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Die Würfelnatter - Natrix tessallata - ist eine harmlose und ungiftige Schlangenart, die sehr gut an das Leben im und am Wasser angepasst ist. Obwohl diese Art in Österreich regional häufig vorkommt, ist sie in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Oft wird sie als „Wasserschlange“ bezeichnet, da sie einen beträchtlichen Teil ihrer Aktivitätsperiode im Wasser verbringt, um dort ihre bevorzugte Beute (Fische) zu jagen.
Würfelnatter - Natrix tessellata (Foto: Thomas Bader © herpetofauna.at)
Die Art besiedelt weite Teile des südlichen Mittel- und Osteuropas. Ihr Vorkommen erstreckt sich von der Südostschweiz (sie fehlt in Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel) und der Apenninhalbinsel über alle Balkanstaaten einschließlich einiger Insel im Ägäischen bzw. Ionischen Meer bis nach Kleinasien. Im Süden wird Ägypten (Nildelta) erreicht, während sich im Norden ihre Verbreitung entlang der Küste des Schwarzen Meeres in Richtung Kaspisches Meer erstreckt. Ihre östlichste Verbreitungsgrenze erreicht sie in Westchina. Isoliert davon existieren Vorkommen in Mitteleuropa (Deutschland, Tschechien).
Die Würfelnatter ist vom Körperbau einer Ringelnatter nicht unähnlich, unterscheidet sich unter anderem aber von dieser durch die nach oben gerichteten Augen und Nasenöffnungen. Der Kopf ist deutlich vom Rumpf abgesetzt, ihre Körperschuppen sind stark gekielt. Die Grundfarbe ist bräunlich bis gräulich mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Würfelzeichnung. Melanistische (= schwarz gefärbte) Individuen sind aus Österreich nicht bekannt. Die Zeichnung kann manchmal zu Barrenflecken oder Längsstreifen verschmelzen. Jungtiere weisen im Vergleich zu alten Tieren (Adulti) in der Regel ein deutlicheres und kontrastreicher ausgeprägtes Würfelmuster auf. Die Unterseite ist weißlich bis schwach rötlich gefärbt mit einer schwarzen Fleckenzeichnung. Die Gesamtlänge beträgt zwischen 70 und 120 cm in Österreich, wobei die Weibchen stets größer und auch massiger sind.
Verbreitungkarte: Würfelnatter - Natrix tessellata (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Die Paarung findet nach der Winterruhe statt (s. oben), etwa 14 Tage nach Verlassen des Winterquartiers. Die Eiablage erfolgt hauptsächlich im Zeitraum von Ende Juni bis Anfang August. Die Anzahl der gelegten Eier schwankt zwischen 5 und 25 Stück, abhängig von der Größe des Weibchens. Durch die einschneidenden Lebensraumveränderungen fehlt es heute an vielen Orten an geeigneten Eiablagestellen. Deshalb werden oft künstliche Reproduktionsplätze wie Sägemehlhaufen oder Pferdemisthaufen aufgesucht. Gelegentlich kann es hier zu Eiablage-Vergesellschaftungen mit anderen Arten (Ringelnatter, Äskulapnatter) kommen. Die Länge der oval geformten und weißlichen Eier beträgt im Normalfall zwischen 30 bis 40 mm, die Breite 19 bis 24 mm. Jungtiere finden man ab Ende August. Über das Überwintern von Jungtieren im Gelege ist nichts bekannt.
Würfelnattern sind ausgesprochene Fischfresser. Amphibien und deren Larven werden nur in Ausnahmefällen erbeutet. Es gibt keine Bevorzugung für eine bestimmte Fischart, die Auswahl erfolgt vielmehr nach Verfügbarkeit und Größe der Nahrungstiere. Ihre Beute wird entweder schwimmend zwischen Steinen oder Totholz am Gewässergrund aufgestöbert oder durch Auflauern im Wasser erbeutet. Die Nahrungsaufnahme findet ausschließlich im Wasser statt.
Augrund ihrer Bindung an gut strukturierte Gewässer in wärmebegünstigten Lagen zählt die Würfelnatter zu den am meisten gefährdeten Reptilien in Österreich. Vor allem die großflächigen Veränderungen der Flußlandschaften während der letzten Jahrzehnte haben das Verbreitungsareal dieser Schlangeart drastisch eingeschränkt und fragmentiert. Durch Begradigungen und andere flußbauliche Maßnahmen gingen vielerorts wertvolle Strukturen wie Sonnenplätze und Winterquartiere verloren. Die Verunreinigung der Gewässer durch kommunale und industrielle Abwässer führte zu einer massiven Änderung und zum Rückgang der Fischfauna. Wichtige Sonnenplätze gehen aufgrund der großflächigen Ausbreitung von standortfremden Pflanzen („Neophyten“) und der oftmals fehlenden Flußdynamik, welche nach Hochwasserereignissen immer wieder offene Stellen schaffen würde, verloren.
Regional kann auch der Straßenverkehr erhebliche Verluste an Populationen fordern, wenn Straßen die Wander- und Ausbreitungskorridore entlang von Flüssen zerschneiden. Verschiedene Freizeitaktivitäten (Badebetrieb, Boote, usw.) und die daraus resultierenden Störungen an Gewässern können lokal eine Beeinträchtigung von Vorkommen darstellen. Eine direkte Verfolgung durch den Menschen spielt in Österreich keine Rolle, gelegentlich werden aber Würfelnattern von Fischern als „Beutekonkurrenten“ erschlagen.
Text: Hannes Hill |
11. März 2010
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