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Kammmolch - Triturus cristatus (LAURENTI 1768)
Alpenkammmolch - Triturus carnifex (LAURENTI 1768)
Donaukammmolch - Triturus dobrogicus (KIRITZESCU 1903)

 

Namen international

 

alt Kammmolch Alpenkammmolch Donaukammmolch
alt Nördlicher Kammmolch Italienischer Kammmolch Donaukammmolch
alt Crested Newt Alpine Crested Newt Danube Crested Newt
alt Triton crêté - Triton du Danube
alt Tritón crestado - -
alt Tritone crestato settentrionale - Tritone crestato del Danubio

 

Die Kammmolche werden auch als "Wasserdrachen" bezeichnet: der Kamm der Männchen ist während der Paarungszeit mächtig ausgebildet und lässt den ohnehin schon relativ großen Molch noch riesiger erscheinen. Kammmolche sind durch Fischbesatz oder Zerstörung ihrer Laichgewässer in ihrem Bestand gefährdet. Die Eigenschaften der drei österreichischen Kammmolcharten (Triturus cristatus, Triturus carnifex, Triturus dobrogicus) werden unter dem Kammmolch-Artenkreis zusammengefasst beschrieben.

 

Kamm molche_triturus_CR

v.o.n.u.:

Kammmolch - Triturus cristatus (Foto: © herpetofauna.at)

Alpenkammmolch - Triturus carnifex (Foto: © herpetofauna.at)

Donaukammmolch - Triturus dobrogicus (Foto: © herpetofauna.at)

 

 

 

 

 

Systematik

 

Klasse: Amphibia (Amphibien)
Ordnung: Urodela (Caudata) (Molche und Salamander)
Unterordnung: Salamandroidea
Familie: Salamandridae (Echte Salamander und Molche)
Gattung: Triturus (Europäische Molche)
Art: Triturus cristatus (Kammmolch, LAURENTI 1768)
Triturus carnifex (Alpenkammmolch, LAURENTI 1768)
Triturus dobrogicus (Donaukammmolch, KIRITZESCU 1903)

 

Beschreibung

 

Die österreichischen Kammmolcharten unterscheiden sich morphologisch nur gering. Eine sichere Zuordnung zu einer bestimmten Art ist daher meist nicht möglich.

 

Während der Kammmolch lang und schlank erscheint, ist der Alpenkammmolch etwas kräftiger gebaut. Der Donaukommmolch ist der zierlichste und kleinste der 3 Arten, mit relativ kurzen Extremitäten. Kammmolchweibchen sind 11-13 cm lang (auch bis 20 cm), Männchen 10-12 cm (auch bis 18 cm). Alpenkammmolche haben eine ähnliche Größe und werden im Mittel 12 cm lang, Donaukammmolchweibchen bis max. 16 cm, die Männchen bis max. 14cm. Die Rückenfärbung kann beim Kammmolch als schwarz bis dunkelbraun mit schwarzen Flecken, beim Alpenkammmolch als hellbraungrau bis dunkelbraun mit großen schwarzen Flecken und beim Donaukammmolch als schwärzlich bis auffallend braun, regional auch ziegelrot beschrieben werden.

 

An den Flanken des Kammmolches sieht man weiße oder gelbliche, beim Donaukammmolch weiße Tüpfel, die beim Alpenkammmolch meistens fehlen. Die Kehlfärbung kann beim Kammmolch als „schwarzgelb marmoriert mit kleinen weißen Tüpfeln durchsetzt“ bezeichnet werden. Die Kehlfärbung beim Alpenkammmolch variiert von gelb und schwarz gesprenkelt bis schwarz, immer mit kleinen weißen Punkten. Beim Donaukammmolch zeigen die Weibchen eine dunkelgelbe bis dunkelgraue Kehlfärbung mit kleinen weißen Punkten, die Männchen haben eine tiefschwarze mit eckigen weißen Punkten durchsetzte Kehlfärbung.

 

Die Bauchseite ist beim Kammmolch hellgelb bis rotorange gefärbt mit einem scharf abgegrenzten schwarzen Punkt- und Fleckenmuster, beim Alpenkammmolch orangefarben mit größeren schwarzgrauen Flecken, die meist etwas verwaschen und unscharf aussehen, beim Donaukammmolch tieforange (manchmal rot) bis dottergelb und mit kleinen bis mittelgroßen scharf gezeichneten Flecken durchsetzt.

 

In der Landtracht erscheinen alle Kammmolche oberseits tiefschwarz. Die Weibchen vom Kammmolch haben ein hellbraun bis braun gefärbtes Rückenband, beim Alpenkammmolch ein gelbes, welches nur selten beim Donaukammmolch auftritt. In der Paarungszeit bilden männliche Kammmolche einen mächtigen gezackten Kamm aus, der an der Schwanzwurzel unterbrochen ist und beim Donaukammmolch am höchsten werden kann. Über den Schwanz zieht dann seitlich ein silbrigweißes Band, das auch Perlmuttband genannt wird. Die Kloake des Kammmolchmännchens ist stärker vorgewölbt und schwarz, beim Weibchen orangerot.

 

Anatomisch unterscheiden sich die Kammmolcharten durch die Anzahl der rippentragenden Wirbel, beim Kammmolch meist 15, beim Alpenkammmolch meist 14 und beim Donaukammmolch meist 16 oder 17. Dem entgegengesetzt verhält sich der Woltersdorff-Index, der als prozentuales Verhältnis der Vorderbeinlänge zum Abstand der Vorder- und Hinterbeine ermittelt wird: Er ist beim Alpenkammmolch am größten und beim Donaukammmolch am Kleinsten.

 

Verbreitung

 

Die Verbreitung der 3 Arten der Kammmolchgruppe in Österreich genau abzugrenzen ist schwierig, da es an den Arealgrenzen zu Vermischungen der Arten kommt. So kann nur grob gesagt werden, dass im Norden Österreichs, bis zur Donau (Waldviertel, Mühlviertel), im Flachgau und im Innviertel und in Vorarlberg der eigentliche Kammmolch (T. cristatus) zu erwarten ist (200-600 m, bis 850 m). Im Süden Österreichs und im Alpenraum findet man den Alpenkammmolch (T. carnifex) (200-600 m, bis 1480 m). Am Ostrand Österreichs dominiert der Donaukammmolch (T. dobrogicus), der auch westwärts der Donau folgt (< 200 m, bis 350 m).

 

alt

Verbreitungkarte: Kammmolch - Triturus cristatus sp. (Datenstand 1996)

© Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich

zum Vergrößern auf die Karte klicken

Lebensräume

 

Laichhabitat: Der Kammmolch findet sich von Anfang April bis Mitte Juni in permanenten stehenden Gewässern mit Flachwasserzonen und mäßiger bis üppiger Vegetation, der Alpenkammmolch vor allem von April bis Mai. Der Donaukammmolch bevorzugt temporäre stehende Gewässer, wie Altwässer, Sümpfe und Gräben, in denen er von Ende März bis Mitte Juni zu finden ist.

 

Landhabitat: Die Landlebensräume des Kammmolches bilden Feuchtwiesen, Grünland, Auwälder und Ruderalfluren, die des Alpenkammmolches bilden Grünland, Feuchtwiesen, Laubwäldern, Auwäldern, Agrarland und Laub-Nadel-Mischwäldern. Die Landhabitate des Donaukammmolches sind vor allem Auwälder.

 

Lebensweise

 

Im Frühjahr wandern die adulten Molche in die Laichgewässer ein um sich fortzupflanzen. Im Vergleich mit den andern heimischen Molchen bleiben die adulten Kammmolche am längsten im Wasser. Aber auch ein Teil der subadulten Tiere wandert in das Gewässer ein. Ein Wechseln des Gewässers während der Fortpflanzungszeit ist bei Kammmolchen beobachtet worden. Kammmolche sind vorwiegend dämmerungsaktiv und nachtaktiv. Sie orientieren sich im Wasser hauptsächlich mittels des Geruchssinnes.

 

Über ihr Leben an Land ist noch wenig bekannt. Als Tagesverstecke werden Bretter, Steine, Höhlungen unter Wurzeln, Baumstämme, Holzstapel, Mauerwerk und Nagerbauten genutzt. Sie verlassen ihre Verstecke nur bei Nacht und Regen und können dabei weitere Strecken zurücklegen (im Mittel 10-50 m pro Nacht). Im Herbst zeigen Kammmolche eine verstärke Wanderungsaktivität, zum Teil werden die Laichgewässer zur Überwinterung aufgesucht. Als Winterquartiere an Land werden Keller, Höhlen, Steinhaufen u.ä. genannt.

 

Fortpflanzung

 

Nach dem Einwandern in das Laichgewässer entwickeln die Männchen ihren hohen Rückenkamm und es findet die Balz und Paarung statt. Die Männchen besetzen Balzplätze und versuchen sich bei Annäherung eines Weibchens quer vor dieses zu stellen. Dabei zeigen sie einen Katzenbuckel, gehen in den Handstand und führen Schwanzschläge aus. Nach dieser Phase der Balz kriecht das Männchen weg und das Weibchen folgt ihm nach. Es folgt die Abgabe des Samenpaketes (Spermatophore) durch das Männchen und die nachfolgende Aufnahme durch das Weibchen.

 

Einige Tage danach beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Dabei wird jedes Ei einzeln in ein Blatt einer Wasserpflanze nahe der Wasseroberfläche eingewickelt. Etwa 200 Eier legt ein Weibchen im Zeitraum von 1-3 Monaten ab. Die Larven schlüpfen nach ungefähr 15 Tagen und besitzen nur unfertig entwickelte Vorderbeine. Mit Haltefäden (Balancer) heften sie sich an die Pflanzen. Später halten sich die Larven vorwiegend in der Vegetation auf, während andere Molchlarven eher den Gewässerboden besiedeln. Die Larvalentwicklung dauert 2-4 Monate, danach verlassen die metamorphosierten Jungmolche etwa Mitte September mit 3-5 cm Länge das Gewässer (nur ein geringer Teil der Larven erreicht dieses Stadium).

 

Nahrung

 

Kammmolche sind Nahrungsgeneralisten und nehmen im Wasser neben Insektenlarven und Kleinkrebsen vor allem auch Egel, Schnecken und Kaulquappen auf. Auch die Eier und Larven anderer Amphibien werden gefressen. An Land werden Regenwürmer, Schnecken, Insekten und deren Larven gefressen. Jungtiere fressen vor allem Milben und Springschwänze.

 

Allgemeines und Besonderheiten

 

Kammmolche können eine typische Schreckstellung einnehmen. Dabei wird der Schwanz eingerollt und der Körper zur Seite gekrümmt. Über die Haut werden giftige Sekrete abgegeben. Bei Kammmolchen kommt ein embryonaler Letal-Faktor vor, bei dem sich nur 50% der Embryonen entwickeln. Trotzdem scheint dies für die Erhaltung der Population keinen Nachteil zu haben.

 

Gefährdung und Schutz

 

In ganz Europa werden deutliche Rückgänge der Kammmolchpopulationen verzeichnet. Als Ursachen sind Lebensraumverlust und -zerschneidung, Fischbesatz der Laichgewässer, Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Unregelmäßiges Trockenfallen von Gewässern verhindert den Fischbesatz und verbessert damit wesentlich die Fortpflanzungsbedingungen für Amphibien. Neu angelegte Gewässer werden vom Kammmolch schlecht angenommen, er bevorzugt Altgewässer.

 

Literatur

 

  • Günter Diesener, Josef Reichholf, Steinbachs Naturführer, Lurche und Kriechtiere, Herausg. Gunter Steinbach, 1986, Mosaik Verlag, München, ISBN 3-570-01273-5
  • Andreas und Christel Nöllert, Die Amphibien Europas, Bestimmung - Gefährdung - Schutz, Kosmos Naturführer, 1992, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, ISBN 3-440-06340-2
  • Friedo Berninghausen, Welche Kaulquappe ist das? Der wasserfeste Amphibienführer, Herausg. NABU (Naturschutzbund Deutschland), 1998, Hannover, ISBN 3-925815-25-2
  • Antonia Cabela, Heinz Grillitsch, Franz Tiedemann, Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich, Umweltbundesamt, 2001, Wien, ISBN 3-85457-586-6
  • Burkhard Thiesmeier, Kurt Grossenbacher, Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas, Schwanzlurche IIA und IIB, 2004, Aula-Verlag, Wiebelsheim, ISBN: 3-89104-673-1, ISBN: 3-89104-674-X
  • Burkhard Thiesmeier, Alexander Kupfer, Der Kammmolch, Ein Wasserdrache in Gefahr, 2000, Laurenti Verlag, Bochum ISBN: 3-933066-06-9

 

 

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