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Teilnehmer: Norbert Frotzler, Thomas Bader, Franz Rathbauer & Christoph Riegler
 
Das Land Georgien

  
Exkursion Georgien  

Georgien (georgisch: Sakartwelo) liegt im Süden des Großen Kaukasus am Schwarzen Meer zwischen Europa und Asien. Es grenzt im Norden an Russland, im Osten an Aserbaidschan, im Süden an Armenien und im Südwesten an die Türkei. Mit 69000 km2 ist Georgien größer als die Schweiz aber immer noch kleiner als Österreich. Die Einwohnerzahl von ca. 4,5 Mill. nimmt z.Z. wegen Wirtschaftsmigration ständig ab. Trotz seiner geringen Ausdehnung ist es – landschaftlich und klimatisch – ein außerordentlich vielseitiges Land, von dem die Georgier folgende Geschichte erzählen:

 

Als Gott die Schöpfung vollendet hatte, wies er allen Völkern der Erde ihre Heimatländer zu. Die Georgier, die – wie gewöhnlich – zu spät zur Landverteilung erschienen waren, gingen leer aus. Sie kümmerten sich allerdings wenig darum und feierten stattdessen ein großes Fest mit reichlich Essen, Trinken, Gesang und Tanz. Das gefiel Gott so sehr dass er ihnen das Stück Erde überließ, das er eigentlich für sich selbst reserviert hatte. Daher finden sich in Georgien Meeresküsten, Seen, fruchtbare Ebenen, uralte Wälder, einsame Steppen und gewaltige Gebirge in unmittelbarer Nähe nebeneinander. Drei der höchsten Gipfel Georgiens sind mehr als 5000 m hoch, im Südwesten des Landes fällt im Schnitt doppelt so viel Regen als in Manaus am Amazonas, während es keine 300 km weiter östlich trockener ist als in Taschkent oder Tunis!

 

Das Leben in Georgien war schon in den Zeiten des Prometheus - der bekanntlich von den Göttern des Olymp an den Fels des Kaukasus geschmiedet wurde, weil er den Menschen das Feuer gebracht hatte - nicht einfach und im Lauf seiner wechselvollen Geschichte weckte das Land wegen seiner Reichtümer Begehrlichkeiten nicht nur bei den unmittelbaren Nachbarn.


Nacheinander kamen Griechen, Araber, Mongolen, Türken, Perser und schließlich – 1801 – die Russen. Zwischendurch gelang es den Georgiern immer wieder, die Unabhängigkeit zu erlangen, z.B. zwischen 1918 und 1921, danach wurde das Land wieder annektiert, war Teil der Sowjetunion und proklamierte seine Eigenstaatlichkeit 1991.
Nach der Entmachtung Swiad Gamsachurdias, des Vaters der Unabhängigkeitsbewegung und 1.Staatspräsidenten Georgiens (1993 ermordet), wurde der frühere sowjetische Außenminister und KP-Chef Eduard Schewardnadse sein Nachfolger. Er verlor sein Amt 2003 nach der Rosenrevolution wegen Korruptionsvorwürfen.
Der neue Präsident Michail Saakaschwili steht wegen seines pro-westlichen Kurses  in keinem guten Verhältnis mit dem Nachbarn Russland. Besonders die von Russland unterstützte Ablösung Abchasiens und Südossetiens (die Georgier waren die ursprüngliche Bevölkerungsmehrheit in Abchasien und bis heute leben ca. 200000 Flüchtlinge aus der Region in Georgien) und Serien von Wirtschaftsembargos belasten die Beziehungen Georgiens zum nördlichen Nachbarn schwer.

 

Unser aus Abchasien stammender Fahrer Murtasi hat uns von der abenteuerlichen Flucht aus seiner Heimat erzählt, die er 1993 unternehmen musste, um dem Massaker von Suchumi zu entgehen bei dem Tausende Georgier ermordet wurden.

 

Murtasi

Unser Fahrer Murtasi posiert vor dem Geburtshaus von Stalin in Gori

 

Was uns besonders beeindruckt hat, war die Tatsache, dass wir trotz der ständigen Spannungen mit Russland, auf unserer Reise niemand getroffen haben, der über die in Georgien lebenden Russen geschimpft hätte. Sie stellen immerhin auch heute noch die fünftgrößte Bevölkerungsgruppe. Genug Zündstoff für Kritik liefert aber die russische "Nachbarschaftspolitik" und auch die Europäische Union wird wegen ihres nur zögerlichen Engagements in der Region nicht mehr nur positiv wahrgenommen.
Wie in allen jungen Demokratien im ehemals kommunistischen Einflussbereich ist die Unzufriedenheit vieler Menschen, die immer noch auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände warten, mit der jeweiligen Regierung auch hier groß und die geopolitische Lage des Landes im Überschneidungsbereich der Interessen politischer Global Players konfrontiert die Georgier – trotz Wirtschaftswachstum - fast täglich mit neuen Problemen.

 

Neben den im Land gebliebenen Russen gibt es auch aserische, armenische, abchasische, griechische, ossische, kurdische und aramäische Minderheiten.
Die Sprachen der georgischen Bevölkerungsmehrheit: Georgisch = Kartuli Ena, Megrelisch, Swanisch und Lasisch, bilden eine eigene Sprachfamilie für sich, die – Albtraum aller Linguisten und lernwilliger Ausländer – keine erkennbaren Beziehungen zu irgendeiner anderen Sprachgruppe weltweit aufweist! Alle Vier bedienen sich der georgischen Schriftsprache mit eigenem Alphabet (33 Buchstaben).

 

Die Mehrheit der Georgier gehört der Georgisch-Orthodoxen Kirche an, es gibt aber auch Muslime, Armenische Christen, Russisch-Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Juden und Parsen. Bei Festen ist es Brauch, dass alle Nachbarn – ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit – daran teilnehmen!

 

Eine Reise nach Georgien bedeutet, eine andere Welt kennen zu lernen.


Die ländliche Bevölkerung lebt fast ausschließlich von traditioneller Landwirtschaft, überall laufen Hunde, Rinder, Büffel, Schweine, Pferde, Esel, Schafe, Ziegen und Hühner umher, was auf den mittlerweile besser werdenden Hauptverkehrsstrassen manchmal zu unangenehmen Überraschungen führen kann.

 

Exkursion Georgien Teil1

Außerhalb der Hauptstadt Tiflis ein immer wieder kehrendes Motiv

 

Auf den Äckern haben wir ganze Familien beim Absammeln von Kartoffelkäfern beobachtet. Meist werden Ochsen zum Pflügen eingesetzt. Die im Land produzierten Nahrungsmittel sind von hoher Qualität, besonders Obst und Wein sind auch im Ausland berühmt.
Riesige Industrieruinen zeugen vom Zusammenbruch der Sowjetunion, besonders der Industriekomplex Rustawi würde einen hervorragenden Hintergrund für den Showdown in jedem beliebigen amerikanischen Thriller abgeben, da ausländische Investitionen auf sich warten lassen!
Mit großem technischem Aufwand werden Pipelines auch durch Schutzgebiete gebaut, da dies für die ökonomische Entwicklung des Landes unerlässlich scheint. Hier sind die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt allerdings vorbildlich und entsprechen durchaus westlichen Standards.
Der Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle während der Sowjetzeit – steckt allerdings derzeit noch in den Kinderschuhen. Nur am Schwarzen Meer trifft man wieder auf eine wachsende Anzahl von Touristen aus der ehemaligen Sowjetunion und im Winter besuchen Schifahrer den Ort Bakuriani im Kleinen Kaukasus, wo sie leider – wovon wir uns selbst überzeugen konnten – ungeheure Mengen an Dreck im Wald hinterlassen, was die Ortsverwaltung anscheinend überhaupt nicht stört!

 

Georgien Landwirtschaft

Feldarbeit mit Ochsengespann


Kleine Gruppen von Reisenden aus westlichen Ländern bezwingen in geführten Touren den Mkinwartsweri, den dritthöchsten Berg Georgiens, bei uns besser bekannt unter seinem anderen Namen: Kasbek (5047 m).


Den meisten Einheimischen fehlt noch das Geld, um sich einen Urlaub leisten zu können. Allerdings finden sich in der Hauptstadt bereits jede Menge an internationalen Designerläden, die von den reichen Georgiern besucht werden. Da die Preise aber oft noch deutlich höher sind als bei uns, zieht man jedenfalls – wenn möglich - einen Einkaufsbummel in Kärntner- bzw. Mariahilfer-Straße einem Besuch des Rustaweli-Prospekts in Tbilisi immer noch vor.


Die Menschen auf den Strassen und Märkten Georgiens waren allesamt sehr freundlich zu uns. Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten beim Einkaufen, sahen auch diejenigen von uns, für die es der erste Besuch des Landes war ein, dass die einheimischen Produkte mindestens so gut, aber wesentlich billiger waren als die Importwaren.


In den gut 2 Wochen unseres Aufenthaltes ernährten wir uns von den gängigen Speisen, die in den Restaurants angeboten wurden:
Chatschapuri (Brot mit eingebackenem Käse), Chinkali (gefüllte Teigtaschen), Mtswadi (Schaschlik), Ostri (Gulasch), Soko (Pilze), Grillhendl, Forellen, Gefüllte Melanzani usw.
Am letzten Tag speisten wir bei McDonalds: Kein Vergleich mit einer echt georgischen Tafel!


Wir gewannen während unseres Aufenthaltes den Eindruck, dass das Land sicher zu bereisen ist. Bei  fehlender Kenntnis der Landessprache bzw. des Russischen und mangelhafter Planung stößt man außerhalb der Städte trotz der Hilfsbereitschaft der Georgier allerdings bald an seine Grenzen.

 

 
Die Natur Georgiens

 

Wegen ihres Artenreichtums wird die Kaukasusregion von Conservation International (MYERS et.al, Nature 24. Feb 2000, Vol. 403) unter den 25 bedeutendsten Biodiversitäts-Hotspots der Erde aufgelistet.

Die hohe Artenvielfalt beruht auf der geographischen Lage am Schnittpunkt von 2 verschiedenen Bioprovinzen (mit 5 Subprovinzen: Kolchische, Zentralkaukasische, Ostkaukasische, Ostanatolische und Iranische), der immerfeuchten Euxinisch-Hyrkanischen (Südufer des Schwarzen- und Kaspischen Meers + Westliche Kaukasusregion) mit ihren artenreichen Wäldern, und der sommertrockenen Irano-Turanischen (Kontinentale Gebiete Südwest- und Zentralasiens), sowie der reichen landschaftlichen Gliederung des Gebietes. Bezogen auf die Größe des Landes übertrifft die Biodiversität Georgiens die aller Länder Europas, die absolute Artenzahl der Amphibien & Reptilien ist in Europa nur in Spanien und Italien höher!

In Georgien gehören folgende Landesteile zur Euxinisch-Hyrkanischen Bioprovinz:

Der Große Kaukasus (ausgenommen die niederschlagsarmen Regionen nördlich des Hauptkammes), der westliche und zentrale Kleine Kaukasus, das Surami-Gebirge im Zentrum des Landes und die Kolchische Ebene am Schwarzen Meer.


Grosser Kaukasus

Großer Kaukasus mit Blick auf den Kasbek (5.047m), 
höchster Berg Georgiens ist der Schchara mit 5.068m.

Sie ist vor allem durch das Vorkommen von sogenannten Tertiär-Relikten bekannt geworden. Bei solchen handelt es sich um Taxa, die während der Tertiärzeit eine weite Verbreitung hatten, die sich oftmals über große Teile der gesamten Holarktis erstreckte. Als am Ende des Tertiärs Temperatur und Niederschläge abnahmen, konnten Arten, die feucht-mildes Klima benötigten, nur dort überleben, wo der Klimawandel weniger stark ausgeprägt war.

Heute finden sich die nächsten Verwandten der Tertiär-Relikte, die in der niederschlagsreichen Region am Schwarzen Meer gute Lebensbedingungen vorfanden, meist nur noch in Ostasien und den südöstlichen USA.

Beispiele dieses Typs sind:
Pterocarya fraxinifolia (Flügelnuss: Verwandte in Ostasien), Diospyros lotus (Dattelpflaume: Vertreter der Gattung in Nordamerika, Ostasien und Tropengebiete), verschiedene Alpenrosenarten: Rhododendron caucasicum, Rh.smirnowii, Rh.ungernii (nächste Verwandte in Ostasien), Epigea gaultheroides (Erikagewächse: 1 Art in Japan, 1 Art in den östlichen USA), Quercus pontica (Pontische Eiche: nächste Verwandte in Ostasien), mehrere Birkenarten: Betula medwedewii, B.litwinowii, B.megrelica (nächste Verwandte in Ostasien) u.A.

Einige Taxa mit euxinisch-hyrkanischer Verbreitung konnten auch in Refugien in Südeuropa überdauern:
Brahmea (Brahmaspinner, ein Schmetterling: Ostasien, je 1 isoliertes Vorkommen in Süditalien und dem türkisch-syrischem Grenzgebiet), Pelodytes (Schlammtaucher: Südwesteuropa), Zelkova (ein Ulmengewächs: Ostasien, isolierte Vorkommen in Sizilien und Kreta), Castanea sativa (Esskastanie: Italien, Balkan, verwandte Arten in Ostasien und den östlichen USA), verschiedene Ahornarten: Acer cappadocicum, Acer hyrcanum (Süditalien, Balkan und Himalaja), Rhododendron ponticum (Pontische Alpenrose: je 1 isoliertes Vorkommen in Südspanien und dem türkisch-syrischem Grenzgebiet, nächste Verwandte in den südöstlichen USA), Rhododendron luteum (Gelbe Alpenrose: Isolierte Vorkommen am Balkan), Prunus laurocerasus Lorbeerkirsche: isolierte Vorkommen am Balkan, nächste Verwandte im Südwesten der Iberischen Halbinsel & den Kanarischen Inseln) u.s.w.

Darüber hinaus hat die Euxinisch-Hyrkanische Bioprovinz auch einen sehr hohen Anteil an Endemiten. Bekannte Beispiele aus der Herpetofauna sind:
Triturus (vittatus) ophryticus (Nördlicher Bandmolch), etwa die Hälfte aller Arten der Gattung Darevskia (Kaukasische Felseneidechsen) in Georgien. Alleine hier leben 16 Arten!

Innerhalb der Euxinisch-Hyrkanischen Bioprovinz finden sich viele Lokalendemiten, deren Vorkommen mehr oder weniger auf das Gebiet der Kolchischen Subprovinz (Westliche Kaukasusregion) beschränkt sind. Bekannte Beispiele dafür sind neben einigen Darevskia-Arten: Mertensiella caucasica (Kaukasussalamander), Pelodytes caucasicus (Kaukasischer Schlammtaucher), Bufo verrucosissimus (Kaukasus-Erdkröte) und Vipera kaznakovi (Kaukasusotter).

Adschara

In Teilen Adscharas fällt pro Jahr mehr als 4000mm Niederschlag


Entlang der Küste Abchasiens kommen einige typisch mediterrane Florenelemente vor :Pinus pithyusa (Mittelmeerkiefer), Arbutus andrachne (Erdbeerbaum), Erika arborea(Baumheide), unter den Reptilien und Amphibien der Küstenregion fehlen aber Arten mit rein mediterraner Verbreitung. Es gibt hier zwar isolierte Vorkommen von Testudo graeca, Lacerta media & Dolichophis caspius, die kolchischen Elemente überwiegen aber weitgehend.

Auf die alpinen Zonen des westlichen Grossen Kaukasus beschränkt sind: Capra caucasica (Westkaukasischer Tur) und Tetraogallus caucasicus (Kaukasisches Felsenhuhn), Darevskia caucasica (Kaukasus-Gebirgseidechse), D.alpina (Westliche Kaukasus-Gebirgseidechse) und Vipera dinniki ("Westliche Kaukasus-Kreuzotter" = Hochgebirgs-Kaukasusotter).

 

Die Hauptstadt Tiflis (georg.: Tbilisi, 1,09 Mio. Ew.)  


Nach ca. 3 Stunden Flug von Wien über Ungarn, Rumänien und das Schwarze Meer ist das erste, das man von Georgien zu sehen bekommt die vom Fluss Rioni durchströmte Kolchische Ebene, die im Norden vom Großen, im Süden vom Kleinen Kaukasus eingeschlossen wird. Zu unserem Schreck waren die Gebirge bis weit herunter in die tieferen Lagen verschneit, die hohen Berge lagen unter einem Eispanzer.

Nach der Landung in Tbilisi mussten wir feststellen, dass das – von uns erwartete – warme Maiwetter in diesem Jahr noch ausgeblieben war, es war saukalt! Wie sich herausstellte, hatten wir uns den längsten Winter seit Menschengedenken für unseren Besuch ausgesucht.

 

Unterkunft Unterkunft im Plattenbau

Unsere Unterkunft befand sich in einem Plattenbau aus der Sowjetzeit mit 16 Stockwerken am nordwestlichen Stadtrand. Im 12. Stock des Gebäudes wohnt die Familie von Nino, die zu unserem Glück die Eigentümerin einer anderen Wohnung dazu überreden konnte, uns diese für 2 Wochen zu überlassen. Die Wohnung war zwar sehr einfach (nicht ausgemalt, kein Kühlschrank), aber sehr viel billiger als jede andere Unterkunft und bot uns für die Zeit unseres Aufenthalts ein Dach über dem Kopf, sowie die Möglichkeit, bei längeren Ausflügen einen Teil des Gepäcks einfach dort zurückzulassen. Schon am Abend des Tags unserer Ankunft hörten wir – trotz der Kälte – lautes Seefrosch-Gequake in der Umgebung. Die einsetzende Dunkelheit hinderte uns aber daran, den dazugehörigen Tümpel zu finden.


Am nächsten Tag fuhren wir mit einem öffentlichen Sammeltaxi zur Stadtbesichtigung. Der Fluss Kura (georg.: Mtkwari), der durch die Stadt fließt und ins Kaspische Meer entwässert, führte wegen der dieses Jahr spät einsetzenden Schneeschmelze gerade enormes Hochwasser. Der alte Stadtkern ist durchaus reizvoll und hat etliche kulturell und architektonisch interessante Gebäude zu bieten. Wegen des immer noch kalten Wetters suchten wir  während unseres Stadtspaziergangs leider vergeblich nach dem Kaspischen Bogenfingergecko (Cyrtopodion caspius), den Bertl – der schon eine Woche vor uns angereist war – an einem etwas wärmeren Tag an der Sioni- und der Betlehem-Kirche beobachtet hatte. Diese Art kommt in Georgien nur in Tbilisi vor und wurde dort wahrscheinlich eingeschleppt.


Leider hatten wir nicht genügend Zeit für Bad & Massage in den berühmten Schwefelbädern, der die Stadt ihren Namen verdankt (tbili = warm) und über die schon Alexandre Dumas in seiner "Reise in den Kaukasus" ins Schwärmen geriet.
Noch mehr bedauern wir, dass wir aus diesem Grund auch das Georgische Nationalmuseum nicht besuchen konnten, wo – neben den berühmten antiken Goldschätzen aus der Kolchis, die schon die Argonauten ins Land gelockt hatten – auch die ältesten fossilen Hominidenfunde verwahrt werden, die außerhalb Afrikas gemacht wurden. Sie sind von exzellenter Erhaltung und sagenhafte 1,8 Mill. Jahre alt! Auch morphologisch entsprechen sie eher den frühesten afrikanischen Vertretern der Gattung Homo, als dem später in Eurasien weit verbreiteten Homo erectus. Bemerkenswert ist auch die Begleitfauna, die u.A. aus Elefanten, Nashörnern, Giraffen, Hirschen, Hyänen, Säbelzahnkatzen und Riesenstraußen besteht.

 

Stattdessen besuchten wir den Schildkrötensee (Kus Tba), ein beliebtes Naherholungsgebiet am südlichen Stadtrand. Es handelt sich um einen künstlichen See, ca. 250 m oberhalb der Stadt auf einem der Hausberge Tbilisis gelegen.

 

Kus Tba Tiflis

Das erste Ziel, der Schildkrötensee über Tiflis


Hier machten wir unsere erste Bekanntschaft mit der heimischen Herpetofauna. Etliche Seefrösche (Pelophylax ridibundus) paarten sich gerade und ließen sich dabei fotografieren. In Färbung und Größe glichen sie mitteleuropäischen Vertretern dieser Art. Beim Fang gaben sie einen intensiven Geruch von sich, den wir bei unseren heimischen Seefröschen noch nicht bemerkt hatten.


Auch unseren ersten Laubfrosch (Hyla arborea schelkownikowi) fanden wir am Ufer des Sees. Die Tiere in der Umgebung von Tbilisi sind sehr massiv gebaut, weisen eine Hüftschlinge, sowie einen breiten Lateralstreifen auf und rufen arttypisch. Laubfrösche dieses Typs fanden wir später auch am oberen Iori im Vorland des Großen Kaukasus.
Die rufenden Wechselkröten (Bufo viridis) waren zu weit vom Ufer entfernt, um sie zu fangen.
Die – in anderen Jahren von Bertl beobachteten - Würfelnattern (Natrix tessellata) zeigten sich diesmal nicht, wahrscheinlich war ihnen zu kalt.

Oberhalb des Sees bot sich uns ein Blick auf den Grossen Kaukasus mit dem wohl bekanntesten Berg Georgiens – dem Kasbek. Dabei wurde uns sofort klar, dass wir auf den geplanten Ausflug nach Kasbegi - der Ortschaft unterhalb des Berges – verzichten mussten, da die Schneegrenze noch weit unterhalb 2000 m lag.


Ein Spaziergang in östlicher Richtung über die größtenteils von Sekundärvegetation (Schibljak, siehe Kapitel Mzcheta) und Aufforstungen mit standortfremden Baumarten (Kiefern, Zedern) bedeckten Hänge zum ca. 3 km entfernten Sender der Stadt bescherte uns die ersten Östlichen Riesensmaragdeidechsen (Lacerta media media), Ein Paar der Kura-Eidechse (Darevskia portschinskii portschinskii) und den ersten Scheltopusik (Pseudopus apodus apodus), der im Vergleich zur westlichen Unterart (P.a.thracicus) heller gefärbt ist.


Kura-Eidechsen fanden wir auch entlang der Kura südlich Tbilisi, sowie am Mittellauf des Iori. Diese mittelgroße Felseneidechse kommt – im Gegensatz zu den meisten Arten der Gattung Darevskia – in verhältnismäßig trockenen Gebieten vor. Die Riesensmaragdeidechsen sind in Georgien weit verbreitet und kommen auch im feuchten Westen des Landes vor, allerdings nur in isolierten Populationen auf geeignetem Untergrund wie felsigen Böden und Küstendünen. Die Art ist immer an trockene Standorte gebunden. Bei einem 2. Besuch fanden wir hier auch eine junge Rote Springnatter (Dolichophis schmidti).

 


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Go West! Nach Batumi an die Schwarzmeerküste  

 

Map Georgia 2Batumi an der Küste, Surami Pass im Zentrum

Im Norden begleitet vom Großen- im Süden vom Kleinen Kaukasus, fuhren wir (jetzt mit eigenem Fahrer Murtasi und dessen Ford Transit) entlang der Kura in Richtung Westen, vorbei an Gori, der Geburtsstadt Stalins.

Nachdem wir den Lauf der Kura, die sich an dieser Stelle von Süden her in das fruchtbare Becken von Schida Kartli ergießt, bei Chaschuri verlassen hatten, mussten wir den Surami-Pass überqueren, der das niederschlagsreiche Westgeorgien vom trockenen Osten des Landes trennt. Während die alte Straße über den Pass führt, benutzten wir den Tunnel, um schneller an unseren Zielort Batumi  am Schwarzen Meer zu gelangen. Da es gerade Mittagszeit war, hielten wir nach Verlassen des Tunnels Ausschau nach einem geeigneten Wirtshaus (Sasadilo), wo wir unseren Hunger stillen könnten. Während wir die Passtraße hinunter fuhren und die ersten, im Wald aus Buchen (Fagus sylvatica orientalis), Esskastanien (Castanea sativa), Weißbuchen (Carpinus betulus) und Traubeneichen (Quercus iberica) verstreut wachsenden, leuchtend gelb blühenden Rhododendren (Rhododendron luteum) bewunderten, bemerkten wir ein geeignet erscheinendes Etablissement mit nahe gelegenen Weihern und einigen kleinen Felsen an einer Straßenbiegung und hielten an.

 

Thomas Bader Thomas hat was gefunden!

Noch vor dem Essen, das uns dann vorzüglich schmeckte, konnten wir in den Weihern nach kurzer Zeit riesige Molche entdecken, die sich zunächst alle als Kammmolche (Triturus karelinii) erwiesen. Bereits wenige Kescherversuche beförderten mehrere Weibchen an Land, die Männchen erschienen nach der Beunruhigung kaum mehr an der Oberfläche. Erst nach vielen weiteren Versuchen gelang es uns endlich, einen wahren Brocken zu keschern. Die Östlichen Kammmolche übertreffen alle unsere heimischen noch an Körpergröße. Wir konnten diese Art außerdem noch in einem Graben am Supsa-Terminal in der Kolchis nachweisen.


Gleich gegenüber, im 2. Weiher fanden wir neben unzähligen Seefröschen und einigen – diesmal grazil gebauten Laubfröschen mit reduzierter oder ganz fehlender Hüftschlinge und fleckiger Oberseite – wieder etliche Kammmolche, aber auch einige andere große Molche mit ungefleckter Bauchseite. Nach einigen Kescherversuchen konnten wir ein Paar der wohl schönsten und bizarrsten Wasserdrachen – Nördliche Bandmolche (Triturus (vittatus) ophryticus) erwischen. Diese unglaublich attraktiven Molche faszinierten uns dermaßen, das wir eine fast endlose Fotosession veranstalteten und unseren Hunger beinahe vergaßen. In Adscharien, im Südwesten des Landes fanden wir diese Art noch öfters, allerdings in wesentlich kleineren Gewässern und von geringerer Körpergröße. Ein weiteres Männchen fanden wir – noch in Winterstarre – unter einem Baumstrunk im Wald oberhalb von Bakuriani im Kleinen Kaukasus. Bemerkenswerterweise zeigt gerade diese Art, die in der Terrarienhaltung als sehr schwierig gilt, im natürlichen Lebensraum die größte ökologische Flexibilität aller Molcharten!


Nach dem Festmahl im nahe gelegenen Biergarten fotografierten wir noch das erste Weibchen der Kielschwanz-Eidechse (Darevskia rudis), die uns im weiteren Reiseverlauf in West- und Zentralgeorgien, wo sie Felswände bewohnt, in verschiedenen Unterarten noch oft begegnen sollte.
Auch das Bild der ersten Ringelnatter (Natrix natrix ssp.), die uns in Georgien begegnet ist, stammt von hier. Ausgesehen hat sie wie viele österreichische Exemplare der Art, doch davon später!

 

Unser nächster Stopp, das Adschameti-Reservat, liegt unmittelbar südlich der zweitgrößten Stadt Georgiens, Kutaisi am nördlichen Ufer des Rioni und ist – für uneingeweihte Besucher – wegen seiner Lage zwischen Verbindungsstraßen, dem fehlen größerer Wildtiere und seiner geringen Ausdehnung – durchaus nichts Bemerkenswertes.

 

Weg nach Batumi

Stopp am Weg nach Batumi an die Schwarzmeerküste.
Kühe auf der Straße sind ganz alltäglich.

 

Tatsächlich handelt es sich dabei aber um ein wahres Kleinod unter den Naturschutzgebieten Georgiens, weil hier die Zusammensetzung des Waldes ungefähr den - fossil überlieferten – Hartauwäldern des Spät-Tertiärs Europas entspricht! Das Reservat dient vor allem dem Schutz der Zelkove (Zelkova carpinifolia) einem Baum aus der Familie der Ulmengewächse, der hier in Vergesellschaftung mit Orient-Traubeneiche (Quercus iberica), einer endemischen Stieleiche (Quercus imeretina), Weißbuche (Carpinus betulus), Orient-Weißbuche (Carpinus orientalis) u.A. wächst. Im Unterwuchs finden sich z.B.: Mäusedorn (Ruscus), und gelb blühender Rhododendron (Rhododendron luteum).


Am Waldboden und unter Fallholz fanden wir die Artwiner Eidechse (Darevskia derjugini abchasica), eine feuchtigkeitsliebende waldbewohnende Art, die – als Einzige der Gattung – auch die Sumpfwälder des kolchischen Tieflandes bewohnt. Typisch ist die Kupferfarbe und der Kontrast zwischen heller Ober- und dunkler Unterseitenfärbung des Schwanzes. Die Jungtiere sind kupferfarben mit spangrünen Schwänzen.


In der Nähe eines mit Wasser vollgelaufenen Kellers der Ruine eines ehemaligen Gebäudes fanden wir eine Ansammlung von gut einem halben Dutzend Ringelnattern auf einem Holzstock.

 

Norbert Frotzler Norbert auf der Suche
nach T. vulgaris lantzi
Im Gewässer tummelten sich neben unzähligen Seefröschen und Laubfröschen – die hier, ähnlich zierlich gebaut und gezeichnet waren wie jene am Surami-Pass – auch Vertreter der seltensten Molchart Georgiens, des Teichmolchs (Triturus vulgaris lantzi). Scheinbar leidet diese Art besonders stark unter der Konkurrenz der beinahe allgegenwärtigen Bandmolche, die das neu entstandene Gewässer noch nicht entdeckt hatten. Aus zeitlichen Gründen konnten wir an dieser Stelle nur ein Weibchen fangen, da wir bis Batumi noch einen weiten Weg vor uns hatten. Ebenfalls wegen Zeitmangels mussten wir auch auf den Besuch des unmittelbar nördlich von Kutaisi gelegenen Sataplia-Reservats verzichten, wo es Dinosaurierfährten zu sehen gibt und Bertl bei einem früheren Besuch Östliche Riesensmaragdeidechsen und Äskulapnattern (Zamenis longissimus) beobachten konnte.

 

Durch Bertls Berichte von zarten, rein grünen Laubfröschen ohne Seitenzeichnung, die er bei früheren Exkursionen im Gebiet des - an der Küste bei Poti gelegenen – Paleostomi-Sees fotografieren konnte und unseren eigenen bisherigen Beobachtungen an kolchischen Laubfröschen neugierig geworden, hielten wir an einem, mit Schilf bewachsenen Gewässer an der Straße zwischen Lantschchuti und Supsa noch einmal kurz an und begannen zu suchen. Der einzige Laubfrosch, den wir im Licht der fortgeschrittenen Dämmerung noch finden konnten, flüchtete allerdings vor Franz, der sich im Übereifer zu schnell bewegt hatte und landete – vor unseren Augen – im Magen eines der allgegenwärtigen Seefrösche.
 


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Adscharien (Adschara)  

Map Georgia 3Adscharien im Südwesten des Landes

Nachdem Staatspräsident Eduard Schewardnadse zum Rücktritt gezwungen worden war, proklamierte der damalige Parlamentspräsident Adscharas, Aslan Abaschidse, die Loslösung der Teilrepublik von Georgien. Seine Absichten fanden aber keine Zustimmung in der Bevölkerung, es kam zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Abaschidse wurde entmachtet und ging ins russische Exil.

 

Die autonome Teilrepublik Adschara liegt im Südwesten Georgiens an der Grenze zur Türkei. Die Hauptstadt Batumi (11.8000 Einwohner) ist – neben dem nördlich gelegenen, nicht zu Adschara gehörenden Poti – die wichtigste Hafenstadt Georgiens und verschifft neben land- und forstwirtschaftlichen Produkten vor allem Erdöl vom Kaspischen Meer. Das feucht-warme Klima der Region ist im Winter frostfrei und erlaubt den Anbau von Tee, Bananen und Zitrusfrüchten.


Die schöne, gepflegte Altstadt von Batumi wird heute wieder von Touristen – meist aus der ehemaligen Sowjetunion - besucht, Hotels und Strandpromenaden sind häufig überfüllt, die nächtliche Beleuchtung, auch der Nebenstraßen, ist beinahe schon zu hell. Noch vor relativ kurzer Zeit waren Nachtspaziergänge ohne Taschenlampe ein gefährliches Unterfangen – weil es leicht geschehen konnte, in einen nicht abgedeckten Kanal oder eine Baugrube zu fallen! Unsere Unterkunft war ein kleines Hotel in zentraler Lage, welches auch stundenweise genutzt werden konnte – ein weiteres Beispiel für den Wirtschaftsboom in der Region!

 

Batumi

Batumi

 

Eines unserer Tagesziele, der "weinende Berg" Mtirala, im Nordosten von Batumi gelegen, ist für die enormen Mengen an Niederschlägen – mehr als 4000 mm im Jahresdurchschnitt - die hier fallen bekannt. Wir blieben zwar bis auf einige Schauer vom Regen verschont, konnten aber die richtige Zufahrt nicht finden, da Bertl, - der den Berg schon zwei mal bestiegen hatte – der irrigen Auffassung war, es gäbe sowieso nur eine Einzige! Immer wieder versuchten wir am dicht besiedelten Fuß des Berges, die passende Abzweigung zu erwischen, wurden von den Einheimischen in die unterschiedlichsten Richtungen gewiesen und zum Schnapstrinken eingeladen, aber schließlich gab unser alter Ford Transit den Geist auf.


Wir beschlossen daher ein Tal, das vom Berg herabführte, aber leider gerodet und mit Farndickicht und Hochstaudenfluren dicht bewachsen war, zu erkunden.
Unser erster Fund war eine zum Bersten vollgefressene Ringelnatter, die offenbar zuvor eine Erdkröte  (Bufo verrucosissimus) verspeist hatte. In tiefer gelegenen Bachabschnitten dominierten noch die Seefrösche, die in Adschara meist deutlich kleiner sind als ihre Verwandten z.B. im Raum Tiflis. Möglicherweise handelt es sich hier schon um Vertreter des Kleinasiatischen Seefroschs (Pelophylax bedriagae), oder um Mischpopulationen. Weiter oben, bei abnehmender Wasserführung nahm die Anzahl der Kleinasiatischen Braunfrösche (Rana macrocnemis macrocnemis) gegenüber den Seefröschen zu. Diese Braunfroschart ähnelt in ihrer typischen Form sehr unserem Springfrosch, es kommen aber auch einzelne Tiere mit Dorsalstreifung vor. Im Frühling ist die Bauchseite der Tiere meist mehr oder weniger rötlich gefärbt.


In Bachnähe fanden wir einige Artwiner Eidechsen der lokalen Unterart (Darevskia derjugini barani) und an den Felsen die hier vorkommende Unterart der Kielschwanz-Eidechse (Darevskia rudis bischoffi), der größten Vertreterin dieser Art bzw. der ganzen Gattung. Die Männchen dieser prächtigen Eidechse, die sich durch ihre stark gekielten Schuppen auszeichnet, haben zur Paarungszeit eine intensiv gelbgrüne Rückenfärbung, blaue Flankenflecken und dottergelbe Bauchseiten.


Eine ganz junge Schlingnatter (Coronella austriaca), die sich eben in einem vermoderten Baumstumpf verstecken wollte, konnte Bertl im letzten Augenblick noch herausziehen. Merkwürdigerweise blieb es der einzige Nachweis dieser Art während der gesamten Reise.
Unter den Rhododendronbüschen die zwischen den Farnen wuchsen und hier meist der in Adschara häufigen, altrosa oder lila blühenden Art (Rhododendron ponticum) angehörten, befanden sich auch einige wenige der hier endemisch vorkommenden Art (Rhododendron ungernii), mit dicht behaarten Blatt-Unterseiten, die aber noch nicht geblüht haben.

 

WohinMtirala - links oder rechts?

Da wir den Gipfel des Mtirala nicht erreichen konnten - der überdies, trotz der inzwischen angestiegenen Temperaturen, noch immer verschneit lag – hatten wir auch keine Gelegenheit, die – am Mtirala endemische – Form des Kaukasussalamanders (Mertensiella caucasica djanaschvilii) zu sehen. Bei einem Besuch des von Buchenwald bedeckten Gipfelbereiches, anlässlich einer botanischen Exkursion im September 1997, konnte Bertl zahlreiche dieser Tiere bei regnerischem Wetter beobachten. Alle waren einfärbig grau bis bräunlichgrau und ungefleckt.
Clarks Eidechse, die an den Westflanken des Berges in tieferen Lagen ihre nördlichste Verbreitung erreicht sind wir diesmal hier ebenfalls nicht begegnet.

 

Ein weiterer Ausflug, den wir von Batumi aus unternahmen, führte uns ins Hinterland Adscharas. Wir folgten zuerst dem Lauf des Tschorochi, der – von der Türkei kommend – mit seinem Unterlauf georgisches Staatsgebiet erreicht um schließlich im Schwarzen Meer zu münden. Die gebirgige Landschaft hier ist das ganze Jahr hindurch in üppiges Grün getaucht. Die artenreichen Wälder aus Buchen (Fagus sylvatica orientalis), Esskastanien (Castanea sativa), Weißbuchen (Carpinus betulus), verschiedenen Eichen (Quercus iberica, Quercus hartwissiana), Erlen (Alnus barbata), Ulmen (Ulmus glabra), Linden (Tilia begoniifolia), Walnuss (Juglans regia), in höheren Lagen auch Orienttanne (Abies nordmanniana) und Orientalische Fichte (Picea orientalis).


Ähnlich wie in tropischen Regenwäldern gibt es hier ein zweites Stockwerk aus weniger hoch wachsenden Bäumen, meist immergrüne Arten:
Pontische Alpenrose (Rhododendron ponticum), Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), Stechpalme (Ilex aquifolium), Buchsbaum (Buxus sempervirens), die hier Höhen von mehr als 15 Metern erreichen. Lianenarten (Smilax excelsa, Periploca graeca) und die prachtvolle Pfeifenblume (Aristolochia pontica) sind auf tiefere Lagen beschränkt, Klettersträucher, wie der Kolchische Efeu (Hedera colchica) wuchern überall.
Vor allem in höher gelegenen Gebieten kommen in der Strauchschicht noch u.A. Gelbe Alpenrose (Rhododendron luteum) und Kolchische Heidelbeere (Vaccinium arctostaphylos) hinzu. Die Bäume sind dicht mit epiphytischen Moosen und Farnen bewachsen. Die beiden anderen Rhododendron-Arten des Gebiets (Rhododendron smirnowii & Rh.caucasicum sind auf die alpinen Lagen beschränkt, daher haben wir sie nicht gesehen.


Wir folgten nun dem wichtigsten Seitental des Tschorchi, dem des Adschariszkali in östlicher Richtung ein Stück weit. Hier fanden wir zunächst - neben den obligaten Seefröschen - einige Laubfrösche von etwas kräftigerem Körperbau, als diejenigen, die wir am Surami-Pass und im Kolchischen Flachland gesehen hatten beim Laichen. Die Tiere hier hatten eine markantere Seitenzeichnung als jene, aber ebenfalls reduzierte, bzw. fehlende Hüftschlingen. Die im Amplexus verharrenden Männchen waren – wie die Kolchischen - sehr dunkel, beinahe schwarz gefärbt. An den Felsen saßen unzählige Kielschwanz-Eidechsen (ssp. boehmei) und ebenso viele Adscharische Rotbaucheidechsen (Darevskia parvula adjarica), die hier allerdings – im Gegensatz zu den Populationen an der Küste weniger stark rot gefärbte Bauchseiten hatten. Mehrere Blindschleichen (Anguis fragilis colchica), Kaukasische Braunfrösche und ein dunkel gefärbtes Männchen der Ringelnatter vervollständigten das Ergebnis des Ausflugs.
 


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An dieser Stelle scheinen uns nun einige Bemerkungen zu den Ringelnattern Georgiens angebracht. Gemeinhin gelten die Ringelnattern der Kaukasus-Region, sowie – nördlich davon – diejenigen östlich des Dnjepr bis zum Baikalsee vorkommenden, der "Unterart" Natrix natrix scutata - die sich von der Nominatform lediglich durch mehr orange bis mennigrote Färbung der Flecken am Hinterkopf unterscheiden soll - zugehörig. Manchmal wird für den Kaukasus auch Natrix natrix persa angegeben.

Tatsächlich finden sich aber in diesem riesigen Gebiet höchst unterschiedliche Färbungsvarianten. Es gibt - neben solchen, die man wohl kaum von mitteleuropäischen Exemplaren unterscheiden kann – häufiger als bei uns voll- bzw. teilmelanistische Tiere und mehr oder weniger deutlich längsgestreifte Individuen. Die Flecken an den Kopfseiten können milchweiß, gelblich, gelb, orange, mennig- oder lachsrot sein und nicht, teilweise oder gänzlich von dunklen Pigmenten überlagert werden. Zudem findet sich eine ähnliche Variabilität der Färbung keineswegs nur im östlichen Verbreitungsgebiet der Art, sondern schon im östlichen Mittel- und Osteuropa.


Die Ringelnattern Ostgeorgiens haben dagegen fast immer zwei deutliche helle Rückenstreifen und klare – oft orange oder rötlich getönte Flecken an den Kopfseiten. Größere, dunkle Barrenflecken scheinen bei den Ringelnattern Georgiens nicht vorzukommen. Die Validität von Natrix natrix scutata erscheint uns somit fragwürdig!
Eine Form, die – von ORLOV & TUNIEV 1987 als eigenständige Art beschriebene - Großkopfringelnatter (Natrix megalocephala) existiert aber tatsächlich hier!

 

Natrix natrix

Ringelnatter aus Kobuleti mit typischer "scutata"-Färbung


Diese Tiere unterscheiden sich von anderen Ringelnattern durch den kürzeren Körper, den – auch bei halbwüchsigen Männchen – deutlich breiteren Kopf und den größeren Deckungsbereich der Frontal- & Parietalschilder. Die Form ist anscheinend immer melanistisch und wurde bisher nur in den tieferen Berglagen des westlichen und zentralen Großen – bzw. des westlichen Kleinen Kaukasus gefunden, immer im Bereich immerfeuchter Wälder. In all diesen Regionen kommen auch normale Ringelnattern mit schlanken Köpfen vor, zu denen auch das bekannte schwarze Exemplar aus Hopa / Türkei gehört, das JANDZIK in seinem Artikel in "Zoology of the Middle East 2005" untersucht hat. Wir teilen seine Vermutung, dass es sich bei "Natrix megalocephala" wohl nicht um eine eigenständige Art handeln dürfte. Wir sind solchen Tieren zwar diesmal nicht begegnet, aber Fotos die Bertl - der mehrmals in den Reliktwäldern gearbeitet hat - dort machen konnte, belegen die Existenz dieser hier endemischen Form. Möglicherweise kam es während des Pleistozäns, als das Kaspische- & Schwarze Meer nördlich des Großen Kaukasus miteinander in Verbindung standen und die Kolchische Ebene, sowie große Teile Ostgeorgiens überflutet waren, zur Entwicklung einer eigenen Subspezies in der Kaukasus-Region, die heute, durch Zuwanderung anderer Formen aus den umliegenden Gebieten wieder verschwindet. Von besonderem Interesse wären Informationen darüber, ob die megalocephala-Form in den Hyrkanischen Wäldern am Südufer des Kaspischen Meeres vorkommt, da Diese mit jenen der Kolchis etliche Gemeinsamkeiten haben.

 

Nun aber zu unserem nächsten Exkursions-Ziel, dem Tal des Tscharnali, eines kleineren südlichen Zuflusses des Tschorochi, der in Küstennähe auf diesen trifft. Die Vegetation in diesem idyllisch gelegenen Tal gleicht weitgehend jener der Tieflagen des Adschariszkali-Tals.
In allen Tälern Adschara´s sind die ersten Vertreter der dortigen Herpetofauna die man antrifft, die in unbeschreiblichen Mengen vorkommenden Seefrösche.
Weiters fanden wir auch am Tschorochi einige Laubfrösche, die hier wieder etwas kräftiger gebaut waren und zum Teil breitere, zum Teil sehr schmale Hüftschlingen hatten. In seitlichen Auskolkungen des Flusses fanden wir Kolchische Erdkröten (Bufo verrucosissimus) beim Ablaichen. Ob der Artstatus, der diesen Tieren zuerkannt wurde, zu Recht besteht ist noch Gegenstand kontroverseller Debatten. Die Weibchen dieser Erdkröte haben – im Gegensatz zu anderen Formen – sehr dicht stehende, zugespitzte Warzen. Auffällig ist auch die späte Laichzeit, die in den tieferen Lagen der Waldgebiete Adscharas mit seinem warmen Klima im Mai ihren Höhepunkt hat.


In Wasserlachen am Weg fanden sich einige Weibchen des Bandmolches, die aber hier wesentlich kleiner waren, als die Tiere am Surami-Pass. Schlammtaucher (Pelodytes caucasicus) suchten wir vergeblich, nur vorjährige Larven waren in einigen wassergefüllten Gräben zu sehen.


An Eidechsen waren hier folgende Arten vertreten:
Die Feuchtigkeit liebende Artviner Eidechse (Darevskia derjugini barani), an Felsen die Kielschwanz-Eidechse (Darevskia rudis bischoffi), sowie die nur in den warmen, immerfeuchten Gebieten des Südwestens vorkommende Clarks Eidechse (Darevskia clarkorum). Diese recht scheue Art wurde hier von DAREVSKI unter dem Synonym Lacerta dryada beschrieben. Die Männchen werden während der Paarungszeit am Rücken leuchtend grün, waren aber zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch nicht ausgefärbt. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es uns am Ende doch, ein Paar für unsere Fotodokumentation zu erwischen.
Rotbaucheidechsen scheinen in diesem extrem feuchten Tal-Abschnitt nicht vorzukommen. Am Bachufer fanden wir einige Süßwasserkrabben (Potamon sp.) und kleine, braun gefärbte Skorpione (Euscorpius sp.)

 

Ein absolutes Highlight der Reise war Bertls Fang eines Pärchens Kaukasusottern (Vipera kaznakovi). In der Nähe eines Ziegenstalls wollten wir nach der pantomimischen Unterhaltung mit dem Hirten weiter talaufwärts ziehen. Christoph hatte seine Kamera auf einen Seefrosch gerichtet, als Bertl plötzlich mit den Worten: "Nehmen wir lieber die da!" - ein gelb gestreiftes Weibchen nur 1 m daneben aus dem Farndickicht zog.

 

Vipera kaznakovi

Vipera kaznakovi, die Kaukasusottern waren sicher eines unserer
herpetologischen Highlights

 

Auf Wunsch des immer noch anwesenden Hirten, der klar zu erkennen gab, dass er mit der Anwesenheit der Schlange in der Nähe des Stalls ganz und gar nicht einverstanden war, steckten wir sie in einen Beutel, um sie in gehöriger Entfernung zu fotografieren und anschließend wieder frei zu lassen. Etwas weiter talaufwärts machte Bertl die Bemerkung, dass es gut wäre auch ein Männchen zu fangen. Er verschwand im Gebüsch und kam - keine zwei Minuten später – mit einem wunderschön blutrot gezeichnetem Tier, tatsächlich einem Männchen wieder zum Vorschein! In der üppigen Vegetation sind die bunten Tiere, die bei Annäherung sofort in einem der zahlreichen Löcher der Kolchischen Schneemaus (Chionomys roberti) verschwinden leicht zu übersehen. Trotzdem ist ihr Bestand in einigen Gegenden durch fortwährendes Absammeln zurückgegangen. Ein noch größeres Problem ist aber wahrscheinlich der Verlust an Lebensraum durch das Abholzen der Wälder. Es bleibt sehr zu hoffen, dass die Bemühungen zum Schutz möglichst vieler Waldflächen, bzw. deren schonende Nutzung erfolgreich verlaufen!
 


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Bei der Rückfahrt nach Batumi hielten wir am Unterlauf des Tschorochi, nur wenige Kilometer vor der Mündung an einigen größeren Teichen und fanden etliche Würfelnattern (Natrix tessellata) bei Paarungsaktivitäten.

Am Abend machten wir einen Abstecher an die Küste nach Sarpi, dem Grenzübergang zur Türkei. Obwohl es schon recht spät geworden war, wimmelte es an den Felsen der Straßenböschung von Rotbaucheidechsen (Darevskia parvula adjarica), die hier ihrem deutschen Namen alle Ehre machten!

 

Grenze Tuerkei

Blick über die türkische Grenze bei Sarpi

 

Mitten unter Ihnen fanden sich auch etliche besonders prachtvolle Kielschwanz-Eidechsen (Darevskia rudis bischoffi), die sich um ihre kleineren Kollegen überhaupt nicht zu kümmern schienen!

Ein Ausflug nach Kobuleti, nördlich von Batumi, an der dort bereits flachen Küste gelegen, brachte uns problemlos die gewünschten Kolchischen Zauneidechsen (Lacerta agilis grusinica) ein, die als adulte Tiere fast immer komplett grün gefärbt sind. Von allen Zauneidechsen haben diese auch die schlanksten Köpfe. Syntop mit den Eidechsen fanden wir auch etliche verschieden gefärbte Ringelnattern und eine Blindschleiche.


Die Teiche hinter den Küstendünen waren voller Wasserfrösche (Pelophylax sp.). Die meisten Wasserfrösche der Kolchischen Ebene ähneln in Köpergröße, Größe des Fersenhöckers, Variabilität der Färbung und Gesamthabitus eher unserem esculenta–Typ, als den östlichen Seefröschen (Pelophylax ridibundus) – der einzigen, aus Georgien bisher bekannten Art der Gattung. Könnte es sich vielleicht um Hybridfrösche handeln?

Bei einem zweiten Stopp an einer Ruine am Straßenrand fanden wir wieder zahlreiche Rotbauch- und Kielschwanz-Eidechsen. Gleich daneben, an einem kleinen Gewässer saßen in den Büschen am Ufer eine ganze Menge an Laubfröschen, die hier wieder klein und zart waren und denen die Hüftschlingen komplett fehlten. Nun erst fiel uns auf, dass die Tiere auch ganz anders quakten als gewöhnliche Laubfrösche und wir machten Tonaufnahmen der Stimmen! Aus dem Gewässer kescherten wir auch ein paar sehr schöne Bandmolche.


Adschara ist uns trotz des in die Hosen gegangenen Versuchs, den Mtirala zu besteigen und des Verlusts einer Brille, die Franz beim Baden im Schwarzen Meer abzunehmen vergaß, in bester Erinnerung geblieben!

 


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Im Kleinen Kaukasus  

Map Georgia 4Bordschomi im Kleinen Kaukasus

Auf der Rückfahrt gen Osten zum nächsten Stützpunkt für Erkundungen der zentral gelegenen Landesteile, Bordschomi im Kleinen Kaukasus, hielten wir noch einmal an der Küste beim Terminal von Supsa, wo die – von Aserbeidschan kommende – Pipeline endet. Nino hatte uns erzählt, dass während ihrer Tätigkeit für BP – dem Bauherrn der Pipeline - beim Ausheben von Gräben hunderte großer Molche aus dem Torfboden zutage gefördert wurden. Nach schier endlosen Verhandlungen mit den dort zur Sicherung der Anlage stationierten Soldaten siegte die georgische Gastfreundschaft und uns wurde, unter der Auflage keine Fotos des Geländes machen zu dürfen, unter Aufsicht der Bewacher gestattet, uns dort umzusehen.


Neben einigen Zauneidechsen, Ringelnattern und großen Mengen an Wasserfröschen, dauerte es eine Weile, bis wir einen Molch zu Gesicht bekamen, weil der mit schlammigem Wasser gefüllte Graben zu tief war, um mit dem Kescher etwas ausrichten zu können. Immerhin konnten wir das einzige, nun endlich auftauchende Tier eindeutig identifizieren: Es war ein Kammmolch!

 

Kutaisi (178000 Ew.) – das antike Aia, Zentrum des Reiches der Kolcher, Heimat der Medea in der Argonauten-Sage, ist heute die zweitgrößte Stadt Georgiens und liegt inmitten der Kolchischen Ebene am Fluss Rioni. Anscheinend hat es einen starken Bezug zu Österreich: Der Tuxer Schibus fährt hier ebenso im Linienverkehr wie der ausgemusterte Stadtbus von Ybbs an der Donau! Am Markt besorgten wir uns Räucherkäse, dann machten wir uns auf den Weg nach Bordschomi im Kleinen Kaukasus. Durch den Ort fließt die Kura, deren Bett gerade die äußerste Grenze des Fassungsvermögens erreicht hatte und an mehreren Stellen über die Ufer zu treten drohte. Wir nahmen Quartier in einem wirklich sehr guten Hotel mit ausgezeichnetem Frühstück. Zum Abendessen gab es ohrenbetäubende georgische Livemusik, eine harte Bewährungsprobe für die Schussfestigkeit von Franz.

 

Bordschomi

Stadtzentrum von Bordschomi, ein Kurort im Kleinen Kaukasus

 

Der ehemalige Kurort Bordschomi hat schon bessere Zeiten gesehen. Viele wunderschöne Gebäude verfallen, einfach weil das Geld für die Sanierung fehlt, nur sehr langsam erholt sich das Geschäft mit dem Tourismus. Der Grund hierfür ist aber sicher nicht das weltbekannte Heilwasser, das unserer Meinung nach so schmeckt, wie Blähungen riechen!


Ein Hoffnungsschimmer für die örtliche Wirtschaft ist der Pipelinebau, der – unter hohen Auflagen für den Umweltschutz – zum Teil durch Schutzzonen der sensiblen Bergwälder vorangetrieben wird. Ein Angestellter der Baufirma hat uns beim Frühstück einige Details über den von BP durchgeführten Bau erzählt.

 

Unser erster Ausflug führte uns von hier aus nach Banis-Chewi, einem Tal im Nationalpark östlich von Bordschomi. Da die Strasse hier durch den Bach, der aus den Ufern getreten war, für unseren Ford unpassierbar wurde, stiegen wir aus und gingen zu Fuß weiter. Nach etwa halbstündiger Wanderung talaufwärts wurden wir von einem Nationalparkwächter zurückgepfiffen, da wir keine schriftliche Erlaubnis zum Betreten des Parks vorweisen konnten. Mit ihm gemeinsam fuhren wir daher zurück nach Bordschomi zur Nationalparkverwaltung, nur um dort zu erfahren, dass wir gar keine Erlaubnis benötigten! Der übereifrige Aufseher, dem die Sache nun doch sehr peinlich war, begleitete uns nun – unter vielen Entschuldigungsbeteuerungen zurück zum Ausgangsort – und wir konnten mit einiger Verspätung den Weg wieder aufnehmen.

 

Banis-Chewi
Eingang ins Banis-Chewi Tal und gleichzeitig Endstation für unseren Ford Transit

 

Das Tal ist im unteren Abschnitt von einem artenreichen Mischwald aus Orientbuchen (Fagus sylvatica orientalis), Weißbuchen (Carpinus betulus), Traubeneichen (Quercus iberica), Orientfichten (Picea orientalis), Tannen (Abies nordmanniana), Esskastanien (Castanea sativa), Linden (Tilia begoniifolia), Erlen (Alnus barbata), Bergulmen (Ulmus glabra), Wildbirnen (Pyrus pyraster) und verschiedenen Ahornarten (Acer cappadocicum, A.platanoides, A.pseudoplatanus) bedeckt.

In der Strauchschicht finden sich u.a.:
Haselnuss (Corylus avellana), Pfaffenkäppchen (Euonymus latifolia, E.europaea), Schneeball (Viburnum opulus), Kreuzdorn (Rhamnus imeretina), der Endemit Philadelphus caucasicus, Holunder (Sambucus nigra, S.ebulus).

An immergrünen Sträuchern gibt es:
Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), Pontische Alpenrose (Rhododendron ponticum), Seidelbast (Daphne pontica), Stechpalme (Ilex aquifolium), Efeu (Hedera colchica) und Mäusedorn (Ruscus hypohyllum).


In den oberen Talabschnitten, die wir nicht mehr erreichen konnten, gewinnen Buche und Orientfichte die Dominanz über alle anderen Arten. Hier konnte Bertl während seiner Studien der westgeorgischen Wälder, die bei Regenwetter massenhaft umherlaufenden Kaukasussalamander (Mertensiella caucasica caucasica) beobachten, die hier schwarz und gelb gefleckt sind.


Zum Erstaunen jener Exkursionsteilnehmer, die zum ersten mal hier waren, fanden wir – neben Seefröschen (Pelophylax ridibundus) auch etliche Wechselkröten (Bufo viridis) in diesem feuchten, bewaldeten Gebirgstal. Die hier ebenfalls vorkommenden Erdkröten haben wir dagegen diesmal nicht angetroffen. Die Wechselkröten nutzten hier, gemeinsam mit Kaukasischen Braunfröschen Überschwemmungsbereiche des Gebirgsbaches und Fahrspurrinnen am Weg zum Ablaichen.


Die Blindschleichen des Gebiets erreichen hier überdurchschnittliche Körpergrößen und die Männchen zeigen die typischen blauen Rückenflecke der Unterart Anguis fragilis colchicus. In unmittelbarer Nähe des Baches konnten wir die Nominatform der Artviner Eidechse (Darevskia derjugini derjugini) und die Bastardeidechse (Darevskia mixta) sehen. Anders als es der Name dieser Art nahe legt, handelt es sich aber bei ihr keineswegs um eine Hybridform, sondern um eine Verwandte der in Adschara vorkommenden Clark'sche Eidechse.


Beiden Arten gemeinsam ist neben ihrer Vorliebe für feuchte Habitate die leuchtend grüne Rückenfärbung der Männchen während der Paarungszeit. Völlig unerwartet fanden wir hier unter ihnen auch ein Männchen der Wieseneidechse (Darevskia praticola). In senkrecht aufragenden Felsen sahen wir Rotbauch - und Kielschwanzeidechsen (Darvskia parvula adjarica und D.rudis obscura).

 

Der nächste Besuch galt einem Kura-aufwärts, einige Kilometer westlich von Bordschomi gelegenen und ebenfalls zum Nationalpark gehörenden, Tal namens Kwabis-Chewi. Im Tal selbst, das nur durch eine enge Felspforte mit dem Tal der Kura verbunden ist, herrscht ein etwas trockeneres Klima als in Banis-Chewi, was sich in der Zusammensetzung des Waldes, der hier in der Hauptsache aus Buche, Weißbuche, Traubeneiche und Orientfichte, aber auch Kaukasischer Rotföhre (Pinus kochiana) besteht.

 

Chwabis-Chewi

Kwabis-Chewi Tal


Hier kommt am Bachufer wiederum Darevskia derjugini derjugini vor. An den Felsen finden sich zahlreiche Darevskia rudis obscura, während Darevskia mixta hier anscheinend fehlt. Ein sehr interessierter Nationalparkaufseher, der uns begleitete, versicherte uns auch des Vorkommens von Sandvipern (Vipera ammodytes) transcaucasiana), die wir aber aufgrund der Kürze unseres Besuchs leider nicht zu Gesicht bekamen, geeignete Stellen waren zwar vorhanden, lagen aber schon im tiefen Schatten.


An den südseitig gelegenen Talbereichen ausserhalb der Felspforte und in dem angrenzenden Abschnitt des Kuratals, bot sich ein völlig anderes Bild als im Talinneren. Hier herrschte ein ausgeprägt trockenes Klima, die Felsen waren nur schütter mit niedrigwachsenden Orient-Weißbuchen (Carpinus orientalis), Ginsterbüschen (Cytisus caucasicus) und Tragant (Astragalus caucasicus) bedeckt und auch die Fauna des Gebietes änderte sich schlagartig!


Zwischen den Büschen leben Östliche Riesensmaragdeidechsen und an den Felsen laufen Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) umher. Die Kielschwanz-Eidechsen hier gehören der Unterart Darevskia rudis macromaculata an, die sich von der im Talinneren verbreiteten Darevskia rudis obscura durch eine stark kontrastreich gezeichnete Oberseite und weiße Bauchfärbung (gelb bei ssp.obscura) unterscheidet.


Hier gelang uns auch der Erstnachweis eines Vorkommens der Nominatform der Rotbaucheidechse (Darevskia parvula parvula) auf georgischem Territorium! Diese Form hat eine wesentlich feinere Beschuppung im Schläfenbereich als die in Georgien weiter verbreitete ssp. adjarica, eine reticulate Rückenzeichnung und weiße Unterseite. Das Vorkommen klar unterschiedlicher Unterarten in unmittelbarer Nähe (nur wenige Meter!) zueinander hat uns jedenfalls sehr überrascht.

 


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Wardsia  

Map Georgia 7 Ausflug zur Höhlenstadt in Wardsia

Der Besuch dieser am obersten Abschnitt der Kura, nahe der türkischen Grenze gelegenen mittelalterlichen Höhlenstadt ist ein absolutes Muss für jeden Besucher Georgiens! Wenn man entlang der Kura von Bordschomi flussaufwärts fährt, wird das Tal trotz zunehmender Seehöhe immer trockener. Die Wälder weichen zurück und werden von "Gebirgssteppen" ersetzt, die auch weite Teile des armenischen Hochlandes und Ostanatoliens bedecken.

Diese Vegetationsform, die durch Beweidung und durch Winterkälte und sommerliche Trockenheit stark herabgesetzte Wuchsleistung von Gehölzen entstanden ist, findet sich in Gebieten, die ursprünglich mit offenen Eichenwäldern (Quercus iberica und Quercus macranthera) bewachsen waren.

 

In früherer Zeit war diese heute fast menschenleere Region recht dicht besiedelt. Neben der Weidewirtschaft wurden in den Tälern auch Obstbau und Seidenraupenzucht betrieben. Die ursprünglich die grenznahen Gebiete der Gegend bewohnenden Mescheten, eine georgische Bevölkerungsgruppe, die zum Islam konvertiert war, wurden unter der Herrschaft Stalins allesamt nach Mittelasien deportiert. Seither stellen Armenier die Bevölkerungsmehrheit.

 

Georgien 12052007 Time 152534 Chr Beeindruckende Landschaften auf der 3 stündigen Fahrt
durch das Kura-Tal nach Wardsia

 

In den trockenen Gebieten, die wir nun durchquerten, sahen wir zunächst nur wenige Amphibien und Reptilien: Wechselkröten, am Flussufer auch Seefrösche und an den Hängen einige Riesensmaragdeidechsen. Die hier ebenfalls vorkommende Steppennatter (Elaphe dione) suchten wir leider vergeblich, möglicherweise wirkte sich die Hitze (es war um die Mittagszeit) negativ aus?


Je höher man dem Lauf der Kura nun folgt, um so enger wird das Tal. An der Stelle, wo der – aus der Dschawacheti-Hochebene kommende Fluss Parawani in die Kura mündet erhebt sich die sehr eindrucksvolle Burganlage Chertwisi. Für Mitteleuropäer wirkt allerdings die neue Kirche, die mitten auf dem historischen Monument errichtet wurde, etwas irritierend. Das Verständnis für Denkmalpflege ist doch ein anderes als bei uns!

 

Am Fluss unterhalb der Burg fand Bertl eine Würfelnatter – es war der höchstgelegene gesicherte Nachweis dieser Art der uns in Georgien bekannt geworden ist (1126m Seehöhe)! Etwas weiter flussaufwärts bemerkten wir an den Felsen der Schlucht umherlaufende Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) und etliche kleine Eidechsen, die sich – wie wir schon vermutet hatten – als Darevskia nairensis erwiesen. Diese attraktive Art erreicht hier ihre nördlichste Verbreitungsgrenze. Ihre bräunlichgrauen Rückenschuppen zeigen einen fettigen Glanz, die Bauchseite ist gelblich gefärbt. Die Männchen haben eine bunte Flankenfärbung.


Die Kaukasusagamen, die anscheinend eben erst die Winterquartiere verlassen hatten ließen sich relativ leicht aus nächster Nähe fotografieren. Sie übertreffen den Hardun noch an Körpergröße, sind aber weniger bunt gefärbt als manche Exemplare jener Art.

 

Wardsia Klein
Die Höhlenstadt Wardsia bestand ursprünglich aus 3000 Wohneinheiten

 

Etwa 10 km oberhalb unseres Stopps liegt endlich Wardsia, die besterhaltene einer ganzen Reihe von in den Fels gehauenen Höhlensiedlungen in diesem Flussabschnitt. Die Anlage wurde als Festung gegen die Türken im 12. Jhdt. unter König Giorgi III erbaut und in späteren Zeiten als Kloster benutzt. Während unseres Besuchs wurde in der Höhlenkirche gerade eine Taufe zelebriert und wir durften aus einem im Bergesinneren gelegenen heiligen Brunnen trinken. Die eindrucksvollen Deckenfresken der Anlage sind jedenfalls in einem weit besseren Zustand, als die Ruine des Hotels aus der Sowjet-Zeit am gegenüber liegenden Flussufer.
Wegen der schlechten Straßenverhältnisse braucht man für die Fahrt von Bordschomi nach Wardsia und zurück einen ganzen Tag. Wir fanden aber, dass sich der Ausflug ganz bestimmt gelohnt hat.


Am Rückweg hielten wir noch einmal an einem Gewässer weiter unterhalb in der Schlucht. Auch hier wimmelte es wieder von Seefröschen. In einem Schacht fanden wir neben etlichen Vertretern dieser Art auch einen Braunfrosch (Rana macrocnemis camerani). Diese Form der Gebirgssteppen im Süden Georgiens ist meist – aber nicht immer - am Rücken längsgestreift wie ein typischer Moorfrosch, dem kleinere Exemplare auch sehr ähneln. Adulte Tiere wirken dagegen ähnlich robust wie Grasfrösche. Die schlankere Form der Waldgebiete mit ihren langen Beinen und der spitzen Schnauze ähnelt dagegen unserem Springfrosch und trägt nur selten Rückenstreifen. Beide Formen haben zur Laichzeit kräftig rötlich gefärbte Bauchseiten.

 


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Der Wintersportort Bakuriani  

Map Georgia 8 Georgiens Wintersport-Hauptstadt Bakuriani

Bakuriani liegt auf 1700 m Seehöhe im Kleinen Kaukasus südwestlich des Kurorts Bordschomi. Der Tourismus, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stark gelitten hatte, beginnt sich langsam wieder zu erholen, wie einige Hotel-Neubauten bezeugen. Leider scheint sich der Ort keine Müllbeseitigung leisten zu wollen und so landen immer größere Mengen an Dreck in den umliegenden Wäldern – ein wahrhaft trauriger Anblick!


Während der Anfahrt blieben wir unterwegs mehrere male stehen um den Bus nicht zu überhitzen. An felsigen Straßenböschungen waren etliche Eidechsen zu sehen. Darevskia rudis obscura und Darevskia mixta kannten wir ja bereits von tiefer gelegenen Fundorten der Region. Hier oben war die dominante "Art" aber die meist in größeren Gruppen lebende Armenische Eidechse (Darevskia "armeniaca"). Diese interessanten Tiere, die sich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) fortpflanzen, sind Hybridklone, die aus Paarungen zwischen Darevskia valentini – einer, das Hochland bewohnenden Verwandten der Kielschwanz-Eidechse – und Darevskia mixta hervorgegangen sind. Alle sind Weibchen und legen unbefruchtete Eier, aus denen wieder nur weibliche Jungen schlüpfen. Wenn sie sich mit Männchen der Elternarten paaren (was bei gemeinsamem Vorkommen gelegentlich geschieht), kommt es hin und wieder auch zur Befruchtung der Eier, die Embryonen dieser Rückkreuzungen sind allerdings in den meisten Fällen nicht lebensfähig und sterben vor dem Schlupf ab, nur ganz ausnahmsweise schlüpfen sterile, triploide Jungtiere.


Darevskia "armeniaca" ist am Rücken bräunlich – olivfärbig mit schwarzen Punkten, die Bauchseite ist weißlich bis gelblich, die Körperseiten sind dunkler gefärbt und tragen interessanterweise oft leuchtend blaue Flecken. Die Jungtiere haben grüne Schwänze.

 

Bukuriani Bakuriani, auf 1.700 Meter, ist (war) DAS Wintersportzentrum in Georgien

 

In Bakuriani selbst lag noch teilweise Schnee, wahrscheinlich der Grund, warum es uns trotz unserer Bemühungen nicht gelang, in den Wäldern der Umgebung Pelodytes bzw. Mertensiella zu finden. Lediglich Kaukasische Braunfrösche (Rana macrocnemis macrocnemis) und Artwiner Eidechsen (Darevskia derjugini derjugini) waren zu sehen. Unter einem Baumstrunk fanden wir einen männlichen Bandmolch (Triturus (vittatus) ophryticus) noch in voller Winterstarre! Neben den Braunfröschen fanden wir in Tümpeln auch Laubfrösche und Teichmolche (Triturus vulgaris lantzi), die mit dem Laichgeschäft schon begonnen hatten.

 


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Zurück nach Tbilisi

Map Georgia 9 Rückfahrt über Gori (westl.) nach Tiflis (östl.)

Dem Lauf der Kura in östlicher Richtung folgend stoppten wir in Gori (46.000 Einwohner), der Geburtsstadt Stalins, der dort noch immer in hohem Ansehen steht, wie eine riesige Statue im Stadtzentrum bezeugt. Sein Geburtshaus wurde mit einer Art Tempel überbaut, daneben liegt ein ihm gewidmetes Museum und auch seinen Privatwaggon kann man in der gepflegten Parkanlage davor besichtigen.

 

Wenige Kilometer östlich der Stadt thront auf einem Felsen am linken Ufer der Kura die sehenswerte Höhlenstadt Uplisziche, deren älteste Teile schon in antiker Zeit in den weichen Fels geschlagen wurden. Die kahlen Felsen bieten einen reizvollen Kontrast zum Grün des umgebenden Kulturlandes und werden von zahlreichen Kaukasusagamen bewohnt. Unter Steinen fanden wir auch etliche Wechselkröten, während sich die – hier ebenfalls vorkommenden – Schnellen Wüstenrenner (Eremias velox caucasica) wegen des wieder kalt gewordenen Wetters nicht sehen ließen.

 

Uplisziche 3x wurde der Hahn ums Kloster getragen

Wie überall an ähnlich exponierten Plätzen in Georgien gab es auch hier eine Kapelle, die uns Zeugen eines weitverbreiteten Brauchs aus vorchristlicher Zeit werden ließ: Eine Frau umkreiste mit einem lebenden Hahn dreimal die Kapelle. Nach jeder Umrundung wurde das Christusbild geküsst, anschließend wird das Opfer geköpft und zu Hause verspeist.


Ein Ausflug in die Flussauen war wegen des Hochwassers nicht möglich. Nach dem Mittagessen, das diesmal aus Lobio (Bohnen) bestand und uns allen vortrefflich geschmeckt hat, fuhren wir weiter nach Mzcheta, der – am Zusammenfluss der Kura mit dem vom Großen Kaukasus kommenden Aragwi gelegenen - alten Hauptstadt Georgiens.


Das auf einem Berg hoch über der Stadt liegende Dschwari-Kloster aus dem 6. Jahrhundert wurde unser nächstes Exkursionsziel. Die Umgebung des Klosters ist mit Schibljak – dem kontinentalen Gegenstück zur mediterranen Macchia – bewachsen. Dieser Vegetationstyp verdankt seine Entstehung der Abholzung der ursprünglichen Wälder aus Traubeneiche und Orient-Weißbuche und anschließender Überweidung. Neben einzelnen Kümmerformen der beiden genannten Arten besteht die Vegetation hier in der Hauptsache aus Christusdorn (Paliurus spina-christi), Jasmin (Jasminum fruticans), Kreuzdorn (Rhamnus pallasii), Spierstrauch (Spiraea salicifolia), verschiedenen Wacholderarten (Juniperus foetidissima, J.polycarpus), Meerträubel (Ephedera procera) u.A. Zwischen den Sträuchern wuchsen violett blühende Königskerze (Verbascum phoeniceum) und Kleines Knabenkraut (Orchis morio).


Neben etlichen Wechselkröten fanden wir hier eine Unmenge an Maurischen Landschildkröten (Testudo graeca ibera) in allen Größen und Formen. In Ostgeorgien war diese Landschildkröte neben dem Scheltopusik das am häufigsten angetroffene Reptil, das hier wirklich noch in guten Beständen vorkommt.


Weiters fanden wir ein Jungtier der Roten Springnatter (Dolichophis schmidti) welches naturgemäß jungen D.caspius bzw. D.jugularis sehr ähnlich sah. Der rötliche Schimmer, der für diese Art charakteristisch ist, war aber auch bei unserem Exemplar schon zu bemerken. Im Osten des Landes fanden wir die Art noch öfter. Einige adulte Tiere zeigten eine imposante, feuerrote Färbung, andere waren weniger leuchtend gefärbt.

Unter Steinen fanden wir hier (und an weiteren trockenen Stellen in Ostgeorgien) auch Skorpione (Mesobuthus sp.) und Walzenspinnen (Galeodes sp.).

 


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Der Süden  

Map Georgia 10 Tagesausflüge in den Süden

Von Tbilisi aus, wo wir ab jetzt fix stationiert waren, unternahmen wir nun mehrere Tagesausflüge in den Süden und Osten des Landes. Den südlich der Hauptstadt gelegenen Kumisi-See besuchten wir gleich zweimal. Hier kommt die Europäische Schlangenaugen Eidechse (Ophisops elegens) vor, die wir aber beide Male nicht zu Gesicht bekamen. Stattdessen gelangen uns aber etliche andere interessante Funde in der Umgebung des Sees.


An einem beweideten kleinen Tal-Einschnitt, etwa 1km westlich des Sees, der mit lockerem Gestrüpp bedeckt war, fanden wir neben vielen Maurischen Landschildkröten und etlichen Scheltopusiks auch einige Wurmschlangen (Typhlops vermicularis), Schlanknattern (Platyceps najadum najadum), eine prächtige Rote Springnatter (Dolichophis schmidti), Kopfbinden-Zwergnattern (Eirenis modestus) in allen Größen, Riesensmaragdeidechsen (Lacerta media media), Kaukasusagamen und Wechselkröten. Als ursprünglicher Bewohner lichter Eichenwälder hat die Kopfbinden-Zwergnatter in Georgien ein größeres Verbreitungsgebiet in den östlichen Landesteilen, wo sie zum Beispiel auch im Schibljak und auf beweideten Flächen in und um Tbilisi häufig anzutreffen ist. Die Jungtiere haben eine grelle, kontrastreiche Kopfzeichnung aus gelben und schwarzen Querbinden, die im Alter so stark verblasst, dass man bei großen Exemplaren über 40cm Länge schon sehr genau hinsehen muss, um sie überhaupt noch zu erkennen!


Am Westufer des Sees, das schon ausgesprochenen Steppencharakter hat, waren wieder Maurische Landschildkröten, Scheltopusik und Wechselkröten zu sehen, aber bei den grünen Eidechsen hier handelte es sich um die Kaspische Smaragdeidechse (Lacerta strigata), die – im Gegensatz zur Riesensmaragdeidechse – am Schwanz und den Hinterbeinen stets braun gefärbt ist. Die typischen Dorsalstreifen bleiben bei den Weibchen meist auch im Erwachsenenalter erhalten. Diese Art kommt meist in Gewässernähe vor und ist in Georgien auf den trockenen Ostteil des Landes beschränkt.


Wir fanden hier auch weitere charakteristische Bewohner der Trockenzonen, wie die Sandboa (Eryx jaculus familiaris), die hier recht häufig vorkommt, die Katzennatter (Telescopus fallax iberus) und die kleinere Verwandte der Kopfbinden-Zwergnatter, die Halsband-Zwergnatter (Eirenis collaris), deren Vorkommen an die echten Steppen des Südostens gebunden ist.

 

Murtasi Schelto Merke: gefährliche "Schlangen" nur mit ausreichendem Schutz hantieren!

Hier konnten wir nun endlich unseren Fahrer Murtasi dazu überreden, für ein Erinnerungsfoto mit einer "Schlange" (Scheltopusik) zu posieren. Nachdem die Schweißer-Handschuhe angelegt waren und wir ihm mehrmals versichert hatten, dass das Tier nicht etwa giftig wäre – sein Vertrauen in uns war inzwischen schon recht gut entwickelt – konnten wir die, uns unvergesslich bleibende, Aufnahme machen!

 

Wir fuhren nun zunächst weiter in südlicher Richtung nach Marneuli und wandten uns dann nach Westen, wo wir nahe Bolnisi erneut stoppten. Das Gebiet hier war wieder  Weideland mit schütterem Strauchbewuchs, der Boden war hier aber mit großen Felstrümmern übersäht. Wieder fanden wir Maurische Landschildkröten, Scheltopusiks und einige wenige Riesensmaragdeidechsen. Unsere Suche nach Schlangen blieb merkwürdigerweise ohne Erfolg, aber plötzlich bemerkten wir, dass zwischen den Felsen auch große Skinke saßen, die allerdings bei Annäherung sofort in tiefen Spalten verschwanden, so dass es uns kaum möglich war, einen Blick auf die Tiere zu erhaschen. Leider hatten die Biester nach der Störung überhaupt keine Lust dazu, wieder zum Vorschein zu kommen. Sie hatten den typischen Glanz und waren dunkel gefärbt. Wir vermuten, dass sie nach der Winterruhe noch nicht gehäutet hatten. Die einzige großwüchsige Skinkart, die bisher aus Georgien bekannt geworden ist, wäre der Berberskink (Eumeces (schneideri) princeps). Wir hatten aber eher den Eindruck, dass es sich bei unseren Tieren um Mabuyen (Trachylepis septemtaeniata) gehandelt haben könnte, wie sie im angrenzenden Armenien & Aserbaidschan vorkommen!

 

Wir folgten dem Lauf des Maschawera flussaufwärts in südwestlicher Richtung. Im Gegensatz zu den Flussauen mit ihren fruchtbaren Schwarzerdeböden, die hier von Aseri bewirtschaftet werden, wirkten die Weideflächen sehr karg. Die stark erodierten, felsigen Böden waren nur mit wenigen Gehölzen bewachsen, zwischen denen wir die prächtige Schwertlilie (Iris iberica) entdecken konnten, die leider jetzt wieder – trotz ihres Status als streng geschützte Art – auf den Märkten der Hauptstadt angeboten wird. Hier konnte Christoph einige Schnappschüsse aus der reichen Vogelwelt des Gebiets einfangen, wie z.B.: Schwarzstirnwürger (Lanius minor), Kappenammer (Emberiza melanocephala), Schmutzgeier (Neophron percnopterus) und Jungfernkranich (Anthropoides virgo).

 

Sueden

Blick über die Hügellandschaft im Maschawera Tal


Abschließend besuchten wir die im 5.Jhdt. erbaute Sioni-Kirche wo es die ältesten erhaltenen georgischen Inschriften zu bewundern gibt. Kulturbanausen wie unser Thomas widmeten sich aber lieber der Foto-Dokumentation der dort vorkommenden Kaspischen Smaragdeidechsen!

 

Bei einer zweiten Fahrt in südlicher Richtung versuchten wir zunächst unser Glück an der Roten Brücke, dem – direkt südlich Tbilisi gelegenen - Grenzübergang nach Armenien, wo wir aber nur einige Kaspische Smaragdeidechsen finden konnten. Wir wendeten daher und fanden einen besser geeigneten Platz nördlich Schulaweri, an einem kleinen Zufluß zum Maschawera.
Hier fanden wir große Mengen von Seefröschen, etliche Wechselkröten, Kaspische Smaragdeidechsen, eine hübsch gezeichnete Ringelnatter, eine kleine Kaspische Bachschildkröte (Mauremys caspica caspica), eine Schlanknatter (Platyceps najadum najadum), eine Rote Springnatter (Dolichophis schmidti) und einige Wurmschlangen (Typhlops vermicularis). An den vegetationsfreien sandigen Steilufern fanden wir unsere ersten Schnellen Wüstenrenner (Eremias velox caucasia) mit ihren – bei jungen und halbwüchsigen Tieren – leuchtend rot gefärbten Schwanzunterseiten. Die Tiere machten ihrem Namen übrigens alle Ehre!


Unsere Suche nach dem Kleinasiatischen Laubfrosch blieb allerdings trotz der idealen Habitats-Strukturen hier zunächst ohne Erfolg. Auf der Rückfahrt nach Tbilisi hielten wir noch kurz an einem Teich, der als Tränke für das Weidevieh genutzt wurde und daher kaum Ufervegetation aufwies. Neben den obligaten Seefröschen fand Bertl ein großes Exemplar der Kaspischen Bachschildkröte, das noch ausgiebig fotografiert wurde.
 


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Die Steppen

Map Georgia 11 Dawitgaredschi

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Rustavi südöstlich Tbilisi, mit seinen giftigen Qualm verbreitenden alten Industrieanlagen, wo wir die Kura überquerten und in östlicher Richtung weiterfuhren. An beiden Seiten der Straße waren Drainagegräben angelegt worden, in denen sich Unmengen von Wasserschildkröten tummelten. Meist waren es Sumpfschildkröten (Emys orbicularis iberica), doch auch Kaspische Bachschildkröten (Mauremys caspica caspica) waren zu sehen. Wir hielten kurz an, um nach Kleinasiatischen Laubfröschen Ausschau zu halten, konnten aber auch hier – mit Ausnahme der Seefrösche – nichts finden. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren setzten wir unseren Weg fort. Die Straße wurde immer schlechter, Ansiedlungen waren nicht mehr zu sehen – die Gegend hier war bereits pure Steppe.


Langsam fuhren wir den Karrenweg in flachem Anstieg weiter, bis wir nach einiger Zeit das Plateau erreichten, wo wir einen felsigen Hang entdeckten. Nun hielt uns nichts mehr und wir begannen hier mit unserer Suche. Die ersten Reptilien, die wir sahen waren wieder Scheltopusik und Landschildkröten, die hier einfach tiefe Gänge gruben um der Tageshitze zu entgehen. An den Felsen saßen einige Kaukasusagamen und Riesensmaragdeidechsen.


Als wir damit begonnen hatten, Steine umzudrehen wurden wir schnell fündig:
Etliche Halsband-Zwergnattern, einige Sandboas und Katzennattern waren die Ausbeute. Eine große Katzennatter die Franz erwischen konnte, war besonders schön gefärbt - die Flecken am Hals waren bei diesem Tier kräftig rotbraun!
Häufige "Beifänge" waren Skorpione (Mesobuthus sp.), Skolopender (Scolopendra cingulata), Walzenspinnen (Galeodes sp.) und Schwarze Witwen (Latrodectus sp.) – alle mit z.T. beachtlichen Ausmaßen.

 

David Garedshi Steppen

Steppenlandschaft am Weg zum Kloster Dawitgaredschi

 

Zufrieden mit dem Ergebnis des Vormittags, folgten wir einem nach Osten verlaufenden Taleinschnitt und erreichten bald darauf das Kloster Dawitgaredschi. Es wurde im 6. Jhdt. gegründet und besteht aus einer weit verstreuten Ansammlung von Mönchszellen die in das weiche Tuffgestein gegraben wurden. Das Kloster, das nach einem persischen Feldzug im 17. Jhdt. aufgegeben wurde und während der Sowjetzeit den, hier stationierten Soldaten als Ziel für diverse Schießübungen dienen musste, wurde neuerdings wieder aufgebaut und seiner ursprünglichen Bestimmung gewidmet. Es war während unseres Aufenthaltes Gegenstand einer Auseinandersetzung, die uns daran erinnerte, nicht in Europa zu sein:
Die Mönche hatten – mit Unterstützung des georgischen Patriarchats – damit begonnen, die Mönchszellen und die unschätzbaren Freskenmalereien, die noch erhalten waren, zu restaurieren (oder was immer sie darunter verstanden). Leider hatten sie vergessen – oder sie ignorierten diese Tatsache schlichtweg, - dass die schönsten Fresken auf der Südseite des Berges liegen, d.h. in Aserbeidschan!


Das Angebot der Aseri, die mit Georgien in einem guten Nachbarschaftsverhältnis stehen, die historischen Denkmäler gemeinsam touristisch zu nutzen, wurde von der Kirche Georgiens als unzumutbar abgelehnt. Die – daraufhin entstandenen – politischen Spannungen zwischen den Nachbarn wurden allerdings bei einem Treffen der Außenminister beider Länder durch einen beispielgebenden Beschluss entschärft:
Beide schickten anstelle von Truppen lediglich einige Polizisten in das "Krisengebiet"!

 

Als wir beim Kloster ankamen, waren wir nicht sicher, ob es zurzeit möglich wäre, die in Aserbeidschan liegenden Höhlen zu besuchen. Als wir bei den Polizisten nachfragten, wurde uns gesagt, dass das kein Problem wäre. Einer der Polizisten – denen die Zeit ihres Aufenthaltes an dem abgelegenen Ort schon allzu lange geworden war, bot sich an, uns zu begleiten und wir stiegen also den Berg hinan, besichtigten auch die – wirklich großartigen – Teile der Anlage auf aserischem Gebiet. Der eigentliche Grenzübertritt war hier ebenso wenig zu bemerken, wie z.B. bei einer Wanderung entlang des Südalpen-Weitwanderwegs!


In der Mittagshitze zeigten sich nur die üblichen Maurischen Landschildkröten, Scheltopusiks, Kaukasusagamen und die massenhaft vorkommenden Schnellen Wüstenrenner. Der uns begleitende Kriminalbeamte zeigte uns ein Bild einer Ravergier´s Zornnatter (Hemorrhois ravergieri), die er kurz zuvor hier mit dem Handy aufgenommen hatte.


Die unendliche Weite der Landschaft kann durch Fotos allerdings nicht ausreichend wiedergegeben werden!

 

David Garedshi
Panoramaaufnahme beim Kloster Dawitgaredschi (zum Vergrößern anklicken)

 

Unterhalb des Klosters – wieder auf georgischer Seite – konnten wir einen Eindruck der ostgeorgischen Trockenwald-Gehölzflora gewinnen. Hier wachsen u.A.:
Zürgelbaum (Celtis caucasica), Pistazie (Pistacia mutica), eine Ahornart (Acer ibericum), Christusdorn (Paliurus spina-christi), Kreuzdorn (Rhamnus pallasii), Granatapfel (Punica granatum), Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), Zwergmispel (Cotoneaster div. sp.), Meerträubel (Ephedra procera), verschiedene Wacholderarten (Juniperus foetidissima, J.polycarpos, J.oxycedrus).
An Reptilien fanden wir wieder Maurische Landschildkröten, Scheltopusiks, Schnelle Wüstenrenner, Riesensmaragdeidechsen, Kaukasusagamen und eine Wurmschlange.
Die – immer noch anhaltende – Hitze verleitete uns zu einem schweren taktischen Fehler bezüglich der Planung des weiteren Tagesverlaufs. Anstatt ein Stück weit ins innere des Tals vorzudringen, beschlossen wir umzukehren und Fortuna am Rückweg auf den kühleren Anhöhen zu begegnen. – Das ging in die Hosen!


Natürlich hatten wir großes Interesse, die im Gebiet häufig vorkommende Levanteotter (Macrovipera lebetina obtusa) zu sehen. Da diese Schlange nicht nur in den Gehölzen vorkommt, sondern durchaus auch in den Steppengebieten zu finden ist, beschlossen wir, an einer Stelle anzuhalten, die – durch Distelbewuchs leicht kenntlich – von Steppenlemmingen (Lagurus sp.) durchwühlt war. Bertl hat uns erzählt, dass man an solchen Orten häufig größeren Schlangenarten wie Vierstreifennattern und Levanteottern begegnet. Zu unserem Pech war allerdings kurz zuvor eine große Schafherde dort gewesen und so konnten wir keine einzige Schlange entdecken!


Der – zugegebener weise unglaublich eindrucksvolle - Blick auf Udabno, der einzigen Ortschaft in der Umgebung, war uns nur zum Teil tröstlich, obwohl das Szenario an einen Handelsposten für Geschäfte mit den Prärieindianern im Oklahoma des 19.Jhdt. erinnert.
Auf der Rückfahrt kamen wir an einem verlassenen – und daher nicht mehr von Schlangen besuchten - Lemmingbau vorbei, dessen Anblick uns verdeutlichte, dass an den Geschichten über Leute, die in solchen Bauten bis zum Nabel eingebrochen waren, wohl etwas Wahres dran sein könnte: Das ganze Areal der sich langsam wieder verdichtenden Böden war mit metertiefen Einsturztrichtern übersäht !
Am Dschandaris Tba, einem Steppensee an der Grenze zu Aserbeidschan suchten wir nochmals nach Kleinasiatischen Laubfröschen, fanden aber nur ungeheure Mengen von Wechselkröten und Seefröschen
Hier gibt es eine Swanensiedlung, die nach einem verheerenden Lawinenwinter in den 1980er Jahren von swanischen Auswanderern gegründet wurde. Die Swanen sind ein Gebirgsvolk, das im westlichen großen Kaukasus beheimatet ist und – zum Leidwesen der Kirche Georgiens – an alten, vorchristlichen Traditionen festhält. An der Straße stand auch ein typisch swanischer Wehrturm der von den Dorfbewohnern zur Erinnerung an die Heimat errichtet wurde und hier, in der flachen Steppe etwas fremd wirkte. In solche Wehrtürme zogen sich noch vor nicht allzu langer Zeit die verfeindeten Sippen zurück, wenn gerade wieder einmal eine Blutfehde ausgebrochen war. Ein alter Bauer, den wir ein Stück weit mit unserem Auto mitnahmen, war sehr erfreut zu hören, dass auch wir aus einem gebirgigen Land stammten und dass wir einen "österreichischen Swanen" – den Tiroler Thomas - mit an Bord hatten!


An den Drainagekanälen, die zwischen dem See und Rustawi angelegt waren, hielten wir nochmals, fanden aber, abgesehen von einer Würfelnatter, wieder nur Seefrösche, Wechselkröten, Sumpf- und Kaspische Bachschildkröten und – unter Steinen bzw. zwischen den Büschen – Kaspische Smaragdeidechsen und Kaukasusagamen.

 

Rustawi

Nachtexkursion an den Kanälen im Industriegebiet bei Rustawi

 

Nun fragte Bertl unseren Fahrer, ob er damit einverstanden wäre, nach Rustavi zu fahren, dort zu Abend zu essen und danach – in der Dunkelheit – zu den Kanälen zurückzukehren um vielleicht doch noch Hyla savignyi zu finden. Murtasi – der unsere Anliegen im Verlauf der Reise immer mehr auch zu seinen Eigenen gemacht hatte - war sofort dabei! Wir suchten uns also ein nettes Restaurant, speisten im Garten und kehrten bei völliger Finsternis zurück.


Die Seefrösche am Kanal veranstalteten ein derartiges Höllenkonzert, dass wir etwas warten mussten, um überhaupt noch andere Geräusche wahrnehmen zu können, aber schließlich stellten wir fest, dass etwa im Abstand von 10m zueinander im Uferbereich tatsächlich Laubfrösche quakten. Wenn man allerdings die Lampe auf sie richtete, verstummten sie augenblicklich und taten fortan keinen Mucks mehr. Nach längerer Suche gelang es uns aber nun endlich doch, einige der Biester zu finden und zu dokumentieren! Eine im Wasser jagende, sehr hübsch gezeichnete Ringelnatter wurde ebenfalls erbeutet. Wir sahen auch Würfelnattern, die mit der Suche nach Nahrung beschäftigt waren.


Beim Wegfahren stellten wir fest, dass Thomas sein Handy verloren hatte. Die Suche danach kostete uns eine weitere halbe Stunde. Bei der Rückfahrt nach Tbilisi übersah unser armer Murtasi, der nun doch schon etwas ermüdet war – kein Wunder, nach einem Arbeitstag von 17 Stunden! - in Rustavi eine rot leuchtende Ampel, wurde prompt von der Polizei angehalten und musste Strafe zahlen. Als wir endlich in Tbilisi eintrafen, mussten wir noch Nino´s Strafpredigt über unser ausbeuterisches Verhalten über uns ergehen lassen, wobei Murtasi den Part unseres Verteidigers übernahm, wofür wir ihm an dieser Stelle noch einmal herzlich danken!

 


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Lagodechi

Map Georgia 12 Lagodechi im Osten

Unsere Reise nach dem Osten wurde gleich nachdem wir Tbilisi hinter uns gelassen hatten unterbrochen, weil Thomas, Christoph und Franz darauf bestanden, am 1. Flüsschen das von Norden kommend in die Kura mündet anzuhalten. Sie hatten es beim Landeanflug gesehen und beschlossen, dass es notwendig wäre, es zu erkunden. Wir stiegen aus und schauten uns eine Weile lang hier um, fanden aber nur die üblichen Landschildkröten, Scheltopusiks und Kaspischen Smaragdeidechsen. Wir fuhren also weiter und überquerten den Gombori-Bergrücken. Als wir auf der anderen Seite angelangt waren, genossen wir den Ausblick auf eine weite Ebene, die vom Alasani durchströmt wird. Den Hintergrund der Szene bildete das Gebirge des Großen Kaukasus. Wenn man durch die Ebene hindurch auf den Alasani zufährt, glaubt man, einer optischen Täuschung zu unterliegen, weil die zum Greifen nah erscheinenden Auwälder am Fluss in Wirklichkeit viel weiter entfernt liegen, als man dachte. Erst beim Näherkommen löst sich das Rätsel: Die Bäume hier sind einfach zu riesig, als dass man es für möglich hielte (- 45m hoch)!


Der Auwald besteht in der Hauptsache aus Pappeln (Populus alba & P.nigra), Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia), Walnuss (Juglans regia), Stieleiche (Quercus pedunculiflora), Feldahorn (Acer campestre), Feldulme (Ulmus campestris), Maulbeerbaum (Morus alba), Robinie (Robinia pseudoacacia), Gleditsia (Gleditsia triacanthos), Weißdorn (Crategus sp.), Faulbaum (Frangula alnus) und Schneeball (Viburnum opulus). Die Bäume sind oft dicht mit Efeu (Hedera helix) und Lianen (Periploca graeca, Smilax excelsa)bewachsen. Durch permanente Überflutungen während der letzten Jahre sind allerdings große Teile des Auwaldes abgestorben.

 

Auwlad (Foto: Christoph Riegler)

Abgestorbene Gehölze durch ständige Überflutungen


Auch diesmal führte der stattliche Fluss wieder Hochwasser, was eine Begehung der Auen beinahe unmöglich machte. Die vielen Stechmücken waren – für die noch nicht tropengewohnten Teilnehmer der Exkursion - ein weiteres Problem und nur die Versicherung Bertls, dass wir in Westgeorgien der Mückenplage nur durch die vorangegangene Kälteperiode entgangen waren, konnte die Unwilligen dazu bewegen auszusteigen. Das Resultat war – den Umständen entsprechend – mager:
Seefrösche, Laubfroschquappen, schwimmende Ringel- und Würfelnattern. Von der, hier vorkommenden Variante der Kaspischen Smaragdeidechse, bei der die Männchen im Gegensatz zu den bisher beobachteten, blaue Kehlen haben, sahen wir leider nur einige Jungtiere. Immerhin konnten wir auch einen Fischotter (Lutra lutra meridionalis) beobachten!
In größerer Distanz zum Fluss bemerkten wir eine überfahrene Rote Springnatter auf der Straße.

 

Es ging weiter nach Norden. Nach dem späten Mittagessen in Lagodechi fuhren wir zum Nationalparkeingang. Von dort ging es zu Fuß weiter. Wir folgten dem Bachlauf bergan, um zu einer Stelle zu gelangen, wo Bertl schon Kaukasische Schlammtaucher (Pelodytes caucasicus) beobachtet hatte. Der Wald hier bestand überwiegend aus Orientbuche (Fagus sylvatica orientalis), Weißbuche (Carpinus betulus), Linde, (Tilia begoniifolia), Esche (Fraxinus excelsior) und verschiedenen Ahornarten (Acer campestre, A.cappadocicum, A.platanoides, A.velutinum).
Am Bach wuchsen Erlen (Alnus barbata) und Flügelnuss (Pterocarya fraxinifolia).


Als wir die bezeichnete Stelle endlich erreichten, mussten wir leider feststellen, dass die vielen kleinen Arme, in die sich der Bach dort aufteilte - durch einen Damm aus Geröll, der dort errichtet worden war um das Wasser zu sammeln und für die Wasserversorgung des Kulturlandes unterhalb des Nationalparks nutzbar zu machen – trocken lagen!


Bertl hatte zwar in einem tiefen Loch, das von einem umgestürzten Baum in den Boden gerissen worden war einen Schlammtaucher gesehen, aber er konnte wegen der Folgen eines Bandscheibenvorfalls nicht in die Grube klettern. Franz – der sich ganz in der Nähe aufhielt – konnte den Funkspruch Bertls mit der Bitte um Hilfe nicht hören, weil der nahe Bach ohrenbetäubendes Getöse verursachte. So kam es, dass der einzige Schlammtaucher, den wir auf unserer Reise angetroffen haben, zwischen den Wurzeln verschwand, ohne dass wir ihn fotografieren konnten!


Unter Steinen fanden wir hier die Artwiner Eidechse (Darevskia derjugini orlowae) und Blindschleichen (Anguis fragilis colchica), am Bach waren häufig Seefrösche zu sehen.

Auf der Rückfahrt nach Tbilisi hielten wir am Iori-Fluss an weil wir eine Kuhherde bemerkt hatten mit der auch 2 braun gefärbte Tiere mit schwarzen Streifen mit liefen. Bertl kannte solche Tiere bisher nur aus Georgien und hatte von einem Kollegen den Auftrag erhalten, davon Fotos zu machen. An dieser Stelle fanden wir auch Maurische Landschildkröten und einen jungen Scheltopusik. Beim Weiterfahren beobachteten wir einen Goldschakal (Canis aureus), der parallel zur Straße lief.

 


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Am oberen Iori

Karte Georgien, Quelle: Google Maps Oberlauf des Iori bei Sioni

Unseren letzten Tagesausflug widmeten wir der Suche nach Wieseneidechsen (Darevskia praticola praticola), die vereinzelt im Bereich der Vorberge des südlichen Großen Kaukasus als Eiszeit-Relikte vorkommen und einer Unterart der Zauneidechse (Lacerta agilis ioriensis), die anscheinend nach ihrer Beschreibung (1968) nicht mehr wieder gefunden werden konnte.
Unser Zielgebiet waren die Ortschaften Sioni und Tianeti am oberen Iori, nördlich Tbilisi. Schon bald nachdem wir die Hauptstadt hinter uns gelassen hatten, hielten wir am Rand des Saguramo- Schutzgebiets, um uns ein wenig umzusehen.


Am Wegrand bewunderten wir verschiedene Orchideenarten (Ophrys oestrifera, Ophrys caucasica, Orchis purpurea, Orchis simia und Orchis tridentata), die hier in großer Zahl wuchsen. Auch die prächtige Wilde Pfingstrose (Paeonia caucasica) war zu sehen. An sonnenexponierten Stellen bemerkten wir einige Kaspische Smaragdeidechsen (Lacerta strigata) und im Wald aus Traubeneichen (Quercus iberica) und Weißbuchen (Carpinus betulus und C.orientalis) fanden wir Blindschleichen (Anguis fragilis colchica).

Wir fuhren auf der kurvenreichen Straße, die den Berg hinan führte weiter bis zu unserem 2. Stopp vor der Ortschaft Magraneti.


Hier war das Klima schon merklich kühler und feuchter, der Wald bestand fast ausschließlich aus Buchen (Fagus sylvatica orientalis). Der Schnee war erst vor kurzer Zeit abgeschmolzen und überall blühten blaue Anemonen (Anemone caucasica). Wir fanden Kaukasische Braunfrösche (Rana macrocnemis macrocnemis) und Artwiner Eidechsen (Darevskia derjugini orlowae).

Weiter nördlich, zwischen Magraneti und Chewsurtsopeli, wurde das Land wieder weiter und flacher. Wir ließen den Wald hinter uns und die Straße führte nun durch ausgedehnte Wiesen, wo wir unser Glück bei Sakdrkoni noch einmal in Probe stellten.
Gleich nachdem wir ausgestiegen waren, fanden wir bereits unsere ersten Wieseneidechsen und auch die Zauneidechsen ließen nicht lange auf sich warten! Letztere erinnerten aber doch sehr an die Form Lacerta agilis brevicaudata, die im Kleinen Kaukasus weiter verbreitet ist und auch in der Türkei vorkommt. Wie diese ist auch Lacerta agilis ioriensis sehr robust gebaut und in ihrer Färbung außerordentlich variabel. Ein altes Männchen war komplett grün gefärbt.

 

Wiesenflächen am Oberen Iori (Foto: Christoph Riegler)

Wiesenflächen entlang der Straße im Bereich des oberen Ioris


Während wir noch mit der Foto-Dokumentation der beiden Arten beschäftigt waren, bemerkten wir einige Vögel, die im Gras umherliefen und erst abflogen, wenn man ihnen auf wenige Meter nahe gekommen war. Christoph gelangen einige gute Schnappschüsse davon. Es handelte sich um Wachtelkönige (Crex crex), einer Rallenart, die bei uns vom Aussterben bedroht und daher streng geschützt ist. Unser Fahrer Murtasi, der die Ansicht vertrat, dass sie vorzüglich schmecken, versuchte mit dem Kescher, ihrer habhaft zu werden, was ihm allerdings nicht gelingen wollte.     Mehr Erfolg hatte dagegen Christoph mit seiner Kamera!


Auf den Wiesen fanden wir außerdem noch Blindschleichen, je einen Kaukasus-Braunfrosch (Rana macrocnemis macrocnemis), bzw. Laubfrosch (Hyla arborea schelkownikowi), der hier genauso aussah wie die Tiere vom Kus Tba in Tbilisi. Beim Wegfahren überfuhren wir leider eine melanistische Ringelnatter!

 

Eigentlich wäre es jetzt höchste Zeit für ein spätes Mittagessen gewesen, aber die nahe gelegenen Orte Chewsurtsopeli und Sioni hatten kein Wirtshaus aufzuweisen und so mussten wir die Reise mit knurrenden Mägen fortsetzen, da auch Murtasi seine Wachtelkönige nicht erwischt hatte!
Wir folgten dem Lauf des Iori auf einer Straße, die uns noch einmal in Erinnerung rief, dass das Wissen um Entfernungen alleine für eine Streckenplanung in Georgien nicht ausreicht. Im Schritttempo schaukelten wir durch eine wunderschöne Waldlandschaft, die beinahe den Eindruck unberührter Natur erweckt hätte, wären nicht einige Schweine gewesen, die sich in den unergründlich erscheinenden Löchern in der Straße gesuhlt hätten.
Zu unserer Freude stießen wir an einer Abzweigung auf ein kleines Magazin, wo wir zwar auch nichts zu essen, aber immerhin Bier kaufen konnten!
Weiter unterhalb hielten wir ein letztes Mal an einer Burgruine, um nach Reptilien Ausschau zu halten.
Beim Anstieg durch den Wald fanden wir wieder die Artwiner Eidechse (Darevskia derjugini orlowae), bei der Ruine waren Riesensmaragdeidechsen (Lacerta media media) zu sehen und an den Mauern saßen Kaukasusagamen (Laudakia caucasia caucasia) und Kura-Eidechsen (Darevskia portschinskii portschinskii).

Nach dieser kurzen Inspektion fuhren wir weiter in südlicher Richtung, bis wir schließlich die Straße erreichten, die von Sagaredscho her kommend wieder zurück nach Tbilisi führte.

 


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Rückreise mit Pannen  

 

Nach der ausgiebigen Verabschiedung von unseren Gastgebern, fuhren wir am nächsten Tag zum Flughafen, wo wir feststellen mussten, dass unser Flug wegen Mangels an Passagieren abgesagt worden war. Uns wurde gesagt, dass der AUA-Direktflug nach Wien am Abend bereits ausgebucht sei (was glatt gelogen war, wie sich später herausstellte) und wir erst am nächsten Tag abreisen könnten – und zwar mit Georgian Airlines nach Paris und dann mit der AUA zurück nach Wien!
Hotel & Taxi wurden zwar bezahlt, aber da einige von uns an diesem Tag schon zur Arbeit erscheinen hätten sollen, war uns das doch etwas unangenehm!

 

Airzena Schalter am Flughafen Tbilisi (Foto: Christoph Riegler)

Böse Überraschung am gebuchten Abflugtag

 

 

Bedankungen

 

Ein großer Dank an Nino und Bertl für die Organisation!

 

Für wichtige Informationen & Hilfe bei der Organisation der Reise möchten wir uns bei folgenden Personen recht herzlich bedanken:


Lili, Eka & Irakli Davitashvili, Marina Darchiashvili, Izolda Matchutadze, Rezo Gagnidze und David Tarkhnishvili.


Ohne unseren Fahrer Murtasi, der uns während der gemeinsamen Ausflüge immer mehr zum Freund geworden war, wäre die Reise nicht möglich gewesen. Wir hoffen, dass er mit unserer Gesellschaft ebensoviel Spaß hatte, wie wir mit der seinigen!
Ihm wollen wir diesen Bericht widmen.

 

 

Anhang: Verwendete Namen  

 

Die hier verwendeten taxonomischen Einheiten folgen in der Regel den z.Z. üblichen Standards.

Eine Ausnahme hiervon bilden allerdings einige im Gebiet endemisch vorkommende  Pflanzenarten, denen von manchen Autoren nur der Rang von Unterarten zuerkannt wird und die Amphibiengattungen Bufo bzw. Triturus.

Die von Frost et. al. 2006 Vorgenommene Aufspaltung der Gattung Bufo wird von vielen Autoren im Hinblick auf methodische Fehler kritisch bewertet. Besonders die Trennung von Kreuz- & Wechselkröte, die offenbar regelmäßig hybridisieren und jetzt als Angehörige von 2 verschiedenen Gattungen aufgefasst werden, erscheint uns schwer nachzuvollziehen. (Siehe auch: MIGUEL VENCES – The Amphibian Tree of Life: Ideologie, Chaos oder biologische Realität? – Zeitschrift für Feldherpetologie 14:153-162, Oktober 2007).


Bezüglich der Gattung Triturus teilen wir die Auffassung dieses Autors, dass eine Aufspaltung der Gattung vorzunehmen ist, aber nicht. Die von ihm zitierten, auf molekularen Datensätzen basierenden Arbeiten von WEISROCK et. al. (2006) und STEINFARTZ et. al. (2007) sind nämlich ebenfalls keineswegs frei von methodischen Mängeln und auch die Topologie der Verzweigungsmuster der vorgeschlagenen phylogenetischen Konzepte erscheint bei beiden Autoren unterschiedlich.


Im Gegensatz zu den genannten Arbeiten, legt die Verwendung morphologischer bzw. ethologischer Daten - bei Anwendung gleicher Methoden - eine monophyletische Entstehung der Gattung mit hoher Wahrscheinlichkeit nahe.
Ein weiteres – nomenklatorisches – Problem stellen die Unsicherheiten im Bezug auf die Priorität der verwendeten Namen dar.
Aus diesen Gründen erscheint uns die Beibehaltung des alten Gattungsnamens Triturus bis zur Aufklärung aller Widersprüche angemessen.
Eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer artlichen Unterscheidung von offensichtlich nächstverwandten Taxa - die dort, wo sie aufeinandertreffen, mehrheitlich hybridogene Populationen bilden (z.B. Kammmolche) – zu eröffnen, würde aber den Rahmen eines Reiseberichts wohl überschreiten!

 

Liste der nachgewiesenen Taxa (53 Arten):

 

1    Triturus karelinii karelinii - Östlicher Kammmolch
2    Triturus vulgaris lantzi - Kaukasus-Teichmolch
3    Triturus (vittatus) ophryticus - Nördlicher Bandmolch
4    Pelodytes caucasicus - Kaukasischer Schlammtaucher
5    Bufo verrucosissimus - Kaukasus-Erdkröte
6    Bufo viridis - Wechselkröte
7    Hyla arborea schelkownikowi - Kaukasischer Laubfrosch
8    Hyla (arborea) ssp? - Kolchischer Laubfrosch
9    Hyla savignyi - Kleinasiatischer Laubfrosch
10  Rana macrocnemis macrocnemis - Kaukasischer Braunfrosch
11  Rana macrocnemis camerani - Kaukasischer Braunfrosch
12  Pelophylax ridibundus - Seefrosch
13  Pelophylax bedriagae? - Kleinasiatischer Seefrosch
14  Testudo graeca ibera - Maurische Landschildkröte
15  Emys orbicularis iberica - Sumpfschildkröte
16  Mauremys caspica caspica - Kaspische Bachschildkröte
17  Cyrtodactylus caspius caspius - Kaspischer Bogenfingergecko
18  Laudakia caucasia caucasia - Kaukasusagame
19  Anguis fragilis colchica - Blindschleiche
20  Pseudopus apodus apodus - Scheltopusik
21  Trachylepis septemtaeniata? - Mabuye
22  Eremias velox caucasica - Schneller Wüstenrenner
23  Lacerta agilis grusinica - Kolchische Zauneidechse
24  Lacerta agilis ioriensis - Iori-Zauneidechse
25  Lacerta media media - Östliche Riesensmaragdeidechse
26  Lacerta strigata - Kaspische Smaragdeidechse
27  Darevskia"armeniaca" - Armenische Eidechse
28  Darevskia clarcorum - Clarks Eidechse
29  Darevskia derjugini abchasica - Artwiner Eidechse 
30  Darevskia derjugini barani - Artwiner Eidechse
31  Darevskia derjugini derjugini - Artwiner Eidechse
32  Darevskia derjugini orlowae - Artwiner Eidechse
33  Darevskia mixta - Bastardeidechse
34  Darevskia nairensis - Nairi-Felseneidechse
35  Darevskia parvula adjarica - Rotbaucheidechse                     
36  Darevskia parvula parvula - Rotbaucheidechse
37  Darevskia portschinskii portschinski - Kura-Eidechse
38  Darevskia praticola praticola - Wieseneidechse
39  Darevskia rudis bischoffi - Kielschwanzeidechse
40  Darevskia rudis macromaculata - Kielschwanzeidechse
41  Darevskia rudis obscura - Kielschwanzeidechse
42  Typhlops vermicularis - Wurmschlange
43  Eryx jaculus familiaris - Sandboa
44  Eirenis collaris - Halsband-Zwergnatter
45  Eirenis modestus - Kopfbinden-Zwergnatter
46  Dolichophis schmidti - Rote Springnatter
47  Platyceps najadum najadum - Schlanknatter
48  Hemorrhois ravergieri - Ravergiers Zornnatter
49  Coronella austriaca - Schlingnatter
50  Natrix natrix ssp. - Ringelnatter
51  Natrix tessellata - Würfelnatter
52  Telescopus fallax iberus - Katzennatter
53  Vipera kaznakovi - Kaukasusotter

 

 

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