Herpetologischer Reisebericht Algarve - Portugal April 2005

von Thomas Bader

 

9. und vorletzter Tag - 25.4.

Alentejo - zwischen Naturresten und Kultursteppe

 

Udo Schwarzer gesellte sich ein weiteres Mal zu uns und während wir auf ihn am vereinbarten Treffpunkt warteten, kroch gemütlich eine schöne große Treppennatter über den Weg. Unser erster Ausflug an diesem Tag führte in den Oberlauf des Barao, dessen Mündungsgebiet wir ja bereits kannten. Leider war aufgrund der extremen Hitze das gesamte Bachbett staubtrocken, wir fanden hier lediglich Mauergeckos und Sandläufer - bestimmt wäre das Tal während der Regenzeit ein Highlight, da es abgelegen und unbesiedelt ist. Allein die botanische Vielfalt war hier besonders viel versprechend.

 

Wir beschlossen weiter nach Norden zu fahren um an der Grenze des Alentejo in einer abgelegenen Dünenlandschaft unser Glück zu versuchen - angeblich wurden dort bereits V. latastei gesichtet. Unterwegs machten wir kurz Halt in Aljezur, um von der Brücke die Anzahl der Bachschildkröten zu zählen. Diesmal waren es besonders viele, nämlich 16 Stück, leider war wieder einmal keine Emys dabei.

 

Danach ging es weiter nach Odeseixe, die Mündung jenes Flusses, an dessen Ober- und Mittellauf wir die Smaragdeidechsen gefunden hatten. Wir kletterten einen alten Fischersteig hinauf auf das Plateau des Flusseinschnittes und begannen dort mit unserer Erkundungstour. Der erste Dünenbereich bot einen beeindruckenden Blick auf den Strand von Odeseixe mit der Seixemündung, weiter nördlich beginnt die Steilküste mit spektakulären Blicken auf die Küste des Alentejo. Diese Landschaft zeigte wieder einmal eine enorme Blütenpracht und eine hohe Schmetterlingsdichte, wobei Udo hier den Erstnachweis eines seltenen Blutströpfchens für diese Region erbringen konnte. Allerdings ist nur der küstennahe Streifen als Naturpark ausgewiesen und einige 100 m landeinwärts beginnt bereits die Kultursteppe des Alentejo, ein Friedhof für Amphibien und Reptilien mit sehr intensiver Landwirtschaft und einer sehr geringen Artenanzahl und -dichte.

 

In unserem Untersuchungsgebiet wurde bereits die Otter und die Ringelnatter gesichtet, wir konnten aber leider beide nicht finden, stattdessen war die hohe P. algirus Dichte bemerkenswert und Udo nannte dies immer "algirusverseucht", da durch diese Art die konkurrenzschwächeren Psammodromus hispanicus und Podarcis carbonelli , die auf den gleichen Standorten vorkommen würden, verdrängt werden. Etwas weiter der Küste entlang gelangten wir zu alten, teilweise verfallenen kleinen Hütten, die den ortsansässigen Fischern als Wetterschutz und Übernachtungsquartier dienten. Wir durchstöberten diese Holzruinen und fanden unter einem vermoderten Brett eine weitere Kapuzennatter - insgesamt bereits unsere dritte! Es war wohl das größte Tier mit etwa 45 cm Gesamtlänge.

 

Als Rückweg marschierten wir entlang der Grenze zu einem Kiefernwald, der eigentlich als Vipernlebensraum geeignet erschien, allerdings war die Mittagszeit natürlich sehr ungünstig dafür und wir beschlossen, zurück nach Aljezur zu fahren, um entlang des Baches südlich der Stadt nach Ringelnattern zu suchen. Es blieb allerdings wieder einmal bei dem Versuch, denn wir fanden stattdessen "nur" etwa ein halbes Dutzend Vipernattern.

 

Da wir immer noch nicht genug hatten, fuhren wir nochmals in die Dünen von Bordeira auf der Suche nach den bisher noch nicht gefundenen Arten. Natürlich fanden wir schon wieder eine Kaputzennatter (unsere 4. und letzte), die im Monitoringprogramm von Udo bisher unbekannt war und endlich konnten wir unseren ersten und einzigen Spanischen Sandläufer - Psammodromus hispanicus finden. Der kleiner Vetter des algerischen Sandläufers ist sehr selten und hält sich meist in sehr unwegsamen Gelände auf und daher auch schwierig nachzuweisen. Wir hatten schon nicht mehr damit gerechnet, diese Art zu beobachten. Das zierliche Tier ist wesentlich unscheinbarer als sein Verwandter und wir von diesem in kargere Gegenden verdrängt.

 

Direkt am Strand in den Dünen gelang noch der Nachweis einer der schönsten Eidechsen des Landes - Podarcis carbonelli , eine Mauereidechse die meines Wissens gar keinen deutschen Namen hat. Diese Art bewohnt Extremstandorte in den kalten windigen Dünen der Westküste und unterscheidet sich von P. hispanica sowohl durch ihr Äußeres als auch durch ihre komplett anderen Standortsansprüche. Sie ist nahe verwandt mit P. bocagei , der nordwestiberischen Mauereidechse - diese südlichsten Verbreitungsausläufer wurden vor nicht allzu langer Zeit von Udo Schwarzer entdeckt und beschrieben. Die Zeichnung und vor allem die Färbung der Tiere ist sehr variabel, ebenfalls ist ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus bemerkbar. Wir konnten sowohl subadulte als auch adulte und sogar ein schönes Paar ablichten. Der Fund dieser Tiere bildete den schönen Abschluss unseres vorletzten Tages in der Algarve.

 

 

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Tag 10: - Höhepunkt in letzter Minute!

 

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