Herpetologische Exkursion durch den Oman: 4. - 17. Feb. 2009
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ein Bericht von Thomas Bader, Gerald Ochsenhofer und Christoph Riegler
 

 

 

Tag 13 (16-Feb-2009): Highlights an der Ostküste GPS Track

 


Mittlerweile war der letzte ganze Exkursionstag im Oman angebrochen und immer noch fehlten uns einige wichtige Arten. Wir entschlossen uns also, nochmals die sandigen Flächen entlang der Ostküste zu besuchen, da unsere letzten Exkursionen dorthin sehr erfolgreich waren. Ca. 60 km müssen mit dem Auto zurückgelegt werden, um zu den Ausläufern der sandigen Gebiete zu kommen. Dieses Mal fuhren wir weiter weg von der Hauptstraße in weniger anthropogen beeinflusste Bereiche mit dem Ziel, vielleicht dort auf größere Arten zu stoßen.


Varanus griseus; CR

Varanus griseus


Zuerst fanden wir nur die im Osten Omans häufigen Arten  Pristurus carteri und P. minimus. Nach kurzer Suche konnte Gerald schließlich auch einen der selten beobachteten Stenodactylus arabicus ausmachen. Dieser filigrane (verlieren den Schwanz sehr leicht) nachtaktive Gecko hat mit “Schwimmhäuten” versehene Zehen und kann sich somit sehr einfach im Sand fortbewegen.

Nachdem alle den Fund fotografiert hatten wanderten wir weiter durch die spärlich bewachsenen Dünen, bis Thomas plötzlich irgendetwas über einen Waran durchfunkte. Das machte uns natürlich sofort hellhörig und wir liefen zu ihm, um herauszufinden, was los war. Als wir ankamen erzählte er uns, dass ein Waran aus seiner Höhle herausgeschaut hatte, nun aber wieder drinnen verschwunden sei. Also machten wir uns daran, vorsichtig diesen Bau auszugraben und konnten schon kurze Zeit später in einem daneben liegenden Loch den Schwanz sehen. Dass wir nun Ein- und Ausgang des Baues kannten, erleichtere die Sache sehr, und wenig später konnte Thomas den Waran mit seinen Händen fixieren. Allerdings machte der Waran immer noch keine Anstalten aus dem Loch herauszukommen - im Gegenteil, er erwies sich als äußerst stark und hartnäckig - und somit benötigte es noch etwas Zeit, bis wir das Tier vorsichtig freigelegt hatten. Nun konnten wir den ganzen Wüstenwaran (Varanus griseus) begutachten. Es war ein wunderschönes subadultes, gelb-schwarz gefärbtes Tier mit leicht rosa gefärbten Flanken bzw. Schwanz und ca. einem Meter Länge. Nachdem er sich beruhigt hatte, konnten wir einige schöne Bilder aufnehmen und ließen ihn nach der Fotosession wieder frei. Warane sowie deren Eier gelten im Oman als Delikatesse und werden regelmäßig von den Einheimischen verspeist.

 

Nach dem Mittagessen in einem kleinen Dorf beschlossen wir, wieder zu jener uns schon bekannten Stelle zu fahren, wo Christoph zwei Tage zuvor eine „seltsame“ Eidechse gefunden hatte. Werner vermutete hinter diesem Tier einen uns noch nicht bekannten Fransenfinger. Zuerst fanden wir wieder jene Arten, mit welchen wir schon vertraut waren, wie beispielsweise A. schmidti, P. arabicus und die häufigeren Geckos. Nach langer Zeit intensiven Suchens konnten Gerald und Christoph schließlich eine der schon beobachteten Eidechsen fangen – sie stellte sich nach näherer Begutachtung als Acanthodactylus haasi heraus - eine sehr seltene, im Zentraloman und in den angrenzenden Emiraten endemische Fransenfingerart, über deren Lebensweise nur sehr wenig bekannt ist. Bei Gefahr fliehen diese Eidechsen in Grashorste sowie kleine Büsche und klettern dort aufwärts, wohingegen die meisten anderen Eidechsen am bzw. im Grund zwischen den Wurzeln Deckung suchen.

 

Den Weg zurück in den Norden bewältigten wir über eine Piste etwas weiter im Landesinneren, in der Hoffnung, eventuell noch ein weiteres großes Reptil wie den Waran vom Morgen zu finden. Nachdem einiges an Strecke zurückgelegt wurde rief Gerald plötzlich, dass wir stehenbleiben sollen, da er eine Dornenschwanzagame (Uromastyx aegyptius microlepis) gesehen habe, die sich in ihre Höhle verkrochen hatte. Wir wussten, dass diese Tiere während der heißesten Stunden des Tages aktiv sind, und da es mittlerweile später Nachmittag war, war dies vermutlich die letzte Gelegenheit, eine dieser Agamen zu Gesicht zu bekommen.

 

Nach kurzer Suche fanden wir das Loch, in welchem sie verschwunden war und warteten gespannt auf ihr nochmaliges Auftauchen, was allerdings leider nicht geschah. Nachdem der Geduldsfaden gerissen war, versuchten wir unser Glück im Schaufeln. Wegen des harten Bodens und der fortgeschrittenen Zeit, wurde die Chance das Tier noch zu Gesicht zu bekommen, zunehmend geringer eingeschätzt. Hinzu kam noch, dass Thomas angeblich nicht graben konnte, weil er einen entzündeten und geschwollenen Finger hatte und Hannes angeblich vom Mittagessen noch immer schlecht war. Folglich werkten Gerald und Christoph alleine in der Hitze des Nachmittages für ca. zwei Stunden, während Werner und Hannes immer wieder auf die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens hinwiesen. Aber – gut Ding braucht Weile, und nachdem sich die beiden insgesamt ca. 6 Meter durch das sehr harte Bodensubstrat, noch dazu nur mit einem kleinen Spaten ausgerüstet, geschaufelt hatten, hatten wir einen großen Uromastyx mit ca. 75cm Gesamtlänge ausgegraben.

 

Als wir ihn in den Händen hielten war er überraschend lethargisch – Dornschwanzagamen scheinen, einmal aus ihrer bekannten Umgebung entnommen, kein spezifisches Abwehrverhalten zu besitzen. Während des Fotografierens kam dann noch plötzlich ein Einheimischer. Reflexartig versteckten wir das Tier in einem Busch, da diese großen Echsen ebenso wie die Warane als Delikatesse gelten. Als der Mann den Graben sah fragte er uns, wo wir den „Dhabb“ hätten. Die Antwort, nämlich dass er davongelaufen sei, nahm er uns vermutlich nicht so ganz ab – und so dauerte es noch einige Zeit und viele Ausführungen, wie delikat diese Tiere doch seien, bis er schließlich weiter fuhr. Nachdem wir noch ein paar Fotos geschossen hatten, ließen wir das Tier schließlich bei einer der vielen Bauten in der Umgebung frei.

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Bilder Tag 13: Highlights an der Ostküste (44 Fotos)

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Tag 14 (17-Feb-2009): Meeresschildkröten und die Rückreise nach Muscat

 

Tagesübersicht und Karte

 

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