Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

5. Tag - 21.4. Das Seixe Tal - Heimat der Wassereidechse

 

Begleitet von Udo Schwarzer machten wir uns auf in das Seixetal, dem wohl bekanntesten Vorkommen der iberischen Smaragdeidechse in Südportugal. Zuvor klapperten wir noch einige stehende Gewässer mit Verdacht auf seltene Amphibien ab und beschlossen, zu einer nächtlichen Exkursion hierher zurück zu kommen. Die Gewässer in diesem Bereich des Landes führten alle ausreichend Wasser und zeigten sich von ihrer schönsten Seite mit blühender Iris, Orchideen im angrenzenden Sumpf und diversen anderen Wasserpflanzen.

 

Bereits an den ersten Stellen im Seixetal fanden wir sonnend im angeschwemmten Holz am Ufer des Baches einige Iberische Smaragdeidechsen - Lacerta schreiberi sitzen. Die Paarungszeit war gerade voll im Gang uns so konnte man unweit jedes Weibchens auch balzende Männchen finden, häufig saßen die Pärchen bereits nebeneinander und waren von unserer Beobachtung ziemlich unbeeindruckt. Die juvenilen und subadulten Tiere wurden auf Standorte verdrängt, die weiter vom Wasser entfernt waren.

 

Diese Eidechsen sind extrem auf permanente Bäche fixiert und werden kaum einmal weiter entfernt vom Gewässer angetroffen. Ein weiterer Hinweis auf das Vorkommen von L. schreiberi sind bachbegleitende Schwarzerlen - Alnus glutinosa , die in Südportugal immer auf permanent fließende Bäche beschränkt sind.

Die Tiere gleichen zwar auf den ersten Blick unseren Smaragdeidechsen, bei näherem Hinsehen erkennt man aber doch deutliche Unterschiede. Zum einen die gefleckten Jungtiere, zum anderen die intensive, mehr ins olivebraun gehende Färbung der Adulten.

 

Als wir einige Seitenbäche etwas genauer unter die Lupe nahmen, entdeckten wir unter den tausenden Wasserfröschen einen Iberischen Scheibenzüngler - Discoglossus galganoi und auch einen Westlichen Schlammtaucher - Pelodytes ibericus , der uns aber leider entwischte bevor wir ihn knipsen konnten. Beim Scheibenzüngler handelte es sich um ein subadultes Exemplar der gefleckten Sorte, das sich entlang des Bachlaufes nur sehr schwer von den unzähligen Wasserfröschen unterscheiden ließ. Trotz unserer intensiven Suche konnten wir keine weiteren Tiere der beiden genannten Arten finden. Die sonst gar nicht so seltenen Amphibien ziehen sich bei derartigen Trockenheiten bereits früher im Jahr in tiefere Regionen zurück und sind kaum mehr zu finden. Wie gut hätte uns ein Regenschauer jetzt getan! Auch vom sonst in der Region recht häufigen Feuersalamander - Salamandra salamandra cespoi war weit und breit nichts zu sehen, Udo entdeckte allerdings eine Larve in einem kleinen Stillwasserbereich eines Seitenbaches - ob wir nicht doch am ersten Regentag in die Serra de Monchique fahren hätten sollen?

 

Unsere Flusserkundung ging weiter, auf der Suche nach den zwei, am Ufer entdeckten, Sumpfschildköten - Emys orbicularis. Leider konnten unsere beiden "Schlammtaucher"(Udo und Hannes) die Schildkröten nicht aufstöbern und so bleibt es doch ein wenig ungewiss, ob es sich bei den beiden Schildkröten um Emys oder doch um die wesentlich häufigeren Mauremys gehandelt hat. Sehenswert sind die Bilder aber doch allemal - oder? Wie kalt war eigentlich das Wasser, Burschen!?

 

 

Nachtexkursionen bringen so manche Überraschung

Bei einem ausgezeichneten Abendessen in einem Fischrestaurant in Aljezur warteten wir auf die Dunkelheit, um in den bereits erwähnten Teichen nach rufenden Amphibien zu suchen. Und tatsächlich konnten wir bereits von weitem den unverwechselbaren Ruf des Mittelmeerlaubfrosches - Hyla meridionalis hören. Bereits nach kurzem Suchen konnte Wolfgang einen Laubfrosch orten und unsere beiden Fotografen begannen sofort, das Tier abzulichten, um die Unterschiede zum gewöhnlich Laubfrosch zu dokumentieren - doch was war das? Plötzlich ertönte ein sehr vertrautes Geräusch an der anderen Seite des Teiches und stimmte in den absolut dominierende Hall der Mittelmeerlaubfrösche ein! Da hatte sich doch tatsächlich ein Laubfrosch - Hyla arborea molleri in diese Gegend verirrt.

Wir befanden uns gerade an der absoluten Südverbreitungsgrenze des Laubfrosches und laut Udo war es ein wirklicher Zufall, einen H. arborea , besonders auch noch so spät im Jahr hier zu hören. Im Schnitt kommt auf mehr als 100 H. meridionalis ein H. arborea !

 

Es dauerte wirklich sehr lange, bis wir den einzelnen Kämpfer im Schilf orten konnten, denn jedes Mals, als wir uns dem Tier näherte, verstummte sein Ruf und er fing erst wieder an, als wir eine bestimmte Distanz entfernt waren. Aber schließlich gelang es uns doch ein Foto mit den beiden Streithähnen, die sich offensichtlich nicht ausstehen konnten, zu machen.

 

Der Mittelmeerlaubfrosch ist deutlich filigraner als sein Verwandter und hat längere Beine und einen wesentlich schlankeren Körper. Der deutlichste Unterschied ist natürlich das Fehlen der Hüftschlinge und der krähende Ruf kräh-kräh-kräh im Gegensatz zum äpp-äpp-äpp von arborea. Was sich an der Unterart molleri von unserem Laubfrosch unterscheiden soll, konnten wir trotz genauer Betrachtung nicht herausfinden. Am zweiten Gewässer kescherten wir noch eine Larve vom Rippenmolch, die durch ihre beträchtliche Größe auffällt.

 

Zwei Tage später machten wir eine weitere Nachtexkursion an den Südrand des Monchiquegebirges, in ein Bachtal mit einem schönen Weiher. Dort konnten wir ebenfalls etliche Mittelmeerlaubrösche finden. Gerald konnte schließlich noch eine frisch geschlüpfte Bachschildkröte keschern, eine weitere adulte schwamm in der Nacht im Teich herum. Eine sehr große Quappe verirrte sich ebenfalls in unseren Kescher - deren Bestimmung gab uns allerdings einige Rätsel auf.

 

 

Bilder öffnen sich im Pop-up Fenster

 

 

Amphibien & Reptilien Bilder Gallery

 

Tag 6: Auf der Suche nach der Stülpnasenotter

 

zur Tagesübersicht