Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

6. Tag - 22.4. Auf der Suche nach der Stülpnasenotter

 

In all den Tagen konfrontierten wir Udo immer wieder mit Fragen nach der Stülpnasenotter, die wohl zu Recht als mit Abstand seltenstes Reptil der Algarve gilt. Im Durchschnitt wird eine Otter pro Jahr gefunden, meist allerdings als Straßenopfer. Die Funde konzentrieren sich allesamt auf die westliche Kalkalgarve von der Küstenlandschaft um Carrapateira bis in die tiefere Serra de Espinhaco de Cao. Ein riesengroßes Gebiet, von dem bisher kaum ein Duzend Funde bekannt geworden sind. Natürlich war es ein erklärtes Ziel von uns, dieses seltene Tier zu finden, wenn möglich natürlich lebend.

 

So machten wir uns wieder einmal auf in ein unberührtes Tal Richtung Paraiso, in dem bereits einmal von einer deutschen Gruppe eine Viper gesehen wurde. In diesem Tal wurde auch der letzte portugiesische Pardelluchs gesichtet und möglicherweise konnte sich hier eine kleine Population dieser vom Aussterben bedrohten Katzenart halten.

 

Von Carrapateira aus begannen wir unseren Vormarsch Richtung Paraiso und klapperten die wunderschöne Gewässer mit Seerosen auf der verzweifelten Suche nach Ringelnattern - Natrix natrix ab - leider ohne Erfolg. Es blieb uns verwehrt, diese Art während unseres Aufenthaltes nachzuweisen, obwohl sie laut Udo Schwarzer gar nicht so selten ist.

Weiter talaufwärts trocknete der Bach bald aus und übrig blieb ein naturnahes Bachbett, an dem wir mehrere Algerische Sandläufer und zwei subadulte Perleidechsen fanden. Entlang des Bachbettes drehten wir jeden Stein um irgendwelche Amphibien zu finden, die es noch nicht geschafft hatten, sich tiefer zu vergraben. Und schließlich wurde unsere Mühe belohnt, denn Gerald konnte, als er unter einem Stein einen Gang im Sand weiter stocherte, eine Iberische Geburtshelferkröte - Alytes cisternasii finden. Das Tier war sichtlich im Begriff, sich tiefer einzugraben. Die Laichzeit fast aller Arten dürfte heuer aufgrund der Trockenheit sehr verkürzt gewesen sein. Leider konnten wir die interessante Brutfürsorge nicht näher beobachten, die Zeit dürfte dafür bereits zu spät gewesen sein - noch ein Grund zurück zu kommen!

 

Die einzige Art, die wir regelmäßig noch beim Ablaichen finden konnten, war die Erdkröte - Bufo bufo. An mehreren Bächen fanden wir Paare oder zurückgebliebene Männchen, auch Laich und Kaulquappen konnten wir an mehreren Stellen nachweisen, besonders in Stillwasserzonen von kleineren Bächen oder in Restwassertümpeln. Offensichtlich hat die Erdkröte auch hier eine Strategie entwickelt, um sich erfolgreich zu reproduzieren. Eine Art, die größere stehende Gewässer bevorzugt und dort als Explosivlaicher in Massen auftritt, ist hier auf Bäche ausgewichen, und man trifft sie vorwiegend als einzelne Paare oder in kleinen Gruppen an.

Das Aussehen der Erdkröten in Portugal ist zwar sehr variabel, bei vielen Tieren kann man aber äußerlich keinen Unterschied zu unseren Erdkröten feststellen. Was uns sehr verwundert hat, ist die Tatsache, dass wir Erdkröten sogar mitten im Sandstrandgebiet fanden, wo wir eher Kreuzkröten oder den Messerfuß erwartet hätten. Sie besitzen also wie bei uns die wohl breiteste ökologische Amplitude und kommen vom Meeresstrand bis ins Gebirge vor.

 

Am Abend visierten wir noch einmal eine bereits am ersten Tag besuchte Stelle, an der bereits die Girondische Schlingnatter und die Stülpnasenotter gefunden wurden, leider ohne Erfolg! Stattdessen konnten wir eine Hausratte - Rattus rattus fangen, die in Portugal hauptsächlich in naturnahen Habitaten vorkommt und menschliche Nähe eher meidet. Weiters kreuzten wir den Weg einer großen Rinderherde, die recht häufig von Kuhreihern begleitet werden, die ihnen die lästigen Parasiten vom Leibe halten. Auch wir wurden oftmals von überdimensionalen Zecken attackiert, die wir aber meistens abwimmeln konnten, bevor sie sich richtig angesaugt haben.

 

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Tag 7: Die Ostalgarve - Highlights am Nationalfeiertag!

 

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