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Die kroatische Gebirgseidechse (Iberlacerta horvathi) wurde erst 1986 von Grillitsch & Tiedemann für Österreich nachgewiesen. Diese Art, deren nächste Verwandte die iberische Halbinsel bewohnen, ist in Österreich südlich des Alpenhauptkammes in Kärnten und Osttirol beheimatet. Ein Vorkommen, das Ende der 80er Jahre im Karwendelgebirge nachgewiesen wurde, dürfte auf Aussetzung zurückgehen und ist aller Wahrscheinlichkeit bereits wieder erloschen.
Kroatische Gebirgseidechse – Iberolacerta horvathi (Foto: © herpetofauna.at)
Es handelt sich um eine schlanke Eidechse mit spitzem abgeflachtem Kopf. Die hell- gelbbraune manchmal auch grünlich schimmernde oder graue Rückenfärbung geht in einem gezackten Übergang in die immer wesentlich dunklere Flankenfärbung über. Meist wird der helle Rücken durch eine dunkle dünne Mittellinie sowie einige schwarze Flecken verziert. An der Flanke entsteht ein besonderer Kontrast, da der Rücken nach außen hin heller und das Flankenband, das im inneren rötlichbraun gefärbt ist, dunkel umrandet ist. Der schlanke Schwanz ist ausgesprochen lang und erreicht etwa die doppelte Kopf-Rumpf Länge.
Ausgewachsene Eidechsen messen etwa 20 cm Gesamtlänge bei einer maximalen KRL von ca. 6 cm. Die Bauchseite ist ungefleckt weiß oder gelblich gefärbt, niemals aber rötlich! Es bestehen nur sehr geringe Geschlechtsunterschiede: Während männliche Tiere etwas größere Köpfe und längere Schwänze aufweisen, besitzen weibliche Tiere im Durchschnitt mehr Bauchschilderquerreihen. Jungtiere weisen manchmal eine auffällig blaue Schwanzfärbung auf.
Unterschied I. horvathi - P. muralis - Foto: www.herpetofauna.at
Im Gegensatz zur Beschuppung der Mauereidechse berühren sich das Rostrale und das Frontonasale deutlich auf einer horizontalen Linie, während bei P. muralis die in Verbindung stehenden seitlichen Supranasale diese Verbindung verhindern (sh. Abb.) Weiters berühren sich bei Iberolacerta horvathi die Präfontale an einer deutlich längeren Linie als bei der Mauereidechse.
Iberolacerta horvathi erreicht in Österreich seine nördliche Verbreitungsgrenze. Das relativ kleine Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich im Norden von der karnischen Region (Osttirol, Kärnten, Friaul) und Nordslowenien über die küstennahen Gebirge Kroatiens (Ucka, Velebit, Kapelagebirge) bis in die Gegend von Šibenik im Süden. Trotz des teilweise zerrissenen Verbreitungsgebietes (gewisse Verbreitungslücken könnten bei intensiver Nachsuche noch geschlossen werden) zeigt die Art eine sehr homogene Erscheinung, daher sind auch bisher keine Unterarten beschrieben worden.
Die kroatische Gebirgseidechse kommt in Österreich schwerpunktmäßig in den Karnischen Alpen sowie vereinzelt in den Karawanken in Kärnten vor. Einzelne Funde sind kürzlich auch aus den Gailtaler Alpen auf Kärntner und Osttiroler Seite gemeldet worden. Die Nachweise vom Achenpaß in Nordtirol aus den 90er Jahren dürften auf ausgesetzte Tiere zurückgehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das dortige Vorkommen mittlerweile wieder erloschen.
Verbreitungkarte: Kroatische Gebirgseidechse – Iberolacerta horvathi (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Die kroatische Gebirgseidechse ist spezialisiert auf humide, kühle steinig – felsige Lebensräume mit reichlichen Spaltensystemen. Häufig findet man die Art im Bereich von Felsblöcken oder Geröllhalden, die mit Moosen bewachsen sind und von Tropfwasser beeinflusst sind. In Wäldern kommt die Art in der Nähe von Bachläufen vor, häufig im Bereich der Ufer, die von Steinen, Geröll und Sträuchern geprägt sind.
Lebensraum von I. horvathi in den Karnischen Alpen - Foto: www.herpetofauna.at
Über die Lebensweise dieser Art ist noch nicht sehr viel bekannt. Die Aktivitätsperiode dürfte von Anfang Mai bis Mitte Oktober dauern und ist natürlich von Faktoren wie der Seehöhe, den Witterungsverhältnissen, Exposition etc. abhängig. Die Eidechsen dürften recht friedfertig sein, da in geeigneten Habitaten enorme Dichten vorkommen und kaum Rivalitäten untereinander festzustellen sind.
Die friedfertige Art kommt zuweilen in hohen Dichten vor - Foto: www.herpetofauna.at
Ein auffallendes, aber noch nicht ausreichend erforschtes Phänomen ist die tägliche Aktivitätsperiode: Nach eigenen Beobachtungen wurden die Eidechsen am Vormittag in hohen Dichten angetroffen, während am Nachmittag nur noch sehr wenige oder gar keine Eidechsen mehr gesichtet werden konnten. Bezüglich ihrer Nahrung dürfte die Art wenig selektiv sein, und alle möglichen Insekten, Spinnentiere sowie Schnecken vertilgen.
Über die Fortpflanzung der kroatischen Gebirgseidechse ist noch nicht sehr viel bekannt. Die friedfertige Art verteidigt offensichtlich im Gegensatz zu anderen heimischen Eidechsen kein Territorium und Weibchen dürften gemeinsame Eiablageplätze nutzen. Jährlich wird pro Weibchen ein Gelege abgesetzt, welches aus 3-5 Eiern besteht. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa 6 - 8 Wochen. Die Eidechsen dürften in ihrem 3. Lebensjahr die Geschlechtsreife erreichen.
Die kroatische Gebirgseidechse ist eine für Österreich bemerkenswerte Art, die auf den ersten Blick mit der Mauereidechse verwechselt werden kann. Sie ist ein Lebensraumspezialist, kann aber in geeigneten Gebieten in sehr hohen Dichten vorkommen. Für diese erst seit wenigen Jahrzehnten für Österreich nachgewiesen Art besteht noch Forschungsbedarf in Bezug auf die Lebensweise, Fortpflanzung sowie auf die tatsächliche Verbreitung sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene.
Bischoff W. 1984: Lacerta horvathi Mehely 1904 – Kroatische Gebirgseidechse in: Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas, S. 265 – 275. Hrsg. Wolfgang Böhme, Band 2/1 Echsen II (Lacerta); AULA Verlag, Wiesbaden, ISBN 3-89104-000-8
Günther R. 1996: Kroatische Gebirgseidechse – Lacerta horvathi Mehely, 1904. in Die Amphibien und Reptilien Deutschlands S 580 – 588. Hrsg. Rainer Günther. Gustav Fischer Verlag, Jena, ISBN 3-437-35016-1
Text: Thomas Bader |
17. März 2010
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