Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

8. Tag - 24.4.

Der Ruhetag - auf Touristenpfaden unterwegs

 

Da man nach einer durchzechten Nacht bekanntlich etwas länger ruhen muss, gingen wir´s am nächsten Tag etwas gemütlicher an und beschlossen einen Ruhetag einzulegen, und die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der unmittelbaren Umgebung abzuklappern. Zweifellos sind dies die bekannten Algarve - Felsen bei Lagos, die auf jedem Reiseprospekt zu finden sind. Glücklicherweise sind um diese Jahreszeit nur sehr wenige Touristen unterwegs und der Blick auf die Felsen lässt sich wirklich genießen!

 

Man kann auch eine Fahrt mit dem Boot durch die Öffnungen in den Felsen buchen, wenn man nicht zu leicht seekrank wird (oder am Vortag getrunken hat). In Höhlen an den Klippen brüten Dohlen und einige der letzten Felsentauben, die Stammform der Haustauben, die bereits sehr selten geworden sind und sich immer mehr mit den Stadttauben einkreuzen. Und sogar herpetologisch kann man auf den viel betretenen Wiesen bei den Felsen noch etwas finden, wie zum Beispiel den Spanischen Walzenskink - Chalcides bedriagai , der in unserem Untersuchungsgebiet in den beiden Unterarten cobosi und pistaciae vorkommt.

Eine Unterscheidung konnte bisher noch nicht erfolgen, ist aber in Arbeit. Zeitweise wurde die Form pistaciae sogar als valide Art gewertet, in der Zwischenzeit aber wieder eingezogen. Der Skink, den wir am Cabo de Sao Vicente, in Monte Gordo, in Carrapateira und eben in Lagos finden konnten unterscheidet sich von der Erzschleiche durch seine deutlich längeren Beine und seinen kurzen gedrungenen Körper. Er erinnert vielmehr an C. ocellatus , dessen Körpergröße er aber nicht erreicht.

 

Nach einer gemütlichen Mittagspause im Touristenviertel war der Kater überwunden und wir kehrten an die Baraomündung mit seinen ausgedehnten Sumpfgebieten, an der wir bereits am zweiten Tag waren, zurück. Da an diesem Tag keine neuen Funde zu notieren waren, ist es nun an der Zeit, das häufigste Amphib der iberischen Halbinsel vorzustellen, den Iberischen Wasserfrosch - Rana perezi .

 

Es ist die einzige extrem häufige Art, die an jeder Wasserstelle bzw. an jedem Bach in einer beträchtlichen Dichte vorkommt. Äußerlich ist er kaum von unseren Wasserfröschen zu unterscheiden, er zeigt ebenfalls eine sehr große Variabilität in Zeichnung und Farbe, die von gelbgrün bis dunkelbraun reicht. Der Wasserfrosch gilt in Portugal als Pionierart, der sehr rasch neue Gewässer besiedelt. Besonders die Jungfrösche sind sehr migrationsfreudig und müssen bessere Standorte den Adulten überlassen, da diese häufig zu Kannibalismus neigen. Einen auffälligen Laut, der wie ein Schrei eines Kleinkindes klingt, geben die Frösche beim Fluchtsprung ins Wasser ab, was uns bei mitteleuropäischen Grünfröschen noch nie aufgefallen ist. Der Paarungsruf ähnelt am ehesten unseren R. esculenta .

 

Entlang eines alten Aquäduktes drehten wir schließlich noch einige Steine um und es kamen zwei wunderschöne Treppennattern zum Vorschein, die noch eine Übergangsfärbung vom jugendlichen ins adulte Stadium trugen. Treppennattern und Eidechsennattern waren die nach den Vipernattern am häufigsten gefundenen Schlangen unserer Reise mit jeweils knapp einem Duzend Nachweisen (tot und lebendig).

 

Wer im Auto schläft, muss nach Feierabend weitersuchen, war die Devise und so machte sich unser Junior noch auf, um am Strand in Alvor ein wenig weiter zu suchen und brachte uns während der Dämmerung eine wunderschöne Eidechsennatter, die wir am nächsten Tag bei besserem Licht knipsten, und dann in Freiheit entließen. Der Tag war mit diesen Funden doch noch ein wenig aufgefettet worden, und die Moral war wieder am Höhepunkt für den vorletzten Tag...

 

 

     

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Tag 9: Alentejo - zwischen Naturresten und Kultursteppe

 

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