Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

2. Tag - 18.4. Regen bringt Segen an der Südküste - Funde unter dem ersten Stein

 

Am zweiten Tag beschlossen wir, an der sonst sehr dicht besiedelten Südküste in den letzten Resten des Naturparks zu suchen. Es gibt hier noch einige ursprüngliche Stellen mit schönen Flußmündungen und naturnahen Hügeln. Ein, für den 2. Tag, gemeldetes Unwetter entpuppte sich als kurzer und leichter Nieselregen. Die Temperaturen bewegten sich bei angenehmen 18 Grad. Bei solchen Wetterverhältnissen ist es schwierig vorauszusagen, welche Arten sich zeigen.

 

Von der girondischen Schlingnatter - Coronella girondica ist bekannt, dass sie Regenwetter bevorzugt und Udo Schwarzer fand die meisten Tiere bei Regenwetter, teilweise sogar bei strömendem Regen sowie im Winter. Wir sollten diese Art während unseres Aufenthaltes leider nicht zu Gesicht bekommen. Wenn wir gewusst hätten, dass dies unser einziger Regentag bleiben sollte, hätten wir auch eher nach Amphibien gesucht aber da wäre uns wohl etwas anderes entgangen...

 

Michl entwickelte sich zum "Mann des ersten Steines". Als er diesmal an unserer ersten Stelle bei Nieselregen den ersten Stein umdrehte, fand er unsere einzige adulte Perleidechse - Timon lepidus, ein sehr großes mächtiges Tier, von dem man nicht unbedingt gebissen werden sollte. Offensichtlich war den größten Lacertiden Europas bei dieser Witterung zu kalt, denn als wir im Umkreis noch weiter unter Steinen suchten, fanden wir noch etliche juvenile und subadulte Perleidechsen, die allesamt wunderbar gefärbt sind. Bei unseren späteren Exkursionstagen bzw. bei schönem Wetter fanden wir nur noch einzelne subadulte Tiere, was darauf hinweist, dass die Eidechsen eine sehr hohe Fluchtdistanz aufweisen und bei schönem Wetter kaum zu beobachten sind.

 

Als nächster Programmpunkt stand die Mündung des Rio de Vale Barao mit seinen ausgedehnten Sumpfgebieten auf dem Programm. Feuchtgebiete und Gewässer waren aufgrund der größten Trockenheit seit mehr als 50 Jahren extreme Mangelware. An den verbleibenden Gewässern versammelte sich eine Unzahl an Wasservögeln, und damit die Anzahl der Prädatoren auf Amphibien. Wir konnten hier eine Art nachweisen, die wir eigentlich viel häufiger, zum Beispiel in Zisternen oder Brunnen, erwartet hätten. Da deren Wasserpegel aber um die 5-10 m unter Niveau stand, war diese Quelle für uns unerreichbar. Es handelt sich dabei um den Rippenmolch - Pleurodeles waltl, den Hannes unter einem Stein in der Nähe eines Gewässers finden konnte.

 

Dieser Molch beeindruckte uns durch seine Größe und sein lustiges Gesicht - bei dem gefundenen Tier dürfte es sich um ein trächtiges Weibchen handeln, das wohl noch in Landtracht auf Regenfälle gewartet hat, um mit dem Ablaichen zu beginnen. Den zweiten großen Schwanzluch - den Marmormolch - Triturus (marmoratus) pygmäus konnten wir leider überhaupt nicht finden, obwohl wir einige der wenigen Fundgewässer dieser, in der Algarve seltenen Art, aufsuchten.

 

Nachdem die Sonne wieder die Oberhand gewonnen hatte, versuchten wir unser Glück bei der Reptiliensuche an einem nahe gelegenen Hügel und fanden nach Chalcides striatus und Chalcides bedriagai (sh. später) bereits unsere zweite Kapuzennatter. Das von Gerald gefundene Tier bewohnte ebenfalls sehr karges Gebiet, wo es scheinbar konkurrenzfähiger gegenüber den größeren Schlangen zu sein scheint.

 

Im Bilderteil finden sich noch einige Impressionen der Küste der Südalgarve, an der wir die heiße Mittagszeit verbracht haben. Zu dieser Jahreszeit gibt es noch kilometerlange menschenleere Strände und Küstenabschnitte - man fühlt sich teilweise wie im Niemandsland.

 

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Tag 3: Ausflug in den Barrocal

 

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