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Die zur Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) gehörende
Zauneidechse (Lacerta agilis) stellt neben der Bergeidechse die
in Österreich häufigste und
am weitesten verbreiteste Eidechsenart dar. Sie besiedelt die Großlandschaften
aller Bundesländer mit Ausnahme der hochalpinen Lagen.
Zauneidechse Männchen (Lacerta
agilis)
Auch wenn die Art hinsichtlich ihrer Habitatwahl weniger anspruchsvoll ist als die nah verwandte Smaragdeidechse, benötigt sie doch einen reichhaltig strukturierten Lebensraum. Da dieser in der Kulturlandschaft selten geworden ist und Biozideinsatz in der intensiven Landwirtschaft sowie frei laufende Katzen im Siedlungsbereich diese Eidechsenart dezimieren, ist vielerorts ein Rückgang der Bestände zu verzeichnen.
Das große Gesamtareal wird von der Zauneidechse in mehreren Unterarten besiedelt und reicht von Schweden, Finnland und dem südlichen Großbritannien im Norden bis Nordgriechenland und zum Kaukasus im Süden und von den Pyrenäen im Westen bis nach Nordwestchina im Osten. Ihr Vorkommen deckt sich größtenteils mit dem der Bergeidechse.
Diese kräftig gebaute Eidechsenart weist einen großen, hohen, kurz- und rundschnäuzigen Kopf auf. Ihr Körperbau ist vergleichsweise plump und gedrungen. Der Körper ist nicht abgeflacht. Die Iris der Augen ist rot bis golden-gelblich gefärbt. Die Beine sind kurz, der relativ dicke, sich langsam verjüngende Schwanz ist ca. eineinhalb mal so lang wie die Kopf-Rumpf-Länge und hat keine lang ausgezogene Spitze. Bei gleicher Kopf-Rumpf-Länge weisen die Männchen größere Kopflängen, die Weibchen größere Rumpflängen auf. Eine Gesamtlänge von 22 cm wird selten überschritten, wobei allerdings bereits 18-20 cm lange Tiere als sehr groß zu bezeichnen sind.
Färbung und Zeichnung:
Adulte Männchen zeigen besonders zur Paarungszeit (Ende April bis Mitte Juni) grüne Körperseiten und eine grüne Kehlregion, meist haben auch die Vorderbeine eine grüne Färbung. Die Kopfplatte ist dunkel, Rückenmitte und Schwanz haben eine braune Grundfarbe, auf der dunkle Flecken mit hellen Augenpunkten und helle Längsstreifen ein beinahe geometrisches Muster ergeben. Die Bauchseite der Männchen ist hellgrün und schwarz gefleckt, die Hinterbeine und der Schwanz sind bräunlich.
Das oberseits und an den Flanken hellgrau, gelbbraun oder braun gefärbte Weibchen weist eine ähnlich kontrastreiche Zeichnung wie das Männchen auf, seine Bauchseite ist cremeweiß oder gelb und meist fleckenlos.
Jungtiere haben eine auffällige Jugendzeichnung mit zwei bis drei Reihen weißer Augenflecken an den Flanken, die Unterseite ist cremefarben bis hellgelb. Eine Färbungsvariante mit einem einfärbig rotbraunen Rückenband (Erythronotus-Form) kann auftreten. Sehr selten können Männchen mit grüner Oberseite oder mit bläulichen Kehlen gesichtet werden (Verwechslungsmöglichkeit mit der Smaragdeidechse).
In Österreich bewohnt die Zauneidechse alle Bundesländer in Höhenlagen zwischen 115 und 1700 m. Das Artareal besitzt in Westösterreich seine Südgrenze, ansonsten schließen die österreichischen Bestände an Vorkommen im benachbarten Ausland an.
Verbreitungskarte: Zauneidechse - Lacerta agilis (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Die euryöke (wenig spezialisierte) Art besiedelt Kiesgruben, Steinbrüche, Ruderalflächen, Trockenrasenbereiche, Straßenböschungen, Feldraine, Waldränder, Bahndämme, Parks, Gärten und Friedhöfe. Sie zeigt eine Vorliebe für offene, reichhaltig strukturierte Landschaften. Trockene Stellen mit niedrigem, buschigem Pflanzenbewuchs in S-SO- oder SW Exposition werden bevorzugt. In höheren Lagen werden vor allem südexponierte Hänge bewohnt. Das Vorhandensein vegetationsfreier, offener Stellen ist für die Eiablage unerlässlich. Steine, freie Bodenstellen, Holzpfosten, Totholzhaufen oder ähnliche, sich schnell erwärmende bzw. die Wärme gut speichernde Strukturen werden als Sonnplätze genützt. Oft befinden sich daneben dichte Vegetationsstrukturen als Fluchtmöglichkeit.
Ende März, Anfang April beginnt die Jahresaktivität, diese endet je nach Witterungsverhältnissen bei den Jungtieren Mitte bis Ende Oktober, während sich adulte Eidechsen zumeist schon im September in die Winterverstecke zurückziehen. Im Frühjahr erreicht die Tagesaktivität zu Mittag ein Maximum, im Sommer kann man eine zweigipfelige Aktivitätskurve (Vormittag, Nachmittag) feststellen. Die Vorzugstemperatur beträgt 38,6°C.
Als Nahrung dienen vor allem Arthropoden (Gliederfüßer) geeigneter Größe. Unter den zahlreichen als Nahrung dienenden Insektenarten finden sich auch Wespen, Bienen, Ameisen, Marienkäfer und Feuerwanzen. Auch Spinnen, Tausendfüßler, Würmer und kleinere Reptilien (z.B. junge Bergeidechsen) zählen zum breiten Nahrungsspektrum der Art.
Prädatoren:
Flucht-Abwehrverhalten:
Die standorttreue Zauneidechse legt selten Entfernungen von mehr als 100 m zurück, zur Paarungszeit ist ihr Aktionsradius größer. Die Minimalgröße eines Habitats schwankt zwischen 400 und 1000 m², ein Individuum benötigt dabei ca. 25 m² Lebensraum.
Die Zauneidechse ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) in Anhang IV und in der Roten Liste Österreich in Anhang 3 gelistet.
Text: Rudolf Klepsch |


