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Die zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) gehörende Zauneidechse (Lacerta agilis) stellt neben der Bergeidechse die in Österreich häufigste und am weitesten verbreitete Eidechsenart dar. Sie besiedelt die Großlandschaften aller Bundesländer mit Ausnahme der hochalpinen Lagen.
 

Ihr deutscher Name lässt sich durch ihre Vorliebe für Grenzstrukturen erklären, welche oftmals einen höheren Strukturreichtum als die Umgebung aufweisen. Der wissenschaftliche Name ist von lat. Lacerta = Eidechse und lat. agilis = flink, beweglich, abgeleitet.
 

Zauneidechse Männchen (Lacerta agilis) Foto: © herpetofauna.at

 Zauneidechse Männchen - Lacerta agilis (Foto: © herpetofauna.at)

 

 

 

Auch wenn die Art hinsichtlich ihrer Habitatwahl weniger anspruchsvoll ist als die nah verwandte Smaragdeidechse, benötigt sie doch einen reichhaltig strukturierten Lebensraum. Da dieser in der Kulturlandschaft selten geworden ist und Biozideinsatz in der intensiven Landwirtschaft sowie frei laufende Katzen im Siedlungsbereich diese Eidechsenart dezimieren, ist vielerorts ein Rückgang der Bestände zu verzeichnen. Das große Gesamtareal wird von der Zauneidechse in mehreren Unterarten besiedelt und reicht von Schweden, Finnland und dem südlichen Großbritannien im Norden bis Nordgriechenland und zum Kaukasus im Süden und von den Pyrenäen im Westen bis nach Nordwestchina im Osten. Ihr Vorkommen deckt sich größtenteils mit dem der Bergeidechse.
 

 

Systematik

  

Klasse: Reptilia, Reptilien
Ordnung: Squamata, Schuppenkriechtiere
Unterordnung: Sauria, Echsen
Familie: Lacertidae, Echte Eidechsen
Gattung: Lacerta, Halsbandeidechsen
Art: Lacerta agilis, Zauneidechse

  

Beschreibung

  

Zauneidechsen Weibchen:  die Grundfärbung ist üblicherweise bräunlich mit hellen Rückenstreifen (Parietalbänder) und dunklen Flankenflecken.

Zauneidechsen Weibchen:  die Grundfärbung ist

üblicherweise bräunlich mit hellen

Rückenstreifen (Parietalbänder)

und dunklen Flankenflecken.

junge Zauneidechse mit weißen Augenflecken

junge Zauneidechse mit weißen Augenflecken

 

Diese kräftig gebaute Eidechsenart weist einen großen, hohen, kurz- und rundschnäuzigen Kopf auf. Ihr Körperbau ist vergleichsweise plump und gedrungen. Der Körper ist nicht abgeflacht. Die Iris der Augen ist rot bis golden-gelblich gefärbt. Die Beine sind kurz, der relativ dicke, sich langsam verjüngende Schwanz ist ca. eineinhalb mal so lang wie die Kopf-Rumpf-Länge und hat keine lang ausgezogene Spitze. Bei gleicher Kopf-Rumpf-Länge weisen die Männchen größere Kopflängen, die Weibchen größere Rumpflängen auf. Eine Gesamtlänge von 22 cm wird selten überschritten, wobei allerdings bereits 18-20 cm lange Tiere als sehr groß zu bezeichnen sind.

 

Färbung und Zeichnung:

Adulte Männchen zeigen besonders zur Paarungszeit (Ende April bis Mitte Juni) grüne Körperseiten und eine grüne Kehlregion, meist haben auch die Vorderbeine eine grüne Färbung. Die Kopfplatte ist dunkel, Rückenmitte und Schwanz haben eine braune Grundfarbe, auf der dunkle Flecken mit hellen Augenpunkten und helle Längsstreifen ein beinahe geometrisches Muster ergeben. Die Bauchseite der Männchen ist hellgrün und schwarz gefleckt, die Hinterbeine und der Schwanz sind bräunlich. 

 

Das oberseits und an den Flanken hellgrau, gelbbraun oder braun gefärbte Weibchen weist eine ähnlich kontrastreiche Zeichnung wie das Männchen auf, seine Bauchseite ist cremeweiß oder gelb und meist fleckenlos.

 

Jungtiere haben eine auffällige Jugendzeichnung mit zwei bis drei Reihen weißer Augenflecken an den Flanken, die Unterseite ist cremefarben bis hellgelb. Eine Färbungsvariante mit einem einfärbig rotbraunen Rückenband (Erythronotus-Form) kann auftreten. Sehr selten können Männchen mit grüner Oberseite oder mit bläulichen Kehlen gesichtet werden (Verwechslungsmöglichkeit mit der Smaragdeidechse).


Aufgrund ihrer Fleckenzeichnung und des hohen Braunanteils ihrer Färbung werden subadulte Smaragdeidechsen (Lacerta viridis) in den (seltenen) syntopen Vorkommensgebieten des öfteren mit Zauneidechsen verwechselt.
 

 

Verbreitung

  

In Österreich bewohnt die Zauneidechse alle Bundesländer in Höhenlagen zwischen 115 und 1700 m. Das Artareal besitzt in Westösterreich seine Südgrenze, ansonsten schließen die österreichischen Bestände an Vorkommen im benachbarten Ausland an.

 

Verbreitungskarte: Zauneidechse - Lacerta agilis (Datenstand 1996)  © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich Verbreitungskarte: Zauneidechse - Lacerta agilis (Datenstand 1996)  © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich

 
 

Lebensräume

  

Habitatbeispiel der Zauneidechse: offene, strukturierte Ruderalfläche

Habitatbeispiel der Zauneidechse:

offene, strukturierte Ruderalfläche

Die euryöke (wenig spezialisierte) Art besiedelt Kiesgruben, Steinbrüche, Ruderalflächen, Trockenrasenbereiche, Straßenböschungen, Feldraine, Waldränder, Bahndämme, Parks, Gärten und Friedhöfe. Sie zeigt eine Vorliebe für offene, reichhaltig strukturierte Landschaften. Trockene Stellen mit niedrigem, buschigem Pflanzenbewuchs in S-SO- oder SW Exposition werden bevorzugt. In höheren Lagen werden vor allem südexponierte Hänge bewohnt. Das Vorhandensein vegetationsfreier, offener Stellen ist für die Eiablage unerlässlich. Steine, freie Bodenstellen, Holzpfosten, Totholzhaufen oder ähnliche, sich schnell erwärmende bzw. die Wärme gut speichernde Strukturen werden als Sonnplätze genützt. Oft befinden sich daneben dichte Vegetationsstrukturen als Fluchtmöglichkeit.

 

 

 

 

Lebensweise

  

Ende März, Anfang April beginnt die Jahresaktivität, diese endet je nach Witterungsverhältnissen bei den Jungtieren Mitte bis Ende Oktober, während sich adulte Eidechsen zumeist schon im September in die Winterverstecke zurückziehen. Im Frühjahr erreicht die Tagesaktivität zu Mittag ein Maximum, im Sommer kann man eine zweigipfelige Aktivitätskurve (Vormittag, Nachmittag) feststellen. Die Vorzugstemperatur beträgt 38,6°C.


Die Männchen verlassen die Winterquartiere ca. 1-2 Wochen vor den Weibchen. Bei der Ende April beginnenden Paarungszeit kommt es nur selten zu längerdauernden Paarbildungen. Die erste Eiablage erfolgt Ende Mai bis Ende Juni, die zweite dann Ende Juni bis Ende Juli. Die Eier werden an sonnenexponierten, genügend feuchten Plätzen unter Steinen oder in selbstgegrabenen Röhren in bis zu 12 cm Tiefe abgelegt. Nach einer witterungsabhängigen Reifungsdauer von etwa 3 Monaten schlüpfen aus den 9-14 Eiern pro Gelege die beim Schlupf 50-60 mm langen Jungtiere. Während bei Temperaturen zwischen 22 bis 30°C der Schlupferfolg sehr hoch ist, können die Jungtiere bei Temperaturen unter 18°C ihre Entwicklung im Ei nicht erfolgreich abschließen. Die Geschlechtsreife wird mit eineinhalb bis zwei Jahren erreicht.

  

Nahrung

  

Als Nahrung dienen vor allem Arthropoden (Gliederfüßer) geeigneter Größe. Unter den zahlreichen als Nahrung dienenden Insektenarten finden sich auch Wespen, Bienen, Ameisen,  Marienkäfer und Feuerwanzen. Auch Spinnen, Tausendfüßler, Würmer und kleinere Reptilien (z.B. junge Bergeidechsen) zählen zum breiten Nahrungsspektrum der Art.


Prädatoren:
Als Prädatoren treten unter anderem Schlingnatter, Greif- und Rabenvögel, Neuntöter, Igel und Marderartige auf. Im Siedlungsbereich stellen insbesondere freilaufende Hauskatzen eine große Bedrohung für Zauneidechsenbestände dar.


Flucht-Abwehrverhalten:

Bei Gefahr kann ein Teil des Schwanzes autotomiert (abgetrennt) werden, das Regenerat erreicht nicht die Länge des Originalschwanzes und weist eine etwas andere Färbung auf. Bei starker Bedrohung ohne Fluchtmöglichkeit kann es auch zu Abwehrbissen kommen.

  

Allgemeines und Besonderheiten

  

Die standorttreue Zauneidechse legt selten Entfernungen von mehr als 100 m zurück, zur Paarungszeit ist ihr Aktionsradius größer. Die Minimalgröße eines Habitats schwankt zwischen 400 und 1000 m², ein Individuum benötigt dabei ca. 25 m² Lebensraum.

  

Gefährdung und Schutz

  

Die Zauneidechse ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) in Anhang IV und in der Roten Liste Österreich in Anhang 3 gelistet.


Obwohl die Zauneidechse vielerorts die häufigste Reptilienart darstellt, gehen ihre Bestände stetig zurück. Hauptverantwortlich hierfür sind die Biotopzerstörung, aber auch streunende Hauskatzen und Pestizide. Durch das Abtragen von Erd- und Steinhaufen und die "Sanierung" von Ruderalflächen können kleine Zauneidechsenbestände oft zum Verschwinden gebracht werden.


Für den Schutz wichtig wären ein Erhalt von Magerrasenstandorten, strukturreichen Waldrändern und Ruderalflächen. Von herausragender Bedeutung ist die Schaffung von Kleinstrukturen wie Reisig-, Stein- und Erdhaufen sowie Holzstößen. Grenzlinienstrukturen sollten vielerorts geschaffen werden. Für die Eiablage werden freie Erd(Sand)stellen benötigt. Eine Gefahr stellt auch die völlige Verbuschung von offenem Gelände dar, Pflegemaßnahmen wie gelegentliche oder regelmäßige (Fettwiesen) Mahd bzw. Beweidung sind stellenweise nötig. Düngungen sollten vermieden werden, um einen niedrigen Bedeckungsgrad der Vegetation zu erhalten.
In Gärten bzw. Schrebergartensiedlungen sollten Kleinstrukturen sowie naturnahe Hecken geschaffen werden. Auch ein teilweises „Verwildernlassen“ bestimmter Gartenbereiche kann zur Habitaterweiterung beitragen.


Ziel sollte sein, wieder einen Biotopverbund, der einen Austausch zwischen einzelnen Populationen ermöglicht, zu schaffen.

  

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