Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

4. Tag - 20.4. Monchique - Das Dach der Algarve

 

Ziel unseres frühen Aufbruches ins Bergland von Monchique war der Nachweis möglichst vieler Amphibienarten, da in dieser Jahreszeit auf dem Fojaplateau normalerweise die Hauptlaichzeit vieler Arten stattfindet. Allerdings wurden wir auch hier enttäuscht, denn fast alle Gewässer waren ausgetrocknet und im ehemaligen Gewässer fanden wir lediglich eine subadulte Perleidechse. Etwas mehr Glück hatten wir an einem kleinen Brunnen, wenige 100 m südlich der 902 m hohen Foja.. Wir fanden dort einen Spanischen Molch - Triturus boscai. Diese Art konnten wir insgesamt nur an wenigen Stellen nachweisen, obwohl sie unter den heimischen Amphibien zu den häufigeren Arten zählt. Der kleine unscheinbare Molch bewohnt in der Algarve vor allem das Hügel- und Bergland, kommt aber stellenweise auch an der Küste vor, wo wir ihn bei Bordeira finden konnten.

 

Besonders die Berglandschaft wird sehr häufig von Feuern heimgesucht, so auch im Vorjahr, wo ein beträchtlicher Teil des Bergwaldes abgebrannt ist. Wie die Brände die Herpetofauna beeinflussen, ist bisher nicht bekannt, leider wird aber die primäre Vegetation meist durch äußerst artenarme Eukalyptusmonokulturen aufgeforstet.

 

Während unserer Stadtbesichtigung von Monchique besuchten wir unter anderem das Konvent, das allerdings bereits mehr einer Ruine gleicht und von Obdachlosen belagert wird. Am Konvent klettern Mauergeckos umher und rundherum tummeln sich algerische Sandläufer - die Iberische Mauereidechse - Podarcis hispanica cf. vaucheri oder auch Typ 2 genannt konnten wir zwar nicht am Konvent, wohl aber weiter unten in der Stadt an einer Steinmauer nachweisen. Wenn man diese Tiere betrachtet, lässt sich die starke Ähnlichkeit mit unserer mitteleuropäischen Mauereidechse nicht leugnen - im Gegensatz dazu sieht das als Typ 1 abgetrennte Taxon von der nördlichen iberischen Halbinsel ganz anders aus.

Die Mauereidechse ist in Südportugal recht selten oder wird zumindest häufig übersehen - wir kreuzten ihren Weg an drei Lokalitäten, wobei die beiden anderen in Tälern nordwestlich von Monchique laut Literatur bisher nicht bekannt waren!

Als Lebensraum dienen den Eidechsen Mauern, von denen nur einige wenige Löcher nicht verfugt wurden - aus diesen lugen die Viecher heraus. Auf gänzlich unverfugten Mauern regiert der Mauergecko und die kleine Mauereidechse kann sich hier offensichtlich nicht durchsetzen.

 

Die Lacertiden sind im Gegensatz zu ihren etwas größeren mitteleuropäischen Verwandten extrem scheu - da sich aber ihre Podarcis-Neugier nicht auf Dauer verleugnen ließ, kamen sie schließlich doch heraus und ergaben dankbare Fotomotive! Einzelne Tiere findet man immer wieder in naturnahen lichten Wäldern oder wie in unserem Fall an einer Forststraßenböschung und in einem ausgetrockneten Bachbett im Seixetal nördlich von Monchique.

 

Nach einem Abstecher an der Oberlauf des Seixeflusses, an dem eine weitere Lacertidenart lebt (sh. später), machten wir uns auf den Rückweg in den Süden, wobei wir noch zwei Lokalitäten näher untersuchten. An einer Terrasse auf etwa 500 m konnte nun endlich unsere erste Ringelwühle oder Doppelschleiche - Blanus cinereus gefunden werden. Christoph entdeckte das Tier, das sogar zu beißen versuchte, unter einem Stein. Es gleicht äußerlich sehr Blanus strauchi (sh. Reisebericht Rhodos ), alle drei von uns gesichteten Tieren blieben aber deutlich an Größe hinter ihrem Verwandten aus der Ägäis zurück. Als Nahrung dürften vor allem Regenwürmer und Nacktschnecken dienen. Übrigens: Die orange spanische Wegschnecke, die sich bei uns zu einer Plage entwickelt hat, ist in Portugal nicht besonders häufig - ich kann mich nur an drei oder vier Schnecken erinnern!

 

Beim letzten Stopp an einem Bach und einem Teich konnte Michl noch eine schöne Eidechsennatter finden, im Teich schwammen einige Bachschildkröten und jede Menge Frösche. Wir beschlossen, zu einer Nachtexkursion an einem der folgenden Tage zurück zu kehren. Nach diesem langen und anstrengenden Tag gönnten wir uns noch ein kurzes aber erfrischendes Bad in unserem Swimmingpool.

 

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Tag 5: Das Seixe Tal - Heimat der Wassereidechse

 

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