattdessen beschlossen wir, das Pella Resthouse aufzusuchen um den von Reiseführern empfohlenen lokalen Jordan Fisch zu essen. Das Essen war lecker, aber auch nicht ganz billig. Dafür hat man von der Restaurantterrasse einen schönen Blick über das Jordantal auf die gut erhaltenen Ausgrabungsstätten von Pella.

 

Am Rückweg zum Hotel hatten wir versucht, unseren defekten Scheinwerfer am Auto tauschen zu lassen. Nachdem wir schon in den ersten Tagen einige Male von der Polizei angehalten und kontrolliert wurden und auch einige Nachtfahren geplant hatten, dachten wir, ein funktionierendes Licht könnte nicht schaden. Leider schaffte es keine Werkstätte, die Lampe zum Leuchten zu bringen. Laut Mechaniker, Kunden und einigen Passanten, die sich schließlich alle unseres Problems annahmen, handelte es sich um einen nicht reparablen „schweren Elektronikfehler“ am Auto. Immerhin bekamen wir den Tipp, dass unser Mietauto auch mit funktionierenden Zusatzscheinwerfern ausgestattet war.

 

Jordanien Autopanne

 Mechaniker, Kunden und Passanten versuchten sich an unserem Auto

 

Am Nachmittag blieb dann nicht mehr viel Zeit zum Suchen. Die Zeit reichte für einen kurzen Rundgang um das Hotel herum, wo Christoph eine Platyceps collaris sah, die aber leider zu schnell zwischen den Steinen verschwand.

 

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24. April:  Ein toller Tag im nordwestlichen Teil des Landes

 

Frühstück gab es ab 7h früh - und das ausreichend. Bis dann alle den einen oder anderen Frühstücksteller geleert und alle sieben Sachen zusammen hatten, war es schon 9h als man die erste Stelle im Gelände erreichte. Bei der Hitze schon fast etwas zu spät. Aber es sollte noch ein äußerst erfolgreicher Tag werden.

 

Gleich am Schotterweg zum ersten Habitat, nicht unweit des Hotels, fand Christoph, der Fahrer, vom Auto aus eine juvenile aber leider frisch überfahrene Daboia palestinae. Diese Schlange und der oben erwähnte Scheltopusik waren die einzigen Straßenopfer der ganzen Reise! Findet man eine seltene Art als Straßenopfer, so regt das die Suchaktivitäten enorm an und hochmotiviert wurde die Gegend um das Auto abgesucht. Schlussendlich blieb dieser Totfund unsere einzige palestinae. An einer Stelle unterhalb des Hotels fanden wir noch zwei Testudo graeca und eine riesige erschlagene Dolichophis jugularis.

Der Tag fing echt gut an, es fehlten nur noch die „lebenden“ Exemplare. Am Weg Richtung Norden, die riesige Stadt Irbid links liegen gelassen, fuhren wir schließlich an einem steppenähnlichen Tal vorbei, das sehr vielversprechend aussah (und es auch war!). Im Talboden des U-förmigen Tals tummelten sich in den Lacken tausende junge Bufo variabilis. Teile des Tals wurden landwirtschaftlich genutzt und bewässert. Die Kröten dienen als Nahrungsquelle für viele Reptilien wie z.B. für Natrix tessellata.

 

Christoph fand zwei Eirenis decemlineatus, eine gestreifte Morphe und ein einheitlich rötliches Exemplar sowie eine Malpolon insignitus. Eine junge Dolichophis jugularis ähnelte Dolichophis schmidti, die allerdings erst um etliches weiter östlich auftreten. An Echsenarten fanden wir Trachylepis vittata, Ophisops elegans und einen sehr seltsam gezeichneten Chalcides ocellatus mit fehlender Dorsalzeichnung, die nur am Schwanz leicht ausgeprägt war. Auch die anderen drei hier gefundenen Skinke sahen so aus. Von hier noch erwähnenswert sind die wirklich gutaussehenden weiblichen Eumeces schneideri mit ihren Längsstreifen - sehr beeindruckend! Aber auch die Männchen mit den orangen Punkten waren ein paar Fotos wert.

 

Franz fand eine schön gestreifte Psammophis schokari und eine Micrelaps tchernovi. Die kleine giftige Erdviper war etwa 40 cm hatte aber nur eine Durchmesser von unter einem 1 cm und war sicher eines der Highlights auf dieser Reise. Ein toller Fund, vor allem auch, weil siese von Micrelaps muelleri abgespaltene Form bisher nur äußerst selten gefunden wurde! Franz fand diese schöne Schlange beim Steinedrehen an den Talabhängen. Wir verbrachten noch einige Stunden in diesem Gebiet. Ein Stückchen weiter konnten wir noch aus nächster Nähe zwei junge Steinkauze (Athene noctua) und einige andere Vögel fotografieren. Über die Steinhaufen einer Ausgrabunsstätte liefen überall Laudakia stellio herum. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir noch einmal in dieses Tal. Franz fand eine zweite Micrelaps tchernovi und Thomas entdeckte eine Eryx jaculus
 

Laudakia stellio

Laudakia stellio

 

Die heiße Tageszeit am frühen Nachmittag verbrachten wir in der Stadt Gadara oder Umm Qais, wie sie heute genannt wird. Nach ein paar kalten Colas und kleinen Snacks besichtigten wir die antiken Ruinen - oder besser gesagt die Habitate rundherum. Allerdings sind wir erst zu Hause - beim Durchblättern des Reiseführers draufgekommen, dass wir die bekanntesten Bauten gar nicht gesehen hatten. Immerhin hatten wir von hier aus einen guten Blick auf die Golanhöhen und auf den See Genezareth. In ein Gestrüpp entkam uns eine große schwarze D. jugularis. Franz fand eine Letheobia simonii in einer der kleinen Höhle.

Am späten Nachmittag haben wir nochmals versucht, Bilder von Phoenicolacerta laevis zu bekommen, nachdem uns dies an einigen Stellen zuvor nicht gelungen war. Diesmal waren wir erfolgreich. Die Eidechsen lassen sich viel einfacher in situ fotografieren, während sie die letzten Sonnenstrahlen am Ende eines Tages genießen.

 

Vergleicht man die Syrischen Eidechsen aus dem Bereich des türkischen Hatay (s. Türkei Reisebericht) mit jenen, die wir hier gefunden haben, so erkennt man doch deutliche Unterschiede im Aussehen. Es ist zweifelsohne etwas Anderes. Und es war wieder Franz, der hier noch eine weitere neue Art fand: Ophiomorus latastii, einen beinlosen Skink, der schwer zu finden und zu fotografieren war.  In Summe fanden wir alleine an dieser Stelle 7 und in Summe 21(!) Arten an nur einem Tag – konkurrenzlos und bei weitem der beste Tag der Reise!

 

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25. April: Das Tote Meer


Auf dem Weg Richtung Süden hielten wir nur einmal kurz an. Es war viel zu heiß zum Suchen - auch konnten wir keine brauchbaren Habitate während der Fahrt erkennen. Einen kurzen Stop hatten wir dann doch gemacht, als wir einen kleinen Bach mit Begleitvegetation vom Auto aus sahen. Außer einem toten Chamäleon, einigen Wasserfrösche und Wechselkröten haben wir nichts gesehen. Gegen Mittag kamen wir dann ans Tote Meer und wenn man schon vor Ort ist, sollte man einmal kurz rein hüpfen. Wie richtige Touristen haben wir das auch getan! Der Eintritt in das Bad kostete für Nicht-Jordanier 16 Dinar, für Einheimisch 1 Dinar. Also legten wir uns ins Wasser und machten die üblichen Bilder. Das Einreiben mit Schlamm haben wir bleiben lassen. Das Abenteuer „Totes Meer“ wurde nach ein paar Minuten abgehakt. Den Rest des Nachmittags entspannten wir am riesigen Pool der Anlage. Später fuhren wir weiter nach Süden und hielten noch einmal in einem sehr spannenden Canyon (auf Arabisch „Siq“ genannt), dem Wadi Nuweira. Nicht wirklich herpetologisch interessant (nur Kaulquappen von Hyla, Bufo und Pelophylax), aber dafür eine atemberaubende Landschaft durch Wasser und Erosion geschaffen. 

 

Wadi Nuweira

Wadi Nuweira

 

Bei einem Halt an einer gut aussehenden Stelle im Wadi Araba fanden wir weder ein Reptil noch eine Spur von einem Reptil, was uns ein wenig überraschte. Das einzige Interessante an der Stelle war eine Walzenspinne (Galeodes). Wir fuhren dann nach Dhana, wo wir die nächsten Nächte gebucht hatten. Es war schon etwas später und nach Sonnenuntergang, als wir in den Bergen ankamen. Es war auffällig kühl und windig.
 

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26. April: Petra!

 

In Dhana kamen wir einen Tag früher an als reserviert und mussten in ein Notzimmer ausweichen. Man versicherte uns, dass wir am kommenden Tag in eine komfortablere Unterkunft wechseln konnten. Diese Nacht war kuschelig - vier Leute in knarrenden Stockbetten in einem kleinen Einzelzimmer inklusive Geräuschkulisse durch die Toiletten und Bad gleich nebenan am Gang. Am nächsten Morgen warfen wir noch einen Blick in die andere Unterkunft und entschlossen uns, die reservierten Nächte zu stornieren. Sicherlich hat auch das kühle und windige Wetter in den Bergen eine Rolle gespielt, dass wir gleich Richtung Petra weiterfuhren und uns nicht auf Wanderschaft ins Naturreservat Dana begaben.

 

Das kleine Dorf Dhana liegt auf 1200 m an einem ca. 20 km breiten Gebirgszug der in das Wadi Arab abfällt. Die Gebirgskette selber erreicht etwa eine Höhe von 1600 m. Zweifelsohne hat man von hier aus eine herrlichen Ausblick in das Wadi Dhana und ins Wadi Arab, aber irgendwie war es uns nicht danach, zu Fuß und kletternd nach Tieren zu suchen. Schon am Weg Richtung Petra machten wir dann doch noch einige Stopps auf der steppenartigen Hochebene und fanden auch einige Reptilien: Ophisops elegans, Testudo graeca, Agama stellio, Eumeces schneideri und eine neue Art – Acanthodactylus tristrami, eine schöne und große Fransenfinger-Eidechse.

 

Petra Jordan

Petra

 

Petra: UNESCO-Welterbe und eines der Neuen Sieben Weltwunder! Die ehemalige Felsenstadt Petra erreicht man über einen spektakulären Siq, eine Schlucht, an deren Ausgang sich das wunderbare und beeindruckende Schatzhaus des Pharao - Khazne al-Firaun – mit einer Höhe von 40 Metern zeigt. Es ist sogleich der Eingang in die antike Stadt. Ab hier wird das Wadi breiter und überall befinden sich Sehenswürdigkeiten, die in den roten Felsen gemeißelt wurden. Oft lässt sich Hochkultur mit Herpetologie sehr gut verbinden. Steinhaufen bieten den Lebensraum, Touristen sorgen indirekt für ausreichende Nahrung. So konnten wir einige junge Acanthodactylus boskianus beobachten und am Steig zu einem Grabfelsen fanden wir eine Phoenicolacerta kulzeri. Diese lag mitten am Steinweg und machte keinen guten Eindruck mehr. Sie durfte von einer Felswand heruntergefallen sein.
 
Petra kann man über die Hauptschlucht wieder verlassen. Es gibt aber auch kleinere Schluchten, die man bei niedrigem Wasserstand als Rückweg nutzten kann. Wir versuchten es über das Wadi Mudilim, waren aber nicht sicher, wo genau dieses verläuft. Und genau auf diese Situationen sind die Einheimischen vorbereitet. Auf dem Weg in Richtung Wadi Mudilim tauchte, wie aus dem Nichts, ein taubstummer Hirte auf, der uns dann seine Dienste als Führer durch das Wadi anbot. Verneinen hat hier wenig Sinn, er ließ nicht locker. Schlussendlich erwies sich sein Dienst als recht nützlich. In der engen Schlucht muss man immer wieder größer Hürden kletternd überwinden und die richtige Weggabelung nehmen. Auch zeigte er uns die eine oder andere kleine antike nabatäische Sehenswürdigkeit. Kurz vor dem Ende verschwand der Hirte wieder, nachdem er von uns allen seine „Bezahlung“ einforderte, was auch völlig ok war. Der obere Teil der Schlucht war nicht mehr so eng und teilweise auch mit ein paar Sträuchern und Bäumen versetzet. Das machte einen sehr interessanten Eindruck und wir beschlossen, uns diesen Teil des Wadi Mudilim am nächsten Vormittag, bei Sonnenschein noch einmal anzusehen.
 

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27. April: Von Petra ans Rote Meer nach Aqaba

  

Für einen Tag zahlt man in Petra 50 Dinar (= 56 Euro) Eintritt und für zwei Tage 55 Dinar, was die Felsenstadt vermutlich zur teuersten Sehenswürdigkeit in Asien macht. Wir wählten das 2-Tagesticket da Christoph, Franz und Richard noch Bilder vom Khazne al-Firaun (Schatzhaus des Pharao) im Morgensonnenlicht machen wollten. Zu früher Stunde ist der Zugang zur Felsenstadt noch nicht so voll mit Touristen. Thomas entschied derweilen, sich das obere Wadi Mudilim nochmals anzusehen. Kaum streiften die Sonnenstrahlen über die Felsen ins Tal zeigten sich die ersten Eidechsen - Phoenicolacerta kulzeri - in der Nähe von Büschen und kletterten die Felsen hoch. Als der Rest der Gruppe ins Wadi kam, war die Sonne schon relativ hoch und die Eidechsen waren wieder weg. In Felsspalten und im Schatten konnten wir Ptyodactylus guttatus finden. Thomas fand auch ein Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon), das einzige lebende Exemplar der Reise. Auch konnten wir einen Sperling beobachten der gezielt den winkenden Schwanz eines juvenilen Acanthodactylus boskianus jagte und immer wieder attackierte. Letztendlich wurde der Schwanz der jungen Eidechse in einem kleinen Busch verspeist. Am Rückweg aus dem Wadi sahen wir auch unseren ersten Pseudotrapelus sinaitus, obgleich es ein unscheinbar graues Exemplar war. 

 

Eirenis coronella

Eirenis coronella

 

Kurz bevor wir auf den Desert Highway in Richtung Süden auffuhren, hielten wir noch kurz, um uns eine Stelle der Steinsteppe auf etwa 1650 Meter Höhe anzusehen. Ophisops, Agama und Ptyodactylus waren überall zu sehen. Unter einem großen Stein fanden wir eine sehr schöne Eirenis coronella, unser erster Fund dieser Art und gleichzeitig der letzte. Eirenis coronella dringt eher in trockene Lebensräume vor, als ihre Artverwandten. Fährt man den Pass hinunter, erscheint plötzlich ein ganz anderes Landschaftsbild. Die steinige Umgebung weicht dem sandigen Lebensraum. Keine Frage, wir mussten sofort an der ersten geeigneten Stelle neben der Autobahn halten und uns ein sandiges kleines Wadi ansehen. Zu allererst fielen uns die vielen toten Laubsänger auf, die im Wadi auf dem Sand lagen - ob sie verhungert sind? Es war schon ziemlich heiß und so waren nur noch ein paar Acanthodactylus opheodurus aktiv. Diese Eidechsenart ist die dominierende im südlichen Jordanien. Sie ist meist gut zu erkennen, wenn sie mit ihrem orangen Schwanz winkt.

 

Später am Nachmittag kamen wir in unserem Hotel in Aqaba an. Das Hotel lag etwas südlich der Stadt und man muss nur eine Straße überqueren und ist am Roten Meer. Wir nutzten den restlichen Tag um zu schnorcheln. Die Korallenriffe sind leider schon stark beschädigt, aber es gibt immer noch eine Menge Fische zu sehen. Abends fuhren wir zum Essen in die Stadt und anschließend gingen wir noch ein paar Runden ums Hotel und fanden mehrere Cyrtopodion scabrum, die hauptsächlich in der Nähe von kleinen Müllablagerungen neben der Straße lebten.

 

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28. April: Das Wadi Araba

 

Aqaba ist eine große und schnell wachsende Stadt und liegt am Golf von Aqaba. Es ist auch Jordaniens einziger Seehafen. Nördlich von Aqaba beginnt das Wadi Arab, im Süden der Stadt grenzt eine Bergkette an das Rote Meer. Blickt man gegen Westen sieht man die israelische Stadt Eilat. Zwischen der Stadt und der Saudi-arabischen Grenze lag unser Hotel. Dieses Gebiet war sehr uninteressant, da es stark zerstört wurde und kaum noch natürliche Lebensräume erhalten sind. Wir entschieden uns gleich ins Wadi Araba zu fahren. Dort zeigte sich eine ganz andere Landschaft, viel kontrastreicher mit intakten Habitaten. Das Wadi ist hier sehr dünn besiedelt und zählt zu den trockensten und heißesten Gebieten im Nahen Osten. Nach einigen Kilometern tauchten die ersten Sanddünen auf und wir machten unseren ersten Halt. Es war früher Vormittag und schon sehr heiß. Einige Acanthodactylus opheodurus huschten über den heißen Sand um wieder Schutz im Schatten von Büschen zu finden. Unter einer Holzplatte hielten sich zwei Bunopus tuberculatus versteckt. Die vielen Spuren im Sand gaben Hinweise für eine vielfältige Fauna.

 

Acanthodactylus opheodurus - CR

Acanthodactylus opheodurus

  

Fährt man das Wadi Araba Richtung Norden so verläuft die Straße zu Beginn entlang der Grenze zu Israel. Das Jordanische Militär ist hier allgegenwärtig. Von Wachtürmen entlang der Straße wird das Grenzgebiet beobachtet. Das Habitat der zweiten Stelle lag zwischen der Straßen und der Grenze zu Israel und wir wählten es so, dass man uns zwischen zwei Wachtürmen nicht sehen konnte. Weit gefehlt – schon nach wenigen Minuten tauchte ein Jordanischer Militärjeep auf. Die Soldaten, sie waren freundlich, wollten wissen woher wir kommen und was wir hier mit unseren Kameras wollen. Wir zeigten unsere Pässe und als klar war, dass wir aus Österreich (Nemsa) kamen, entspannte sich die Situation noch mehr und wir wurden mit “Welcome to Jordan” willkommen geheißen. Ein Slogan, den wir immer wieder im Land hörten. Wir erklärten noch kurz, was wir hier machen und wurden dann vom Offizier sehr freundlich gebeten, diesen Bereich nahe der Grenze zu verlassen, es sei nur zu unserer eigenen Sicherheit. Auf der anderen Seite der Straße sei es kein Problem aus dem Auto zu steigen und zu suchen. Dieser Bereich war leider eine sehr trockene Hammada ohne Bewuchs.

 

Wir entschieden somit, weiter Richtung Norden zu fahren und stoppten wegen einer kleinen Agame, die Christoph während der Fahrt zwischen den Steinen am Straßenrand sah. Es war ein Trapelus pallidus. Diese Agamen waren auch noch während der heißesten Tageszeit aktiv, als sich Acanthodactylus opheodurus bereits wieder versteckt hatten. In diesem Bereich fanden wir auch einige bewohnte Uromastyx Löcher. Es war uns zu heiß und der Boden zu fest um den Tieren hinterher zu graben. Frischen Spuren von Varanus fanden wir auch, aber kein lebendes Exemplar.  Hier kamen auch Sphenops – jetzt Chalcides sepsoides  – in größeren Dichten vor, deren Spuren waren überall.

 

Nach unserem Abendessen mit einem frisch zubereiteten Falafel Sandwich fuhren wir zurück an eine Stelle in einem kleinen Wadi, das wir zuvor während der Fahrt gesehen hatten. Ein Gebiet mit Übergängen vom felsigen zum sandigen Habitat. Dort warteten wir bis es dunkel wurde. Wir fanden einige Bunopus und Stenodactylus doriae. Franz fing auch einen lebendigen Sphenops im Sand. Leider ist ihm dieser wieder entwischt ohne vorher ein Foto zu machen. Diese Tiere sind auch sehr schwer zu handhaben, sie sind flink und glatt wie ein nasser Fisch. Schade und daher etwas enttäuscht gingen wir ins Bett...

 

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29. April: Wadi Rum, der erste Versuch

 

Da das Aqaba Gebiet nicht ganz das brachte, was wir uns erhofft hatten, beschlossen wir, keinen weiteren Tag hier zu verbringen, sondern ins Wadi Rum (Ramm) zu fahren. Vor der Abfahrt kauften wir noch einige herrlich frische Fürchte von einem der zahlreichen Straßenverkäufer. Die Straße von Aqaba nach Rum ist sehr gut ausgebaut und man ist in einer guten Stunde dort. Da Aqaba eine zollfreie Zone ist, muss man kurz nach Verlassen der Stadt Kontrollposten passieren - Nemsa? Welcome to Jordan!

 

In einem sandigen Tal einige km vor Wadi Rum begannen wir unsere Tour. Franz war ein bisschen angeschlagen vom Schnorcheln. Wahrscheinlich hatte er Kontakt mit einer Qualle oder einen Seeigel und die betroffene Stelle am Oberarm war gerötet und vermutlich infiziert. So hielt sich Franz zurück und ruhte im Schatten. In den sandigen Gebieten rannten große Acanthodactylus schmidti mit blauen Schwänzen herum, während das härtere Substrat von Acanthodactylus opheodurus dominiert wurde. Dann wurde es plötzlich sehr windig und es war sinnlos, unsere Suche in dem sandigen Gebiet fortsetzen. Wir beschlossen einen Berg hinauf zu fahren und uns einen steppenartigen, felsigen Lebensraum anzusehen. An diesem Tag hatten wir kein Glück, der große Wurf blieb aus, wir fanden „nur“ einige schöne Agama stellio brachydactyla und Ophisops elegans. Bevor es dunkel wurde, ging es wieder zurück hinunter ins Rum Gebiet wo der Wind mittlerweile etwas nachgelassen hatte.

 

In der Nacht schauten wir uns noch einmal die sandigen Stellen vom Tag an. Nach kurzer Zeit tauchten schon die ersten Stenodactylus sthenodactylus, kleine Tropiocolotes nattereri und Ptyodactylus guttatus in den Scheinwerferkegel unserer Lampen auf. Christoph hatte Glück und fand eine schöne Lytorhynchus diadema. Sie lag im sandigen Gebiet, das von einzelnen Büschen durchsetzt war. Der Wind wurde wieder etwas stärker und es war ziemlich kühl. Ohne ein Exemplar von Cerastes cerastes, ja nicht einmal deren Spuren zu sehen, fuhren wir zurück nach Aqaba.

 

 

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30. April: Zurück ins Wadi Araba

 

Wir beschlossen doch noch einmal ins Wadi Araba zu fahren, auch wenn es schon wieder sehr heiß war. So viele Arten standen noch auf unserer Liste, besonders Schlangen, die wir bisher nicht gesehen hatten. Wir fuhren in ein Seitental mit einer beeindruckenden Landschaft und fanden die  typischen Arten, die wir bereits kannten: Pseudotrapelus, Tropiocolotes und Acanthodactylus opheodurus. Christoph hatte Pech und wurde beim Fotografieren eines Skorpions – Buthacus yotvatensis – vom selbigen gestochen. Im Sand kniend und mit den Ellenbogen abgestützt, rannte der Skorpion auf Christoph zu und erwischte ihn beim Aufstehen durch die Jean am Knie.

 

wadi arab

Suche im Wadi Araba

 

Mit Schmerzen und einem leicht geschwollene Knie fuhren wir zurück zu unserem Hotel, wo Franz und Christoph in den Liegen am Pool entspannten. Thomas und Richard gingen an den Strand zum Schnorcheln. Ein kurzer Abstecher rund ums Hotel brachte noch einige schöne Ptyodactylus hasselquisti in einem Brücken-Tunnel. Abendessen gab’s wieder in Aqaba. Unsere beiden Patienten zeigten wieder anständigen Appetit, ein gutes Zeichen. Beim anschließenden Schlendern durch die Stadt wurden wir angesprochen, ob wir nicht an einer Führung durch die Moschee interessiert wären. Wir sagten zu, zahlten eine Kleinigkeit und bekamen interessante Einblicke in und Informationen über die Al-Sharif Al-Hussein bin Ali Moschee.

 
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1. Mai: Übersiedlung ins stürmische Wadi Rum

 

Glücklicherweise sind alle Symptome vom vortägigen Skorpionstich über Nacht verschwunden und wir konnten ins Wadi Rum fahren. Mit dem Bait Ali Camp, vor der Kreuzung Wadi Rum – Disah, fanden wir einen schöne Unterkunft, einen kleinen Schwimmpool inklusive. Es war wirklich stürmisch, aber dennoch beschlossen wir, ins Wadi Rum zu fahren. Wir zahlten ein paar Euro Eintritt und fuhren dann mit dem eigenem Auto ins Schutzgebiet. Kurz nach dem Eingang fährt man an den Sieben Säulen der Weisheit (Lawrence von Arabien) vorbei. Der Sandsturm verhinderte einen klaren Blick auf diese Naturerscheinung. 

 

Kamele im stürmischen Wadi Rum

 

Bei Vogelbeobachtungen waren wir wesentlich erfolgreicher als beim Herpen. Außer ein paar Acanthodactylus schmidti und T. nattereri sahen wir nichts. Der Wind legte sich auch nicht und somit blieb auch die Sicht schlecht und das in einem der schönsten Landschaften im arabischen Raum. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir am Pool, der auch recht war kalt. Abends fuhren wir noch etwas in der Gegend um das Camp herum. An einer Sanddüne fanden wir eine vielversprechende und frische Natternspur. Wir begannen zu graben. Immer wieder teilte sich das Loch, in das die Spur führte. Nach einer Stunde gaben wir auf. Wir vermuten es dürfte sich um eine Spalerosophis handeln, da Psammophis hier nicht vorkommt. Aber wer weiß das schon? Interessanterweise gibt es hier auch Acanthodactylus boskianus, anstelle von Acanthodactylus schmidti und Acanthodactylus opheodurus.

 

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2. Mai: Ein toller Tag in der Wüste

 

Nach einigen eher enttäuschenden Tagen (im herpetologischen Sinne) beschlossen wir Richtung Osten zu fahren. Dort würden uns ganz andere Arten erwarten, zudem erhielten wir vor unserer Reise ganz aktuelle Tipps zu neuen Fundstellen. Unser erster Halt war in der Nähe von Disa. Hier geht der sandige in den felsigen Bereich über – Übergangszonen sind immer interessant.  Gleich unter der ersten gedrehten Platte fand Thomas einen Scincus scincus. Dieses Exemplar hatte leider noch nicht die für diese Art typische rot-gelbliche Fleckung an den Flanken, da es sich um ein subadultes Tier handelte. Nach einem weiteren A. boskianus entdeckten wir unsere erste Mesalina der Reise. Es war eine Mesalina guttulata mit einem blauen Schwanz. Wir konnten sie nur nach einer längeren und schwierigen Verfolgung erwischen und fotografieren. Neue Arten und Morgensport - ein guter Start in den Tag!

 

Weiter ging unsere Tour durch die Wüste. Nach kurzer Fahrzeit schien unser Trip durch die Wüste vorbei zu sein. Wir fuhren schon einige Zeit entlang von hohen Zäunen und alles gesichert mit Kameras. Es schien, als ob es sich um ein militärisches Sperrgebiet handelte, oder um Öl- oder Gasbohrungen. Wir kamen an einen Checkpoint, der durch das Militär kontrolliert wurde.  Nemsa? Welcome to Jordan! Wir konnten passieren. Man hat uns gebeten, hier nicht zu fotografieren. Schließlich wurde uns klar, dass hier Wasser nach oben gepumpt wird. Wasser ist kostbar und wird in diesem Gebiet zur Bewässerung der Wüste und für den Anbau von Kichererbsen genutzt. Kichererbsen sind eine wichtige Nahrungsquelle in Jordanien (z.B. für Falafel oder Hummus). Uns fielen diese riesigen Kreise mitten in der Wüste schon zuhause in Google Earth auf. Sie entstehen durch gewaltige Bewässerungsanlagen die sich im Kreis drehen.

 

Ab hier wurden dann die Reste der ehemaligen Asphaltstraße schlechter und noch holpriger. Teilweise kamen wir flotter voran, wenn wir neben der Straße über Sandpisten fuhren.

 

Wadi Rum

Panorama Wadi Rum 

 

Auf der Fahrt Richtung Osten sahen wir wieder einige Vogelarten. Wir hielten aber zwischendurch immer wieder, um nach Reptilien zu suchen, obwohl das tagsüber eher schlecht war. Die einzige Art war A. boskianus und eine ganz frische Spur von Varanus. Die Wüste wurde mehr und mehr eintöniger, die Vegetation spärlicher und die Straße schlechter. Wir hatten kein gutes Gefühl, schließlich mussten wir hier wieder zurückfahren. Ziemlich durchgeschüttelt kamen wir auf die asphaltierte Straße, die nach Saudi-Arabien führt. Am Grenzübergang kehrten wir um und schauten uns eine Stelle an, die uns Sebastian Scholz genannt hatte. Die Kollegen hatten hier Phrynocephalus maculatus gefunden. Vergeblich suchten wir in der heißesten Zeit des Tages. Danach fuhren wir etwas ziellos in der Gegend herum und stießen auf einen viel versprechenden Wassergraben in der Nähe der Sanddünen mit etlichen interessanten Vogelarten. Trotz intensiver Suche fanden wir auch hier kein einziges Reptil. Wir gaben der Tageszeit die Schuld. Etwas frustriert überlegten wir hier abzubrechen und zurück an den Pool zu fahren. Immerhin hatten wir den mühsamen Weg auf uns genommen und so entschieden wir hier zu bleiben und unser Glück etwa 60 km weiter nördlich zu versuchen.

 

frustrierende Suche im Wüstensand

 

Eine knappe Autostunde weiter nördliche bilden Sand mit Kies und Felsen eine interessante Landschaft. Off-road stoppten wir und hatten Glück. Es war zwar noch immer relativ heiß aber schon bald fanden wir die ersten Phrynocephalus arabicus. Die schönen Agamen kannten wir schon aus Reise durch den Oman. Sie sind im Sand nicht zu sehen, tauchen aber wenige Meter dann plötzlich vor einem auf und rennen kurz, ehe sie wieder stehen bleiben. Ist man dann vorsichtig, kann man sich ihnen sehr gut annähern, um sie zu fotografieren. Wenn sie sich bedroht fühlen, vergraben sie sich im Sand. Richard fand eine sehr interessante Eidechse unter einem Stein, die wir zunächst als Acanthodactylus tilburyi eingestuft. Später mussten wir unsere Bestimmung revidieren und konnten das Vorkommen von Acanthodactylus hardyi durch D. Modry mit einem neuen Nachweis bestätigen. Thomas fand auf einem Hügel zwei wirklich schöne Uromastyx aegyptia, die er beobachtete, wie sie Zuflucht unter einem Stein suchten. Wegen ihrer schönen Rückenfärbung waren wir zuerst nicht sicher, um welche Agamenart es sich handeln könnte. Etliche Arten sind aus dem benachbarten Saudi-Arabien bekannt. Uromastyx aegyptia ist zudem neu für diese Gegend. Unter demselben Stein lebte noch ein schöner großer Tropiocolotes!

  

Und so endete unsere Wüstensafari im Osten des Landes. Auf der Rückfahrt machten wir nachts noch einen kurzen Stopp an der ersten Stelle des Tages. Es war sehr windig und kühl. Wir fanden vier Stenodactylus doriae und eine Spur einer Lytorhynchus. Den fantastischen Tag ließen wir beim Abendessen ausklingen. 

 

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3. Mai: Vom Wadi Rum in die Oase von Azraq

 

Unser letzte Suche im Wadi Rum Gebiet brachte Ptyodactylus guttatus und A. opheodurus. Auf unserer Fahrt in Richtung Norden hielten wir vor der Passstraße in einem felsigen und teilweise sandigen Bereich, wo wir nochmals A. opheodurus syntop mit A. boskianus, einen riesigen Tropiocolotes und eine eigenartige Spur einer Schlange im Sand fanden. Falls es eine Schlangenspur sein sollte, ist uns diese gerade Linie ein Rätsel. Wer weiß, was das sein könnte? 

 

rätselhafte Schlangenspuren

  Was für Spuren könnten das sein?

 

Die Straße nach Azraq zählt sicher zu den langweiligsten Strecken, die wir je gefahren sind. Hammada ohne Vegetation soweit das Auge reicht, falls dieses vor Fadesse noch nicht zugefallen ist. Selten tauchen einige sandige Flecken auf, die auch leichten Bewuchs hatten. An zwei solcher Stellen hielten wir kurz. Es ist der Lebensraum von Acanthodactylus grandis, den sich diese Art mit Ophisops elegans teilt. A. grandis ist eine große und schöne Eidechse, die ein wenig an A. tristrami (von ihren Proportionen her) erinnert.

 

Nach unserem Check-in in der Azraq Lodge wollten wir das Shawmari Wildlife Reserve mit seinen weißen Oryx besuchen. Leider wird das Reservat gerade umgebaut und war daher geschlossen. Wann und ob es jemals wieder öffnet, konnte uns keiner sagen. Mitten in der Wüste endeckten wir dann einen See und blieben einige Zeit, um dort die Vögel zu beobachten. Gleich neben dem Gewässer war ein Hügel aus schwarzem Lavagestein. Es sah sehr interessant aus, brachte aber keinen Erfolg. Die einzigen Arten, die wir nachts gefunden haben, waren Bunopus tuberculatus, rufende Wechselkröten im See und einige herumlaufende Galeodes. Wir blieben hier nachts nicht sehr lange mit unseren Lampen. Hinter dem Hügel befand sich nämlich ein Militärflughafen.

 

Dinner in Azraq

Frisches Abendessen in Azraq 

 

Azraq liegt an der Wüstenstraße, die von Saudi Arabien in den Irak führt. Von hier zweigt auch die Straße in das 100 km entfernte Amman ab. Azrag ist daher ein beliebter Stopp für Reisende, um zu essen und zu shoppen. Viele Restaurants liegen an der Hauptstraße und bieten "frisches" Hammelfleisch an. Wir hatten ein bizarres Abendessen: drei Widder mussten mitansehen wie einer ihrer Kollegen enthauptet wurde und anschließend an der Straße als „Frischfleisch“ angepriesen wurde. Ist das letzte Stück Fleisch vom Grill, folgt die nächste Schlachtung. Irgendwie ein seltsames Gefühl, neben lebenden und dem hängenden Schafen diese zu essen. Immerhin, es schmeckte sehr gut und war frisch.

 


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4. Mai: Azraq Wetland Reserve und Jawa

 

Vormittags besuchten wir die berühmte Oase Azraq, das Reservat mit dem Rest des ehemals großen Feuchtgebietes. Ursprünglich gab es hier eine große Oase, die mit Wasser aus den syrischen Bergen gespeist wurde. Durch die gestiegene Wassernachfrage der Städte, die Intensivierung der Landwirtschaft und das illegale Abpumpen wurde das Feuchtgebiet in den 80iger Jahren fast trockengelegt. Um das Ökosystem aufrecht zu erhalten, wird heute Wasser aus Amman in die Oase gepumpt. Irgendwie hatten wir den Eindruck, dass die vielen Zugvögel und unter anderem auch Aphanius sirhani, eine endemische Fischart, schon bald im Trockenen sitzen werden. Mit einem Zuchtprogramm versucht man die letzten Individuen des Fisches zu erhalten. Wir wünschen das Beste! Herpetologisch konnten wir Trachylepis vittata, Pelophylax bedriagae und Natrix tessellata finden. Obwohl der Wasserpegel schon sehr zurückgegangen ist, ist die Vogelfauna wirklich bemerkenswert und es war auch relativ einfach, die Vögel zu fotografieren.

 

Die Ruinen von Jawa – unser nächstes Ziel - wurden erst vor kurzem entdeckt. Sie sind die ältesten bekannten Staumauern, die vor rund 3.500 Jahren erbaut worden. Jawa liegt in der schwarzen Basaltwüste an den Ausläufern der syrischen Jebel Ad-Duruz Region. Einige Arten von Jordanien wie Hemorrhois ravergieri oder Dolichophis schmidti sind nur aus diesem Gebiet bekannt. Am Weg durch das Wadi blieben wir gelegentlich stehen, um uns in dem schwarzen Lava Gebiet umzusehen und fanden Mesalina guttulata, A. boskianus, mehrere Pseudotrapelus, Bufo variabilis und Tropiocolotes nattereri (nachts). Laudakia stellio ist hier das häufigste Reptil. Die Tiere sind sehr dunkel gefärbt und gehören der Unterart picea an. In der Nähe von Jawa entdecken wir aus dem Auto eine rötliche Eidechse die zwischen dem dunklen Gestein herumlief.  Zwischen den Steinen war diese sehr agile Art nicht leicht zu erwischen. Mit viel Geduld ist es uns einiger Zeit doch noch gelungen und wir konnten sie als Mesalina brevirostris bestimmen.

 

Pseudotrapelus sinaitus

Pseudotrapelus sinaitus

 

Es gibt keine Wegweiser und die Straßen/Wege sind in den Karten nicht eingezeichnet, ebenso fehlen GPS Daten und niemand war da, den man nach der richtigen Abzweigung fragen hätte können. Nach langer Suche fanden wir endlich Jawa. Ein renoviertes Wasserbecken scheint das einzige Anzeichen der archäologischen Stätte zu sein. Oder haben wir Jawa doch nicht gefunden? Sieht man sich die Gegend an, so ist es kaum vorzustellen, wo und vor allem wie hier Menschen vor ca. 3500 Jahren lebten. Wir spazierten in der reizvollen Steinlandschaft herum. Das Suchen erwies sich als schwierig. Zwischen Steinhaufen herauszuklettern erfordert oft mehr Aufmerksamkeit als dem unmittelbaren Lebensraum. Wir wurden mit einem wunderbar blau gefärbten Pseudotrapelus, ein paar Mesalina guttulata, Hemidactylus turcicus und Laudakia stellio belohnt. Zugegeben, das war nicht ganz was wir uns hier erhofft hatten.

 

Da der Weg bis hierher schon sehr beschwerlich war, entschlossen wir uns nicht zurückzufahren sondern einfach weiter der Piste durch die Steinwüste zu folgen.  Etwas riskant, da es keine Wege in unseren Karten gab. Nach einiger Zeit war klar, dass das Weiterfahren die falsche Entscheidung war. Keine Anhaltspunkte, nur Steine weit und breit und ein immer schlechter werdender Weg.  Wir fuhren von Abzweigung zu Abzweigung und entschieden nach Bauchgefühl, welche wir nehmen sollten, die grundsätzliche Richtung zum nächsten Dorf war uns mittels GPS bekannt. Nach etwa 20 km und gut 2h Ungewissheit erreichten wir zum Sonnenuntergang das gesuchte Dorf. Erleichtert und auf Asphalt ging es zurück nach Azraq.

 

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5. Mai: Zurück nach Österreich!

 

Auf dem Weg zum Flughafen besuchten wir eines der bekanntesten Wüstenschlösser, das Quṣayr ʿAmra, welches in der Welterbe Liste der UNESCO eingetragen ist. In den Außenbezirken von Amman haben wir beschlossen, unsere letzten Stopps zu machen. Wir fanden wieder A. grandis und auf einem Hügel einige Ptyodactylus puiseuxi mit vielen Eiern unter Steinen. Weiters noch Hardune, Hemidactylus turcicus und eine tote Psammophis schokari sowie zwei verschiedene Igelarten. Am Nachmittag flogen wir direkt zurück nach Wien.

 

Quasr Amra CR

Quṣayr ʿAmra

 

50 Arten konnten wir auf dieser Reise dokumentieren. Das ist mehr als auf unseren Reisen zuvor. Dennoch waren wir etwas enttäuscht, weil wir weder eine Viper, noch eine Telescopus oder eine Platyceps oder eine von vielen anderen Arten, die wir nur zu gerne gesehen hätten, nicht finden konnten. Jordanien war dennoch eine erfolgreiche und sichere Reise. Wir können jedem Naturinteressierten dieses Land wirklich empfehlen. Jordanien ist ein sicheres, einfach zu bereisendes und ein preisgünstiges Land mit sehr freundlichen Menschen.

 
Liste der dokumentierten Arten

 

Bufo variabilis
Hyla felixarabica
 (no photo, only heard)
Pelophylax cf. bedriagae
Cyrtopodion scabrum
Bunopus tuberculatus
Hemidactylus turcicus
Ptyodactylus guttatus
Ptyodactylus hasselquistii
Ptyodactylus puiseuxi
Stenodactylus doriae
Stenodactylus sthenodactylus
Tropiocolotes nattereri
Laudakia stellio
Phrynocephalus arabicus
Pseudotrapelus sinaitus
Trapelus pallidus
Uromastyx aegyptia
Chamaeleo chamaeleon
Pseudopus apodus
 (d.o.r.)
Acanthodactylus boskianus
Acanthodactylus grandis
Acanthodactylus opheodurus
Acanthodactylus schmidti
Acanthodactylus hardyi
Acanthodactylus tristrami
Phoenicolacerta kulzeri
Phoenicolacerta laevis
Mesalina brevirostris
Mesalina guttulata
Ophisops elegans
Ablepharus rueppellii
Chalcides ocellatus
Eumeces schneideri
Trachylepis vittata
Ophiomorus latastii
Scincus scincus
Sphenops sepsoides
 (no photo)
Letheobia simonii
Eryx jaculus
Dolichophis jugularis
Eirenis coronella
Eirenis decemlineata
Eirenis rothi
Lytorhynchus diadema
Malpolon insignitus
Natrix tessellata

Platyceps collaris (no photo)
Psammophis schokari
Micrelaps tchernoviDaboia palaestinae 
(d.o.r.)
Testudo graeca

 
 
Avifauna

Vögel die wir beobachten konnten