Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

7. Tag - 23.4. Die Ostalgarve und der untere Guadiana - Highlights vor dem Nationalfeiertag!

 

 

Auf dem Weg nach Faro kommt man am neuen Algarve Station vorbei, in dem auch EM-Spiele im Jahr 2004 durchgeführt wurden. Über dem Station kreisten, wie auch in vielen anderen Gegenden der Algarve, Weißstörche und je weiter man nach Osten kommt umso zahlreicher scheinen die Vögel zu werden. Als weitere ornithologische Highlights sind die Beobachtungen von Habichtsadler, Schlangenadler und einer unglaublichen Zahl von Wiedehopfen und vor allem Bienenfresser zu nennen, außerdem eine hohe Anzahl an Wasservögel, besonders im Nationalpark Rio Formosa bei Faro, wo wir auch eine überfahrene Ginsterkatze finden konnten.

 

Die Altstadt von Faro beherbergt etliche schöne Bauten und Kirchen und wir konnten hier sogar einige wirklich sehenswerte Exemplare der Art Homo sapiens nachweisen (wir wollen ja die Kultur nicht zu kurz kommen lassen!). Speziell die Verbreitung der prächtigen Weibchen von Homo sapiens machte so manchen von uns Kopfzerbrechen, waren sie in unserem restlichen Untersuchungsgebiet nahezu vom Aussterben bedroht? - ohne den portugiesischen Stolz beleidigen zu wollen.

 

Zurück zum Wesentlichen: Herpetologisch betrachtet konnten wir auch in Faro eine neue Art nachweisen - und zwar eine weitere Schildkröte - die Rotwangenschmuckschildkröte - Trachemys scripta elegans, die hier, wie in vielen anderen Ballungsgebieten ausgesetzt wurde. Dieser "Amerikaner" scheint sich in einem Parkgewässer bei Faro pudelwohl zu fühlen und könnte in weiterer Folge bei weiterer Ausbreitung eine Gefährdung für die heimischen Arten darstellen.

 

Weiter östlich von Olhao Richtung Monte Gordo beginnt das Hauptverbreitungsgebiet des Europäischen Chamäleons - Chamaeleo chamaeleo. Bereits nach kurzer Suche am Strand von Monte Gordo konnte Thomas eine Hufeisennatter in den Stranddünen finden, die aber blitzschnell im Unterholz verschwand und kurz darauf hatte Gerald die Erfolgsmeldung vom Fund eines Chamäleons über unsere Funkgeräte gemeldet.

 

Das wunderschöne Weibchen zeigte bereits nach kurzer Zeit einen deutlichen Farbwechsel an mit dem sie uns mitteilte, dass ihr die Knipserei nicht wirklich gefällt! Um das trächtige Tier nicht weiter zu belästigen, wurde sie bald wieder in Ruhe gelassen. Bis heute ist es nicht ganz geklärt, ob die portugiesischen Populationen auf Aussetzungen beruhen oder doch natürliche Vorkommen, die an die ursprünglichen Populationen darstellen. Die Chamäleons sind (bisher) auf den Küstenstreifen und die Dünenlandschaft der Südalgarve beschränkt, von wo sie sich langsam nach Westen ausbreiten (möglicherweise auch durch menschliches Zutun). Trotz intensiver Nachsuche konnten wir (außer einem C. bedriagai und etlichen P. algirus ) keine weiteren Chamäleons finden und so beschlossen wir, den Guadiana aufwärts zu erkunden.

 

Unsere Fahrt führte uns weiter Richtung Norden, wo wir nach einigen Kilometern in der kleinen Ortschaft Castro Marim Halt machten. Wir sahen uns eine Stelle mit Resten einiger Steinmauern an und konnten nach kurzer Zeit die zweite Geckoart von Portugal finden - Hemidactylus turcicus - den Europäischen Halbfingergecko, der in der Algarve auf den Ostteil beschränkt ist.

 

Wie wir bereits von unseren anderen Exkursionen wissen, verlieren die kleinen filigranen Kletterer sehr leicht ihren Schwanz, was leider auch diesmal wieder bei einem Tier passierte, als wir einen Stein umdrehten. Der fehlende Teil wächst normalerweise problemlos nach und nach einigen Wochen ist er wieder zur Feindablenkung bereit, erneut abzufallen. Hoch motiviert von den neu entdeckten Arten fuhren wir weiter und Herr G. (Name der Red. bekannt) vergaß dabei auf seinen Handschuh und sein Stoffsackerl und jammerte uns solange voll, bis wir versprachen, an besagte Stelle am Abend zurück zu kehren, um die vergessenen Sachen mitzunehmen (was sich zu einem Volltreffer entwickeln sollte).

 

In weiterer Folge steuerten wir Richtung Norden entlang des Guadiana bis an die Nordgrenze der Algarve und fanden nach einer überfahrenen Treppennatter insgesamt fünf frisch überfahrene Eidechsennattern bei Foz de Odeleite innerhalb eines Kilometers, was unseren Malpolonliebhaber Hannes sehr traurig stimmte.

 

Und so kehrten wir auf ein oder zwei kühle Blonde (Bier) in der idyllischen Ortschaft Alcoutim ein. Die Burgenstadt liegt direkt am Guadiana und misst sich mit dem gegenüberliegenden Sanlucar in Spanien an Schönheit und Stolz. Man erkennt hier sehr genau die ewige Rivalität der beiden Nachbarn, die mittels einer Fähre verbunden sind. Viele Spanier nutzten die Gelegenheit, ihren Nachbarn einen Besuch abzustatten. Diese wiederum betranken sich hoffnungslos in den wenigen Kneipen der Stadt - ob sie den Fund einer seltenen Schlange feierten?

 

Einer der schönsten Flecken, die wir besuchten, war das absolut unverbaute und unbesiedelte Tal des Foupana - wir fanden hier um die zwanzig Vipernattern - Natrix maura, die mit Abstand häufigste aller Schlangen Portugals, die wir auch an fast allen Bächen nachweisen konnten. Trotzdem überraschte uns die enorme Dichte in diesem Tal und zeigte uns deutlich den Vergleich zwischen naturnahen und verschmutzten Gewässern. Die enorme Anzahl an Vipernattern spiegelt sich auch wieder in der Variabilität der Zeichnungsmuster dieser Schlangen, von der wir gestreifte, gefleckte und sogar rote Exemplare finden konnten. Ein sehr auffälliges rotes Exemplar tauchte vor uns in einen tieferen Bachbereich ab, worauf wir ebenfalls beschlossen, auf Tauchstation zu gehen und nach der Schlange zu suchen - allerdings erfolglos. Wir waren trotzdem von dem warmen Wasser begeistert und wollten gar nicht mehr aufhören, zu plantschen, aber...da ist es wieder das Vergessen....wir mussten ja zurück zum Handschuh des Herrn G.

 

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir schließlich besagte Stelle und da wir wussten, dass sich gerade um diese Zeit herpetologisch am meisten abspielt, versuchten wir unser Glück aufs Neue. Nach einiger Zeit konnten wir wieder einige Halbfingergeckos und eine Doppelschleiche finden. Plötzlich ertönte von Thomas ein Hilferuf durch das Funkgerät und der Rest der Truppe stürmte ihm zu Hilfe - er hatte nämlich eine große Hufeisennatter - Hemorrhois hippocrepis erwischt, der vordere Teil der langen Schlange hatte sich aber bereits tiefer in den Untergrund zwischen Steinen vergraben und verkrampft und es war absolut unmöglich, das Tier herauszuziehen, da es sich sonst womöglich verletzt hätte.

 

So mussten nun Hannes, Michl und Gerald ganz vorsichtig die eingebetteten Steine entfernen und es dauerte etwa eine Viertel Stunde, bis wir das Tier freigelegt hatten und zum Fotoshooting bitten durften.

 

Thomas hatte bereits einige Tage zuvor am Abend eine sehr große Hufeisennatter, die kurz vor der Häutung stand, am Strand von Alvor gefangen (das dritte Exemplar ist ja in den Dünen am Vormittag entwischt!). Diese Schlangen sind absolut mächtige und schöne Tiere, die sich allerdings extrem ungestüm verhalten und ständig beißen wollen. Erst nach längerer Zeit beruhigen sie sich und geben dann ein dankbares Fotomodell ab. Die Rückkehr zu diesem Standort entwickelte sich also zu einem absoluten Höhepunkt unserer Reise!

 

Kurz nach der Abfahrt mussten wir ein drittes Mal zurückkehren, da ein anonymes Mitglied unserer Gruppe seine Speicherkarte vergessen hatte... Am Abend nach einem solchen Tag hat man sich doch einige Bierchen extra verdient, oder? Details werden nicht verraten!

 

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Tag 8: Der Ruhetag - auf Touristenpfaden unterwegs

 

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