Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

3. Tag - 19.4. Der größte Golfplatz Europas

und ein Ausflug in den Barrocal

 

Der Literatur zufolge gab es westlich von Faro bis vor 20 Jahren sehr interessante Lebensräume mit äußerst artenreicher Herpetofauna. Wir mussten allerdings feststellen, dass die Gegend von Albufeira über Quarteira bis Faro nun zur Gänze mit Golfplätzen verbaut worden ist. Diese Dimensionen hätten wir in Europa eigentlich nicht erwartet. Man kann hier kaum noch etwas anderes als driving ranges, fareways und greens finden und wir verirrten uns mehrmals, als wir aus dem Komplex entfliehen wollten.

 

An der Mündung eines Baches bei Forte Novo versuchten wir unser Glück, konnten aber nur einige Wasserfrösche und eine erschlagene Eidechsennatter finden.

 

Frustriert von dieser enormen Landschaftszerstörung beschlossen wir, ins Hinterland der Ostalgarve, in das so genannte Barrocal zu fahren, um die von dort gemeldeten Mittellandarten zu finden, was allerdings durch die extreme Hitze sehr erschwert wurde.

Unser erster Stopp wurde zu Mittag in der Nähe von Sao Bras de Alportel eingelegt. Es war uns klar, dass sich nur wenige Arten während der ärgsten Mittagshitze blicken lassen, allen voran die Eidechsennatter - Malpolon monspessulanus , die schnellste Schlange Portugals. Thomas hatte das Glück, ein wunderschönes Tier vor einer verfugten Mauer zu finden, was verhinderte, dass sie blitzschnell in dieser verschwand. Trotzdem war es gar nicht einfach, das Tier vor die Linse zu bringen.

 

Bei den westeuropäischen Eidechsennattern handelt es sich im Gegensatz zu den bisher gezeigten griechischen Tieren um die Nominatform, die sich durch die deutlich intensivere Sprenkelung von der Unterart insignitus unterscheiden. Typisch ist der grimmige Blick. Der Biss der giftigen Trugnatter in einen Finger verursachte bei Thomas überhaupt keine Reaktionen.

 

Beeindruckend waren für uns auch die Skorpione - Butus occitanus , die sich tagsüber unter Steinen verbergen und uns daher recht häufig begegneten. Besonders große Exemplare konnten wir im Barrocal, in den Dünenlandschaften im Westen und in ausgetrockneten Flusstälern finden. Stiche können sehr schmerzhaft enden! In direkter Konkurrenz zu diesen Skorpionen stehen die noch größeren Skolopender - Scolopendra cingulata , deren Bisse schwere Vergiftungen hervorrufen können und keinesfalls ohne Handschuhe angegriffen werden dürfen

 

Auf der weiteren Erkundung gelangten wir nach Salir, einer kleinen Ortschaft mitten im Barrocal gelegen, durch die der Ribeira Moinhos fließt, ein Bach, an dessen Ufer sich sehr viele Westmediterrane Bachschildkröten - Mauremys leprosa sonnten. Durch einen blitzschnellen Sprung ins Wasser konnten wir einige Tiere zum Fototermin bitten, obwohl unsere Hosen danach extrem nach Faulschlamm rochen. Zudem versprüht diese Schildkröte einen äußerst unangenehmen Duft, eine Mischung aus verfaultem Fisch und verdorbenen Eiern! Entlang des Baches fanden wir juvenile, subadulte und adulte Tiere.

Der Name " leprosa " deutet wohl darauf hin, dass die Panzertiere auch nicht besonders anspruchsvoll hinsichtlich der Wasserqualität sind und sogar stark verschmutzte Kloaken besiedeln. Dies dürfte auch der Grund sein, warum in Portugal die Bachschildkröte deutlich häufiger als die Sumpfschildkröte ist.

 

Ein weiterer Bewohner fast aller Gewässer ist der rote amerikanische Sumpfkrebs - Procambarus clarkii , der die Bestände der heimischen Amphibien stark reduzieren kann, sich selbst aber offenbar auch in stark verpesteten Gewässern durchsetzen kann. Als Prädator dieses Krebses konnten wir den hier sehr häufigen Fischotter ausforschen, da sich die Krustenüberreste im Kot des Otters auf Steinen recht häufig fanden. Der Fischotter kann in Portugal sogar zum Meeresbewohner werden, wenn im Hochsommer die Bäche trocken fallen.

 

Am Abend versuchten wir noch unser Glück an der Burg von Sines - dort hatten wir Hinweise auf Mauereidechsen, allerdings waren wir bereits zu spät dran und das Habitat lag bereits im Schatten und so mussten wir diesen Nachweis noch etwas aufschieben - wie immer zeigten sich jede Menge Mauergeckos.

 

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Tag 4: Monchique - Das Dach der Algarve

 

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