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Die Schling- oder Glattnatter ist nach der Ringelnatter die am weitesten verbreitete Schlangenart Österreichs. Trotzdem ist sie in der Bevölkerung aufgrund ihrer versteckten Lebensweise weitestgehend unbekannt und wird fast immer wegen ihres bei flüchtiger Beobachtung dem der Kreuzotter ähnlichen
Zeichnungsmusters mit dieser verwechselt.
Schlingnatter – Coronella austriaca Foto: © herpetofauna.at
Der Name Schlingnatter leitet sich von ihrem Verhalten ab, Beutetiere blitzschnell zu umschlingen, während der Name Glattnatter Bezug auf die ungekielten Schuppen nimmt. Selten werden auch die Namen Zornnatter, Haselnatter oder Kupfernatter für diese Schlangenart verwendet.
Das Verbreitungsgebiet von Coronella austriaca erstreckt sich über praktisch ganz Europa; sie fehlt nur im mittleren und äußersten Nordeuropa, auf Irland und fast allen Inseln im Mittelmeer. Mediterran beeinflusste Gebiete werden größtenteils gemieden. Außerhalb Europas kommt die Schlingnatter in Teilen Kleinasiens vor.
Coronella austriaca ist eine schlank wirkende Schlange deren Kopf wenig vom Körper abgesetzt ist. An den Kopfseiten verläuft von den Nasenlöchern beginnend eine dunkle Binde, die sich bis zum Hals fortsetzt, die Pupillen sind rund. Arttypisch ist der braune bis schwarze Fleck auf der Kopfoberseite, der eine herz- bis hufeisenförmige Gestalt aufweist. Dieser ist besondern bei Jungtieren sehr kontrastreich ausgeprägt. Die Körperschuppen sind ungekielt, die Grundfarbe variiert von grau (meistens Weibchen) bis braun (meistens Männchen).
Die Farbe der Unterseite ist dunkelgrau bis rötlichbraun und wirkt marmoriert. Jungtiere sind auf der Bauchseite stets orangerot gefärbt. Die Rückenzeichnung ist durch paarige oder gegeneinander versetzte dunkle Flecken charakterisiert, die bei manchen Individuen den Eindruck zweier undeutlicher Längsstreifen vermitteln können. Selten kann das Zeichnungsmuster auch durch kurze Querbinden, zusammenhängende Längsstreifen oder einer Leiterzeichnung geprägt sein.
unterschiedliche Farb- und Zeichnungsvariationen von Coronella austriaca
Bezüglich der Unterscheidung Zeichnungsmusters sei auf das Artkapitel „Kreuzotter“ verwiesen. Die Gesamtlänge beträgt im Normalfall 60-70 cm, in seltenen Fällen können einzelne Exemplare auch bis zu 80 cm lang werden.
Vergleich Schlingnatter l. Kreuzotter r.: Zick-Zack Zeichnung der Kreuzotter ist durchgehend
Die Schlingnatter ist in Österreich ein typischer Bewohner des Flach- und Hügellandes und dringt nur an klimatisch begünstigten Stellen weiter in die (sub-) alpine Zone vor. Während Funde bis 1000 m Seehöhe regelmäßig vorkommen, existieren nur wenige glaubwürdige Nachweise aus Höhenlagen von bis zu 1800 m. Abgesehen von alpinen Lagen und den strukturarmen Agrarlandschaften in Ostösterreich bestehen im Bundesgebiet keine größeren Vorkommenslücken, auch wenn die Verbreitungskarte dies teilweise suggerieren würde. Nachweisdefizite aufgrund ihrer versteckten Lebensweise sind der Hauptgrund für fehlende Fundpunkte.
Verbreitungskarte: Schlingnatter, Glattnatter - Coronella austriaca (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Verbreitungsschwerpunkte der Schlingnatter liegen in den klimatisch begünstigten Regionen Ost- und Südösterreichs. So ist sie beispielsweise in den großen Flusstälern Kärntens (Drau, Gail), in den Weinbaulandschaften der Thermenline (erstreckt sich südlich von Wien und bildet die Grenze zwischen dem Wiener Becken und dem Wienerwald) und der Wachau in Niederösterreich sowie in naturnah ausgeprägten Kulturlandschaften ein charakteristisches Reptil und gebietsweise auch die häufigste Schlangenart.
Hauptlebensräume dieser Natternart sind, so wie in weiten Teilen ihres restlichen Verbreitungsgebietes auch, strukturreiche Landschaften mit einem hohen Angebot an Versteck- und Sonnplätzen. Vorzugsweise findet man Schlingnattern im Bereich von Waldrändern, Gebüschsäumen, Trocken- bzw. Magerrasen, Steinbrüchen oder sonstigen Abbaugebieten sowie an Flussufern, unverfugten Trocken- steinmauern, Ruinengelände, Geröllhalden, Weingartenrändern und Bahndämmen.
Die Art ist hinsichtlich ihrer Lebensraumwahl sehr flexibel, entscheidend für ihr Vorkommen ist eine hohe Dichte an "Grenzlinienstrukturen", d. h. ein kleinräumiges Mosaik an stark bewachsenen und offenen Stellen, die idealerweise auch Strukturen wie Totholz, Steinansammlungen (Lesesteinhaufen, Blockwürfe o. ä.) und Altgrasbestände aufweisen. Gebietsweise dringt die Schlingnatter auch in Randbereiche von Siedlungen vor und ist dort vor allem in naturnah gepflegten Gärten sowie an unverfugtem Mauerwerk zu finden.
Gute Tarnung und eine versteckte Lebensweise zeichnen die Schlingnatter aus
Diese Natternart beendet je nach Höhenlage im April bis Anfang Mai ihre Winterruhe. Nach der anschließenden Paarungszeit verhalten sich die Tiere sehr standorttreu, sie wechseln ihr jeweiliges Territorium nur selten. Coronella austriaca ist vorwiegend bei feucht-warmen Witterungsverhältnissen aktiv. Ideale Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich bei Lufttemperaturen von 22-25 °C, stark bewölktem Himmel und hoher Luftfeuchtigkeit sowie nach längeren Regenperioden. Beim Ergreifen beißen die Tiere meistens zu. Der Biss ist jedoch völlig harmlos und schmerzlos.
Als lebendgebärende (ovovivipare) Art setzen die trächtigen Weibchen im Spätsommer 6-15 Junge in einer durchsichtigen Schleimhülle ab.
Die Schlingnatter gilt als spezialisierter Reptilienjäger. Während die Nahrung der Jungtiere fast ausschließlich aus jungen Blindschleichen, Eidechsen oder Schlangen besteht, verhalten sich die Adulttiere hinsichtlich ihrer Beutewahl deutlich flexibler. Sie jagen außerdem noch Kleinsäuger und Jungvögel sowie gelegentlich Amphibien oder Insekten. In den meisten Fällen wird der Nahrung aufgelauert, vor allem aber junge Säuger werden gezielt in ihren Bauen gesucht. Kommt das Beutetier in Reichweite der Schlange, so wir es blitzschnell gepackt, umschlungen und nach kurzer Zeit gefressen.
Trotz ihrer weiten Verbreitung in Österreich zählt die Schlingnatter zu den bedrohten Tierarten, in der aktuellen "Roten Liste" wird sie als "gefährdet" eingestuft. Als Hauptgründe für den gebietsweise starken Rückgang sind in erster Linie Zerstörung bzw. Beeinträchtigung ihrer Lebensräume zu nennen. Durch die zunehmende Intensivierung in der Land- und Forstwirtschaft sind vielerorts wertvolle Strukturen wie Waldränder, Gebüschsäume oder Lesesteinhaufen zerstört worden.
Besonders dramatisch haben sich Kommassierungsmaßnahmen auf Lebensräume der Schlingnatter und vieler anderer Tierarten ausgewirkt. Auch der daraus resultierende Rückgang ihrer Hauptbeute (Reptilien) trägt zur Gefährdung von Coronella austriaca bei. Das Töten von Tieren aus Unwissenheit und Angst hat in der heutigen Zeit keine relevanten Auswirkungen auf Populationen, kommt aber immer wieder vor. Oftmals auch in Gebieten, in denen es keine Giftschlangen gibt.
Text: Johannes Hill
seit dem 21. November 2008 wurde diese Seite 24436 mal aufgerufen
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2. Sept 2010
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