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Die Ringelnatter Natrix natrix ist die am weitesten verbreitete Schlangenart Österreichs
und durch ihr stellenweise häufiges Erscheinen in der Bevölkerung recht gut
bekannt. Meist trifft man sie an Ufern von stehenden oder fließenden Gewässern,
wo sie ihre bevorzugte Beute (Amphibien und Fische) jagt. Das Verbreitungsgebiet
erstreckt sich über praktisch ganz Europa; sie fehlt nur im äußersten Norden
Europas, auf Irland und einigen Inseln im Mittelmeer. Außerhalb Europas kommt
die Ringelnatter im westlichen Nordafrika, Teilen Kleinasiens sowie bis in
das westliche China vor.
Ringelnatter – Natrix natrix
In Westösterreich (Teile Vorarlbergs und westliches Nordtirol) besteht eine Überschneidungszone mit der westlichen Unterart der Ringelnatter (Barren-Ringelnatter: ssp. helvetica). Tiere dieser Populationen weisen breite und dunkle Querbarren an den Flankenseiten auf. Außerdem ist bei der Barren-Ringelnatter der schwarze Hinterhauptfleck stärker ausgezipfelt. Die Unterseite ist weißlich gefärbt mit einer schwarzen Fleckenzeichnung. Im östlichen und südlichen Österreich findet man gelegentlich Exemplare mit zwei hellen Längsstreifen, die charakteristisch für die östliche Unterart (Streifen-Ringelnatter: ssp. persa) sind. Der systematische Status dieser beiden Unterarten ist jedoch umstritten, da Übergänge klinal (fließend) verlaufen und es im nördlichen Adriagebiet eine breite „Überschneidungszone“ gibt.
Die Gesamtlänge beträgt zwischen 80 und 140 cm in Österreich, wobei die Weibchen stets größer und auch massiger sind.
In Österreich existieren die höchsten Populationsdichten in den großen Augebieten an der Donau, Mur, March, Salzach und Drau sowie im Bereich des Neusiedlersees. Außerdem ist die Ringelnatter häufig in den Teichlandschaften des Waldviertels und der Südoststeiermark anzutreffen.
Verbreitungskarte: Ringelnatter - Natrix natrix (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Die Ringelnatter besiedelt vorzugsweise größere, reich strukturierte Feuchtgebiete wie Teiche, Seen, Sümpfe, Auwälder, Ränder von Bächen und Flüssen, außerdem Sand-, Steinbruch-, und Kiesgrubengewässer sowie in Siedlungsbereichen regelmäßig Schwimm- und Gartenteiche. Man kann diese Art auch erstaunlich weit entfernt von Gewässern antreffen, vor allem an Waldrändern, Bahndämmen, Kahlschlägen, Parkanlagen und in Abbaugebieten.
Ihre Lebensräume sind in der Regel durch naturnahe Uferbereiche, ein hohes Angebot an Sonn- und Versteckplätzen sowie einem großen Angebot ihrer Beutetiere charakterisiert.
Im Frühjahr handelt es sich dabei im überwiegenden Maße um Uferbereiche von Feuchtgebieten (siehe Lebensräume). Da die meisten Amphibienarten nach der Fortpflanzung ihre terrestrischen Lebensräume aufsuchen, folgen gebietsweise auch Ringelnattern ihren Beutetieren nach.
Ergriffene Ringelnattern beißen nur in seltenen Fällen. Es kommt gelegentlich zu einem sogenannten „Totstellreflex“, bei dem das Tier erschlafft, das Maul öffnet und die Zunge heraushängen lässt. Gefangene Exemplare scheiden oftmals ein übelriechendes, milchig weißes Sekret aus ihren Analdrüsen aus.
Die Paarung findet nach der Winterruhe statt (siehe oben), etwa 14 Tage nach Verlassen des Winterquartiers. Kopulationen können von Ende April bis Mitte Juni beobachtet werden, selten kommt es zu Herbstpaarungen. Die Eiablage erfolgt hauptsächlich im Zeitraum von Ende Juni bis Anfang August. Die Anzahl der gelegten Eier schwankt zwischen 5 und 30 Stück, abhängig von der Größe des Weibchens.
Durch die einschneidenden Lebensraumveränderungen fehlt es heute an vielen Orten an geeigneten Eiablagestellen. Deshalb werden oft künstliche Reproduktionsplätze wie Sägemehlhaufen oder Pferdemisthaufen aufgesucht. Gelegentlich kann es hier zu Eiablage-Vergesellschaftungen mit anderen Arten (Würfelnatter, Äskulapnatter) kommen, auch Masseneiablageplätze sind bekannt. Die Länge der oval geformten und weißlichen Eier beträgt 25 bis 35 mm, die Breite 19 bis 24 mm. Jungtiere findet man ab Ende August. Über das Überwintern von Jungtieren im Gelege ist nichts bekannt.
Diese Art ernährt sich in Mitteleuropa überwiegend von Amphibien und Fischen. Bevorzugt werden Braun- und Wasserfrösche sowie Kaulquappen gefressen. Vor allem im Frühjahr zählen aber auch Molche und Kröten zum Beutespektrum. Das Fressen von Feuersalamandern und Unken wurde in Österreich schon beobachtet, kommt aber aufgrund der starken Hautgifte dieser Arten nur selten vor. Im Gegensatz zur Würfelnatter jagt die Ringelnatter im Wasser nicht gezielt zwischen Steinen und lauert auch nicht am Gewässergrund ihren Nahrungstieren auf.
Trotz ihrer großen Verbreitung in Österreich zeichnen sich regional Rückgänge ab. Vor allem in den Agrarlandschaften Ostösterreichs und in einigen inneralpinen Tallandschaften (z. B. Salzach- und Inntal) erlitt die Art in den letzten Jahrzehnten starke Bestandseinbrüche. In diesen Gebieten wurden durch großflächige Zerstörung von Feuchtgebieten in Zuge von Flussregulierungen und der Intensivierung der Landwirtschaft die Lebensräume von Amphibien, den Hauptbeutetieren der Ringelnatter, stark reduziert.
Text: Johannes Hill |
9. Feb 2010
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