Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

 

Nach Vorerkundungen im Jahr 2004 von Hannes und Thomas (Portugal 2004), machte sich eine 7-köpfige Gruppe von www.herpetofauna.at auf den Weg an die Algarve, um dort 10 Tage lang die Herpetofauna Südportugals zu erforschen.

 

Mit dabei waren Karl Bilek, Wolfgang Simlinger, Christoph Riegler, Thomas Bader, Johannes Hill, Michael Duda und Gerald Ochsenhofer. Nach einer turbulenten Zwischenlandung auf Mallorca erreichten wir schließlich Faro, von wo wir mit Mietautos Richtung Portimão in unser Quartier nach Alvor düsten. Ein wunderbares großes Ferienhaus mit Pool, Küche, Wohnzimmer und 5 Zimmern sollte unser Basislager für die nächsten 10 Tage sein.

 

An diesem Abend auf dem Weg ins Zentrum von Alvor konnten wir bereits unseren ersten Nachweis verbuchen: eine frisch überfahrene Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus)! Beim Abendessen kontaktierten wir noch unseren Bekannten Udo Schwarzer, der mit uns einige Tage im Gelände verbrachte und uns wunderbare unberührte Landschaften in der sonst teilweise stark verbauten Algarve zeigte.

 

1. Tag - 17.4. Die Suche nach Phantomas: die Dünen von Carrapateira - Heimat der Kapuzennatter

 

Udo Schwarzer, den es gemeinsam mit seiner Frau Claudia vor mehr als 10 Jahren von Berlin in den Süden Europas zog, ist ein absolute Kenner der Westalgarve. Die beiden sind im Naturpark Alentejo beheimatet und leiten dort ein Landschaftsarchitekturbüro (www.biopiscinas.pt), das sich auf den Bau von Natur-, Schwimmteiche und biologischen Kläranlagen spezialisiert hat.

 

Gemeinsam mit Udo machten wir uns also auf den Weg in die Dünen von Carrapateira. Reste dieser Dünenlandschaften sind noch absolut intakt und beherbergen eine sehr spezialisierte Herpetofauna. Bereits am Beginn der Wanderung wendeten wir übermütig die ersten Steine entlang eines Weges und - siehe da - Michl fand unter dem allerersten Stein eine wunderbare Treppennatter - Rhinechis scalaris, die gerade ihr (hübscheres) Jugendkleid gegen das eintönige Streifenkleid der Adulten wechselte.

 

Die frühen Vormittagsstunden und am späteren Nachmittag war die beste Zeit, um Reptilien zu finden - hingegen spielte sich um die Mittagszeit kaum etwas ab!

 

Allgegenwärtiger und wohl ein wichtiges Beutetier der Treppennatter im Untersuchungsgebiet ist der Mauergecko - Tarentola mauritannica. Er ist vor allem auf Felsblöcken, Legsteinmauern, Holzstössen und alten Gebäuden anzutreffen. In dicht besiedelten Städten konnten wir deutlich weniger Nachweise erbringen. Der Mauergecko ist in Südportugal sowohl tag- als auch nachtaktiv und sonnt sich sogar in der Mittagshitze, während sich andere Reptilien schon längst in kühlere Bereiche zurückgezogen haben.

 

Neben mit dem Mauergecko ist der algerische Sandläufer - Psammodromus algirus ein weiteres "Allerweltstier" an der Algarve, das allerdings niemals in so hohen Dichten wie etwa Eidechsen in Kroatien oder Italien (P. muralis oder sicula) auftritt. Wir konnten diese Tiere an etwa ¾ aller Standorte nachweisen. Man sollte nicht unterschätzen, wie flink und nervös die Tiere sind und wie schnell sie flüchten können! Besonders balzende Männchen sind mit ihren orangen Kehlen und ihrer blauen Lateralfleckung ausgesprochen attraktiv.

 

Während des Aufstieges auf die Dünen suchten wir vor allen nach der extrem seltenen Kapuzennatter und deren Beutetieren, wie zum Beispiel Psammodromus hispanicus, die kleinere Schwester der vorher genannten Art, oder Blanus cinereus, die Netzwühle. Beide Arten sind aber ebenso wie deren Prädator selten und wir konnten beide Arten nicht vor die Linse bringen - noch nicht!

 

Als Karl Bilek schließlich nach langem Suchen eine Kapuzennatter - Macroprotodon (cucullatus) brevis fand, glaubten wir, dass dieser Fund bereits am ersten Tag unser absolutes Highlight der Reise sein könnte. Die kleine Trugnatter bewohnt ein sehr karges Gelände und nützt thigmotaktisch (d.h. mit möglichst viel Körperkontakt zur Umgebung) die Wärme unter kleinen flachen Steinen aus, unter welchen sie vorwiegend zu finden ist. Wendet man die Steine, versucht die Natter schnell in verwaisten Ameisenlöchern zu verschwinden. Die gefundene, 39 cm lange Natter, war bereits eine alte Bekannte von Udo, der sie anhand der ventralen Fotos sofort wieder erkannte. Zu erkennen ist die gutmütige Schlange (die niemals gebissen hat) an ihrer schwarzen Kapuze.

 

Die Schlangen der iberischen Halbinsel wurden kürzlich von der nordafrikanischen Nominatform als eigenständige Art abgetrennt.

 

Vom etwas härter verfestigten Dünendach marschierten wir langsam hinunter in die Sanddünen, wo wir hofften noch einige Gewässer zu finden. Allerdings waren durch die extreme Dürre bereits sämtliche Gewässer ausgetrocknet, was das Auffinden von Amphibien (mit Ausnahme des Wasserfrosches) während unseres Aufenthaltes generell sehr erschwerte. Aufgrund des leichten Nieselregens konnten wir in den Dünen beim Wenden von Treibgut noch einige Kreuzkröten - Bufo calamita finden. Die Art unterscheidet sich von anderen Kröten durch einen weissen Strich auf der fahlgrünen Rückenzeichnung und ihre mäuseartig laufende (niemals hüpfende) Fortbewegung. Ein Tier war ganz untypisch mit dem Bauch nach oben unter einem Holzstück eingegraben. Wenige Tage später war an der gleichen Stelle keine einzige Kreuzkröte mehr zu finden.

 

Den ebenfalls hier vermuteteten Messerfuß - Pelobates cultripes, einen Verwandten unserer Knoblauchkröte, konnten wir leider nicht finden. Beim Rückweg zum Auto durchquerten wir noch eine Wiese mit natürlicher Grasbedeckung - Lebesraum der flinken Erzschleiche - Chalcides striatus. Die Tiere gleichen auf den ersten Blick unseren Blindschleichen, sind aber um vieles schneller.

 

Vor einigen Jahren wurde diese westliche Form von der C. chalcides Nominatform abgetrennt. Die rudimentären Beine mit drei übriggebliebenen Zehen und die Streifen auf dem Rücken (striatus) sind ein unverwechselbares Kennzeichen dieser Art.

 

Unser erster Tag im Gelände ging sehr erfolgreich zu Ende. Wir konnten bereits 4 Amphibien- und 10 Reptilienarten nachweisen, die in weiterer Folge noch vorgestellt werden. Im Bilderteil zeigen wir noch einige Bilder dieses äußerst sehenswerten Lebensraumes und dessen reichlicher Tier- und Pflanzenwelt.

 

Bilder öffnen sich im Pop-up Fenster

 

 

Amphibien & Reptilien Bilder Gallery

 

Tag2: Funde unter dem ersten Stein

 

zur Tagesübersicht