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Die Äskulapnatter, Zamenis longissimus oder Elaphe longissima, so wurde sie noch bis vor kurzem genannt, ist die größte Schlangenart Mitteleuropas. Die ungiftige und absolut harmlose Natter hat schon seit Jahrtausenden in der europäischen Kultur und Religion ihren Platz gefunden. Benannt ist sie nach dem griechisch-römischen Gott der Heilkunst, Asklepios, der in antiken Darstellungen stets mit einer Schlange dargestellt wurde. Noch heute ist der „Äskulapstab“ das Berufssymbol der Ärzteschaft.
Äskulapnatter - Zamenis longissimus (Foto: Christoph Riegler © herpetofauna.at)
Der Verbreitungsschwerpunkt der Äskulapnatter liegt im europäischen Mittelmeerraum. Das rezente europäische Artareal der Äskulapnatter erstreckt sich im Westen von Nordspanien über das nordwestliche, mittlere und südliche Frankreich, den Süden der Schweiz, ganz Italien und Sizilien, Österreich, die Slowakei, sämtliche Balkanstaaten sowie Moldawien und die südliche Ukraine im Osten. Auf Sardinien wurde die Äskulapnatter in historischer Zeit eingeschleppt. Isolierte Populationen am nördlichen Arealrand existieren in Mitteldeutschland, im Nordwesten der Tschechischen Republik sowie in Süd-Polen. In Mittel- und Süditalien, etwa ab Rom, lebt die Italienische Äskulapnatter, Zamenis lineatus, die früher als Unterart „romana“ geführt wurde. Zahlreiche Fossilfunde belegen eine mehrfache interglaziale Besiedelung des nördlichen Mitteleuropa durch Zamenis longissimus. Ein Vorkommen in Süd-Dänemark ist im 19. Jahrhundert aus klimatischen Gründen erloschen.
Die Äskulapnatter ist die größte der sechs in Österreich vorkommenden Schlangenarten. Die kräftige und dennoch schlank wirkende Natter kann eine Länge von über 2 Metern erreichen, ist meist jedoch unter 1,50 m lang. Der Kopf mit der abgerundeten Schnauze ist schmal, relativ klein und ist vom Halsbereich leicht abgesetzt. Die Kopfoberseite ist zeichnungslos und oft reicht ein dunkles Schläfenband vom Auge zum Hals. Die Augen sind relativ groß mit runden Pupillen. Die Grundfarbe der Körperoberseite ist meist einfärbig gelbbraun, olivfarben, braun bis schwarzbraun. Der Kopf- und Halsbereich ist häufig heller als der übrige Körper. Die Bauchseite ist blassgelb bis zitronengelb. Die Körperschuppen sind glatt und glänzend. Zahlreiche Rücken- und Flankenschuppen sind durch weiße Ränder ausgezeichnet, wodurch eine leichte längsgerichtete Strichelzeichnung entsteht. Die breiten Bauchschilder reichen beiderseits bis auf die Flanke und haben einen schwach ausgeprägten Kiel (Kletterhilfe), sodass bei einer am Boden liegenden Schlange ein gelber Längsstreifen zu sehen ist. Die Jungtiere sind auffälliger gezeichnet mit großen, dunklen Flecken am Rücken, dunkler Querbinde über der Schnauze und beiderseits hellgelben Nackenflecken (ähnlich der Ringelnatter). Äskulapnattern schwimmen auch gut.
Vorkommensschwerpunkte dieser thermophilen Reptilienart in Österreich sind vorwiegend außeralpine Landschaften der submontanen Höhenstufe mit Jahreswärmesummen über 100°C und einer mittleren Jahresniederschlagsmenge unter 1000 mm. Inneralpine Tallagen werden gemieden, Isolate sind jedoch vorstellbar, wenn man berücksichtigt, dass die Äskulapnatter in wärmeren zwischen- und nacheiszeitlichen Perioden wesentlich weiter verbreitet war als heute. Ein Schwerpunkt der Fundmeldungen liegt im Bereich zwischen 200 und 600 m Seehöhe (niedrigster Fundort: 115 m vom Neusiedlersee-Ostufer; höchster Fund: 1.623 m in den Kärntner Karawanken). Funde der Äskulapnatter über 1000 m Seehöhe sind jedoch selten und beschränkt auf klimatisch begünstigte Hanglagen.
Verbreitungkarte: Äskulapnatter - Zamenis longissimus (Datenstand 1996) © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich
Im Allgemeinen erfolgt die Paarung im Zeitraum Mai bis Juni wird aber von den jeweiligen Klima- bzw. Witterungsbedingungen beeinflusst, genauso wie die Eiablage, die in den Monaten Juni und Juli erfolgt. Die Größe der Gelege liegt im Bereich von 2-11 Eiern und kann stark variieren was durch Faktoren wie Grösse des Muttertiers, klimatische Bedingungen, Ernährungszustand und Futterangebot beeinflusst wird. Die Ermittlung der Gelegegröße im Freiland wird erschwert, da die Äskulapnatter gemeinsam mit arteigenen und artfremden (Natrix natrix – Ringelnatter) Weibchen Masseneiablageplätze aufsuchen kann.
Als Eiablageplätze kommen natürliche, mulmgefüllte Baumhöhlen in Betracht, bzw. Substrate anthropogener Herkunft wie Kompost- oder Sägemehlhaufen. Die Eier von Zamenis longissimus sind mattweiß, länglich bis birnenförmig, mit deutlichen Längsriefen versehen und weisen eine Länge von 35-60 mm auf. Nach etwa 6 Wochen kommt es zum Schlupf der Jungtiere mit einer Länge von durchschnittlich 120-380 mm.
Nach dem ersten Lebensjahr erreichen die Jungtiere eine Länge von ca. 400 mm und zeigen noch die typische Jugendfärbung. Nach dem zweiten Lebensjahr beträgt die Gesamtlänge 500 bis 600 mm und die Jugendzeichnung ist nur noch am Kopf erhalten. Die Geschlechtsreife tritt nach 5-6 Jahren ein, wobei die Weibchen bis dahin eine Gesamtlänge von rund einem Meter erreicht haben.
Das Beutespektrum der Äskulapnatter ist breit gefächert und umfasst vorwiegend Mäuse, Ratten, Maulwürfe, Vogeleier, nestjunge Vögel und Eidechsen. Juvenile Exemplare nehmen im Vergleich zu adulten Exemplaren wesentlich weniger Nahrung auf, wobei zu erwähnen ist, dass Jungtiere im Geburtsjahr nur ausnahmsweise Nahrung zu sich nehmen (Schlupf 1. Septemberhälfte, anschließend 1-3 Wochen Häutungszustand). Die Jagd und Nahrungsaufnahme findet großteils tagsüber statt und die meiste Nahrung wird im Mai aufgenommen. Die erfasste Beute wird erdrosselt und in der Regel mit dem Kopf voran verschlungen. Eine adulte Äskulapnatter kann während einer Aktivitätsperiode bis zu 70 Beutetiere verzehren.
Die Äskulapnatter ist durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang IV) EU-weit geschützt und wird in den Roten Listen der einzelnen Bundesländer zu meist als „gefährdet“ eingestuft. Gefährdungsursachen sind vor allem landwirtschaftliche Intensivierungsmaßnahmen, die eine allgemeine Verschlechterung der Lebensräume, weniger Nahrung und knapper werdende Eiablageplätze sowie Überwinterungsquartiere bewirken.
Text: Christoph Riegler |
12. März 2010
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