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Die Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine über fast ganz Europa verbreitete Vertreterin der Schleichen (Anguidae), einer urtümlichen Gruppe der Schuppenkriechtiere. Bemerkenswert an den Schleichen ist die große Variation an Körperformen. Von vierbeinigen, eidechsenähnlichen Arten bis beinlosen, schlangenförmigen Arten - wie unserer Blindschleiche - sind alle Formen vorhanden.
 

Blindschleiche - Anguis fragilis (Foto: © herpetofauna.at)

Westliche Blindschleiche - Anguis fragilis (Foto: © herpetofauna.at)
 


Gemeinsam mit Waldeidechse, Ringelnatter und Kreuzotter gehört die Blindschleiche zu den am weitesten nach Norden vordringenden Reptilien in Europa.
  

Systematik

  

Klasse: Reptilia, Reptilien
Ordnung: Squamata, Schuppenkriechtiere
Unterordnung: Lacertilia, Echsen
Familie: Anguidae, Schleichen
Art: Anguis fragilis, Westliche Blindschleiche

  

Beschreibung

  

Kopfportrait einer Blindschleiche

Kopfportrait einer Blindschleiche

 

Etwa 40 - 45 cm lange, beinlose Echse, mit schlangenförmig gestrecktem Körper. Im Unterschied zu den Schlangen sind die Augenlieder getrennt und frei beweglich, der Schwanz kann wie bei den Eidechsen abgeworfen werden und regeneriert nur unvollständig. Der Körper ist auch am Bauch von kleinen, runden Schuppen bedeckt. Letzteres bewirkt auch einen Unterschied in der Fortbewegung: während selbige bei Schlangen durch Kontraktionsbewegungen der Bauchschuppen und Rippen erfolgt, bewegt sich die Blindschleiche hauptsächlich durch Hin- und Herbewegen des Körpers.


Die Rückenfärbung besteht vorwiegend aus glänzenden Braun- und Kupfertönen in allen Schattierungen, vereinzelt sind auch silbrig gefärbte Exemplare zu finden. Flanken und Bauch sind bei den Männchen zumeist hell, bei den Weibchen dunkel oder sogar schwarz. Jungtiere weisen dunkle Flanken und einen dunklen Strich am Rücken auf, welcher bei einzelnen Individuen sogar bis ins Erwachsenenalter bestehen kann. Bei älteren Männchen sind oft einzelne himmelblaue Rückenschuppen zu finden.
 

 

Verbreitung


Die Blindschleiche ist in allen österreichischen Bundesländern und in allen Höhenlagen, mit Ausnahme der hochalpinen Bereiche zu finden. Vertikale Verbreitung von 115 m (Hansag, Burgenland) bis ca. 2000 m (Hohe Tauern, Kärnten).

Verbreitungkarte: Westliche Blindschleiche - Anguis fragilis (Datenstand 1996)  © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich  

Lebensräume

  

Die Westliche Blindschleiche bewohnt fast alle Lebensräume und Vegetationstypen, vom Hochwald bis zur Wiese, sofern ausreichende Bodendeckung durch Streuschicht, Krautschicht oder Auflagematerial gegeben ist. Gemieden werden neben hochalpinen Bereichen lediglich stark verbaute und intensiv landwirtschaftlich genutzte, strukturarme Gebiete sowie extrem trockene Habitate.
 

Lebensweise


Je nach Höhenlage und Wetter beenden Blindschleichen ihre Winterstarre Ende Februar - April (Flach- und Hügelland) bzw. Mai - Anfang Juni (Gebirge). Bald danach verpaaren sich die Tiere. Blindschleichen sind zumeist morgens und abends in der Dämmerung aktiv. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise ist die Blindschleiche schwer zu beobachten. Am ehesten sind die Tiere in den Morgenstunden oder nach Schlechtwetterphasen beim Sonnen oder ruhend unter Auflagematerial (Holz, Steine und dgl.) zu finden. Ergriffene oder belästigte Exemplare wehren sich durch Verspritzen von Kot, nur in Ausnahmefällen durch Beißen. Die Winterquartiere werden in der Regel im Spätherbst (Ende Oktober, Anfang November) aufgesucht. Bevorzugt werden vorhandene oder auch selbstgegrabene Erdlöcher ab 70 cm Tiefe. Bei günstiger Lage des Winterquartiers können bis zu 100 Exemplare an derselben Stelle gefunden werden.

 

Fortpflanzung


Das Weibchen wird vom Männchen mit dem Maul am Hinterkopf gepackt, letzteres presst seine Kloake an die des Weibchens. Die Tragezeit beträgt ca. 11 - 13 Wochen. Im August oder September werden, abhängig von Alter und Größe des Weibchens, 5 - 12 (ausnahmsweise auch über 20) vollständig entwickelten Jungtiere in einer weichen, unverkalkten Eihülle abgesetzt, welche sofort durchbrochen und abgestreift wird.
 

Nahrung


Zur bevorzugten Nahrung gehören kleine Nacktschnecken und Würmer. Die Beutetiere werden gepackt und nach dem Abstreifen des Schleims langsam verschlungen.
 

Allgemeines und Besonderheiten


Der deutsche Name „Blindschleiche“ hat nichts mit dem Sehvermögen zu tun, sondern leitet sich vom althochdeutschen „Blintslicho“ ab , was soviel wie „blendender Schleicher“ bedeutet, und sich auf die schimmernde Körperfärbung bezieht. In Gefangenschaft gehaltene Exemplare können ein Alter von mehreren Jahrzehnten erreichen.
 

Die einheimischen Tiere gehören zu der in West- und Mitteleuropa verbreiteten Anguis fragilis fragilis. Obwohl sie oft nur schwer nachzuweisen ist, gehört sie zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Reptilien Österreichs.

Gefährdung und Schutz


Trotz der relativen Häufigkeit der Westliche Blindschleiche bestehen auch für die heimischen Bestände einige Gefährdungspotentiale:
 

Intensive Landwirtschaft: direkte Bedrohung besteht durch intensive Wiesenmahd; die Tiere werden von den Mähwerkzeugen erfasst und getötet. Indirekt wird die Art durch das „Ausräumen“ der Landschaft (Vernichtung geeigneten Lebensraumes) gefährdet.

Straßenverkehr: Die Blindschleiche kann asphaltierte Straßen nur unbeholfen überqueren und wird daher häufiger als andere Reptilien überfahren, auch wenn nur wenig bis mäßiger Verkehr auftritt. So fordern z.B. auch Forststrassen überdurchschnittlich viele Opfer.

Intensive Forstwirtschaft: in forstlichen Monokulturen fehlt zumeist eine vielfältig ausgeprägte Streu- und Krautschicht und somit auch der Lebensraum für die Blindschleiche.

Schutzmaßnahmen speziell für die Blindschleiche sind wenig zielführend; die Art kann so wie viele andere Pflanzen- und Tierarten am besten durch Extensivierung der Land- und Forstwirtschaft sowie durch Errichtung von Grünbrücken bzw. Leiteinrichtungen an Verkehrswegen gefördert werden.
 

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