Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

26.4. - 10. und letzter Tag

Auf der Suche nach Acanthodactylus - Höhepunkt in letzter Minute!

 

Am letzten Tag startete ein Teil von uns eine größere Tour in den Norden an die Strände von Troja, von denen der europäische Fransenfinger in höheren Dichten gemeldet wurde. Nach einer über 2-stündigen Fahrt erreichten wir den Südrand von Troja und wir suchten an mehreren Stellen nach den schnellen Eidechsen und fingen zunächst einmal übergroße P. algirus .

 

Die riesengroßen verlassenen Hotelanlagen gleichen bereits Ruinen, die Fenster sind eingeschlagen und Militär patrouilliert ständig in der Gegend herum. Während unserer Suche am Strand und in den nahegelgenen Kiefernwäldern fand Hannes eine eingegrabene Badewanne mit 6 Eidechsen darin - leider ausschließlich Sandläufer, die nicht mehr aus der Wanne herauskamen. Wir befreiten die Tiere und suchten intensiv weiter nach Acantodactylus erythrurus - dem Europäischen Fransenfinger , von dem wir dann auch noch zwei Tiere zwar beobachten konnten. Aufgrund der hohen Fluchtdistanz und der enormen Geschwindigkeit war es uns unmöglich, einen Bildnachweis dieser Art zu machen. Wir hatten überhaupt nicht den Eindruck, dass diese Art dort häufig vorkommt, deshalb waren wir auch sehr enttäuscht, denn der Fransenfinger war mit seinem markanten Aussehen eine Zielart für uns, besonders auch deshalb, weil wir nur wegen dieser Art die die weite Reise in den Norden gemacht hatten. Interessant ist in dieser Gegend der sandige Boden mit kaum Vegetation oder nur spärlichen Kiefernbewuchs, der bis weit ins Innenland vordringt.

 

Wir fuhren danach auf der Bundesstrasse zurück in den Süden und hatten die Exkursion nach einem letzten Mittagsstopp bereits für beendet erklärt - da wir aber doch deutlich schneller als erwartet zurück waren, beschlossen wir, noch ein von Udo empfohlenes Gebiet bei Pincho in der Serra de Espinaco de Cao zu besichtigen, um dort entlang eines Baches nach Amphibien und Nattern zu suchen.

 

Es war bereits 16.30 Uhr als wir dort ankamen und gerade als wir uns vom Auto dem kleinen Bach näherten, wurde Hannes auf eine Schlange aufmerksam und wollte schon zugreifen, als er dann doch plötzlich zurückzuckte und bemerkte: Vipera latasti - eine Stülpnasenotter ! Äußerlich gleicht die Viper sehr der Hornotter, lediglich die Beschilderung des Kopfes und des Hornes unterscheidet die beiden Arten. Die Höhe des Hornes war beträchtlich und steht damit V. ammodytes kaum um etwas nach. Die Zick-Zack Rückenzeichnung ist von einem deutlichen dunklen Streifen umrandet, ein Zeichen für ein männliches Tier.

 

Bisher wurde in der Algarve nicht einmal eine Handvoll Vipern lebend gefangen, deshalb war der Fund etwas ganz besonderes und wir informierten Udo Schwarzer, der gerade von einer Konferenz mit dem Auto in unsere Richtung unterwegs war und innerhalb von einer halben Stunde bei uns eintraf. Das Tier wurde später vom portugiesischen Vipernfachmann José Carlos Brito untersucht und an der gleichen Stelle wieder freigelassen. Wir alle erhoffen uns neue Erkenntnisse über die in Südportugal so seltene Schlange. Wir würden uns auch wünschen, dass sich die Erkenntnis der Menschen über Schlangen und deren Verhalten gegenüber diesen Tieren ändert und dass nicht jede Schlange erschlagen wird.

 

Nach diesem Höhepunkt wieder einmal in letzter Sekunde feierten wir noch bei einem gemütlichen Bier den Ausklang unseres einmaligen Urlaubes. Bei unserem Abflug überflogen wir nochmals genau die Stelle unseres Chamäleonfundes und wir konnten mit Wehmut hinunterblicken auf das wunderbare Delta des Guadiana...

 

 

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