Herpetologische Exkursion durch den Oman: 4. - 17. Feb. 2009
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ein Bericht von Thomas Bader, Gerald Ochsenhofer und Christoph Riegler
 

 

 

Tag 8 (11-Feb-2009): Das Jebel Shams HochlandGPS Track

 

Am nächsten Tag entschlossen wir uns, das zweite Hochplateau westlich des Jebel Shams sowie den über 3000 Meter hohen Gipfel selbst zu besuchen. Unterwegs stoppten wir noch kurz in der Ebene vor dem Jebel Akhdar–Massiv und staunten nicht schlecht, als wir etwas abseits der Straße auf einen frühstückenden Radtramper aus Deutschland mitsamt Zelt trafen. Es stellte sich heraus, dass er sich mitten in einer Tour durch die Emirate und den Oman befand und sein nächstes Ziel an diesem Tag ebenfalls der Jebel Shams war – ein, in Anbetracht des vielen Gepäcks sowie der wartenden 2000 Höhenmeter (..ganz zu schweigen von den Temperaturen..), beachtliches Vorhaben!

Road to the Jebel Shams Highland; CR

Straße auf das Jebel Shams Plateau


Kurz vor Beginn der Passstraße legten wir noch einen zweiten Zwischenstopp bei den wirklich sehenswerten Ruinen der Ortschaft Ghul ein. Die Häuser dieses Dorfes wurden, perfekt dem felsigen Untergrund angepasst, an den Hang „angeschmiegt“ und verschwimmen somit schon aus kurzer Entfernung betrachtet mit dem Berg. Am Hangfuß unterhalb Ghuls befinden sich dem Anschein nach sehr fruchtbare Böden, die auch jetzt noch bewirtschaftet werden.

 

Schließlich weiter oben in den Bergen angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einer sehr seltenen Schlange, welche angeblich nur in den hohen Bereichen dieses Gebietes vorkommt - Pseudocerastes persicus persicus. Bis jetzt wurden nur wenige Exemplare gefunden und leider gelang auch uns, trotz einiger Suche, kein Nachweis. Stattdessen gab es einige unter anderem auch auf Bäumen recht agile Ziegen, sowie, die Herpetologie betreffend, nur Pristurus rupestris.


In Anbetracht dieser doch eher bescheidenen Ausbeute fuhren wir weiter zu einigen Aussichtspunkten westlich des Jebel Shams und genossen den wirklich herrlichen Ausblick in die höchsten Berge des Hajar-Massives. Direkt an diesen Aussichtspunkten waren auch einige kleine „Verkaufsstände“, wo man Andenken wie kleine Anhänger oder verschiedenste Schafswoll–Handarbeiten, aber auch Fossilien kaufen konnte.
Leider gelang es uns schlussendlich nicht, den Gipfel des höchsten Berges des Omans, den Jebel Shams (die Höhenangaben schwanken zwischen 2,980 und 3,075m), zu erklimmen, da er sich in einem militärischen Sperrgebiet befindet und uns die Fahrt dorthin von Soldaten verwehrt wurde.


Wieder auf der Rückfahrt wurden wir während eines längeren Stopps von Einheimischen eingeladen, ihre Gärten sowie ein unterirdischen Falaj–System zu besichtigen. Die Höhlen waren ziemlich eng, und so war nach einigen Metern kein Vorankommen mehr möglich. Trotzdem schafften wir es noch bis in die komplett dunklen Teile, wo einige Fische zu finden waren. Nicht vorbereitet auf diesen Höhlentrip und folglich auch ohne Netz blieben diese leider unbestimmt. In den Gärten fanden wir noch Bufo arabicus. Trotz der Information der Bauern, dass es hier viele Schlangen gäbe, trafen wir leider kein einziges Reptil, möglicherweise, weil die Nachmittagszeit nicht optimal war, um aktive Tiere beobachten zu können.


Auf Werners Drängen nach diesen eher bescheidenen Erfahrungen in den steinigen und felsigen Gebieten fuhren wir wieder zurück in die sandigeren Gegenden bei Manah. Dort fanden wir  ein paar Acanthodactylus opheodurus sowie Bunopus tuberculatus – und auch unseren ersten großen Acanthodactylus boskianus. Leider gelang nur ein sehr schlechtes Bild, das Tier war einfach zu schnell und verschwand dann schließlich unauffindbar in einem Busch. An Anbetracht dieses vielversprechenden Habitats – locker bebuschter und verdichteter sandiger Boden mit vielen Kleinsäuger- sowie Insektenbauten beschlossen wir, nach dem Abendessen nochmals zurück zu kommen.

 

Gesagt, getan – via GPS gelang es uns, den Platz wieder zu finden. Was zwar am Tag eine leichte Übung darstellt, aber in der Nacht, speziell in Gegenden mit wenigen Anhaltspunkten trotz GPS eine ziemliche Sucherei sein kann. (Tipp am Rande: Gebiete für Nachtexkursionen immer zuerst tagsüber genau auskundschaften!). Ausgerüstet mit den Strahlern suchten wir speziell bei Büschen nach Tierspuren und so dauerte es nicht lange bis uns jeweils ein Individuum von Stenodactylus leptocosymbotes und Bunopus spatalurus durch die Lichtkegel kroch. Kurze Zeit später meldete Christoph plötzlich via Funkgerät den Fund einer Schlange. Der Rest der Exkursionstruppe machte sich natürlich sofort zu dem Fundpunkt auf und schließlich wurde das Tier als eine juvenile Diademnatter (Spalerosophis diadema cliffordi) identifiziert. Diese Schlange war im Oman nur selten beobachtet worden, was möglicherweise auch in der versteckten Lebensweise begründet liegt – jedenfalls war dieses schöne Tier ein wirkliches Highlight!


Nur Minuten später funkte Gerald den Fund einer Sandrasselotter durch. Die sandigen Gebiete werden von der (Unter-)Art Echis carinatus sochureki besiedelt – im Gegensatz dazu kommt Echis omanensis in steinigen Habitaten, wie beispielsweise Wadis in den Hügelländern, vor. Die Schlange war ca. 35 cm lang und lag unter einem Stein, welchen wir bei unserer nachmittäglichen Exkursion schon einmal umgedreht hatten!


Nach diesen tollen Funden fuhren wir noch in das alte Zentrum von Manah. In den alten Stadtteilen waren an den Mauern einige Ptyodactylus hasselquisti – eine flinker nachtaktive Geckoart – unterwegs, allerdings gelang es trotz einiger Versuche nicht ein Tier vor die Linse zu bekommen. Stattdessen erwischten wir noch einen an einer unverfugten Mauer schlafenden Pristurus gallagheri.


Da es mittlerweile sehr spät war und am nächsten Tag eine weite Reise bevorstand, war es auch der letzte Fund dieses Tages und wir entschlossen uns, die Fahrt Richtung Bett anzutreten.


Nach diesen beeindruckenden Beobachtungen in der Nacht waren wir  auf jeden Fall wunschlos glücklich!

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Bilder Tag 8: Über die Berge nach Nizwa (27 Fotos)

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Tag 9 (12-Feb-2009): Von Nizwa in die Wahiba Sands Wüste

 

Tagesübersicht und Karte

 

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