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Die Knoblauchkröte - Pelobates fuscus - zählt zur Überfamilie der Krötenfrösche. Eine Gemeinsamkeit dieser stammesgeschichtlich sehr ursprünglichen Gruppe ist die Fähigkeit, sich mittels spezieller Muskulatur der Hinterbeine sowie je einer hornigen Grabschwiele an der Hinterfußinnenseite einzugraben. Der Name unserer heimischen Art stammt von einem – knoblauchähnlich riechenden - Sekret, welches bei Bedrohung abgesondert wird. Besonders eindrucksvoll sind die Kaulquappen dieser Art, welche 10 cm und in Ausnahmefällen sogar bis ca. 22 cm Gesamtlänge erreichen  können. Sie fanden sich früher in Notzeiten fallweise auch am menschlichen Speiseplan.
 

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Knoblauchkröte - Pelobates fuscus (Foto: © herpetofauna.at)

 

 

Systematik

 

Klasse: Amphibia (Amphibien)
Ordnung: Anura, Froschlurche
Unterordnung: Mesobatrachia, Mittlere Froschlurche
Familie: Pelobatidae, Europäische Schaufelfußkröten
Gattung: Pelobates, Europäische Schaufelfußkröten
Art: Pelobates fuscus, Knoblauchkröte

 

Beschreibung

 

Knoblauchkröte mit senkrechter Pupille

Knoblauchkröte mit senkrechter Pupille

 

Die Knoblauchkröte ist ein mittelgroßer Froschlurch von 5-8 cm Kopf-Rumpflänge und kräftiger, gedrungener Gestalt. Charakteristisch sind neben den Grabschwielen auch der helmartige Scheitelhöcker sowie die großen Augen mit senkrecht stehenden, schlitzförmigen Pupillen.

Die Haut ist von flachen, glatten Warzen bedeckt; Parotiden (Ohrdrüsen) wie bei den Echten Kröten (Fam. Bufonidae) fehlen. Die Färbung ist sehr variabel: auf graubraunem, dunkel- oder hellgrauem Grund finden sich camouflage- artig angeordnete, kastanien- bis schwarzbraune Flecken. Fallweise kommen auch albinotische Exemplare sowie rein ziegelrote Tiere vor. Männchen und Weibchen zeigen in der Paarungszeit einen leichten Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen sind an den geschwollenen Oberarmdrüsen zu erkennen, die Weibchen an den etwas vergrößerten Hautwarzen.

 

Verbreitung

 

Knoblauchkröten findet man in den Beckenlagen von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und des Burgenlandes, sowie im nördlichen Granithochland von Niederösterreich (Waldviertel). Die vertikale Verbreitung in Österreich reicht von 115 m ü. NN (Burgenland) bis 560 m ü. NN (Niederösterreich). Am häufigsten findet man sie jedoch in Höhenlagen unter 200 m ü. NN.

 

Verbreitungkarte: Knoblauchkröte - Pelobates fuscus (Datenstand 1996)  © Umweltbundesamt - Quelle: Verbreitungsatlas Österreich

 

Lebensräume

 

pelobates fuscus_grabend_CR

Knoblauchkröte gräbt sich rücklinks ein

Laichhabitat: Die Knoblauchkröte bevorzugt als Laichgewässer vor allem größere vegetationsreiche Stillgewässer (Augewässer, Teiche), aber auch überschwemmte Wiesen, Tümpel und wassergefüllte Gräben. Die Tiere besitzen keine feste Laichplatzbindung.

Landhabitat: Als Landlebensraum dienen steppenartige, offene bis mäßig beschattete Lebensräume mit vorzugsweise lockerer Krautschicht wie Ruderalstandorte, Wiesen, Heißländen, Äcker und Materialentnahmestellen. Anders als die ökologisch ähnlich eingenischte Wechselkröte ist die Knoblauchkröte aber auch in Auwäldern zu finden, solange offene Landschaftsstrukturen wie Heißländen oder Wiesen vorhanden sind. Wichtig für den Landlebensraum ist das Vorhandensein von grabbaren, lockeren und sandigen Böden.

 

Lebensweise

 

Die Knoblauchkröte verlässt etwa ab Ende März ihr Winterquartier. Sobald die Lufttemperatur ca. 7°C und die Bodentemperatur 4°C beträgt, wandern die Tiere zum Laichgewässer. Während der Fortpflanzungszeit - von Ende März bis Juni- sind die Tiere am/im Gewässer auch tagsüber zu beobachten. Das Geschlechterverhältnis am Laichplatz beträgt ca. 4:1 zugunsten der Männchen. Da die Männchen keine Schallblasen besitzen, sind die unter Wasser ausgestoßenen Paarungsrufe – ein dreimaliges, leises „blog- blog- blog“ - für das menschliche Ohr nur bei genauem Hinhören zu vernehmen.

 

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Rufbeispiel einer Knoblauchkröte:

 

Die Männchen halten sich mehrere Wochen am Laichgewässer auf, die Weibchen verlassen es kurz nach der Eiablage, welche bei Wassertemperaturen ab etwa 12° C stattfindet. Wennn es zwischen Juni und August stark regnet, kann es zu einer zweiten Laichperiode kommen. Nach dem Ende der Fortpflanzungszeit sind die Tiere zumeist nachtaktiv. Sie sind dann erst ab 20 Uhr bei windstillem und feuchtwarmem Wetter an der Erdoberfläche zu sehen. Tagsüber vergraben sie sich in der Regel ca. 30 – 50 cm tief im Boden. In besonders trockenen Jahren halten die Tiere auch fallweise eine Sommerruhe.


Sobald im Spätherbst die Bodentemperaturen unter 3-4°C sinken, zieht sich die Knoblauchkröte in ihr Winterquartier – selbstgegrabene oder bestehende Gänge, die in Ausnahmefällen bis zu 1,5m tief in die Erde reichen können – zurück. Bei milder Witterung können einzelne Exemplare aber auch im Spätherbst oder Winter auf der Erdoberfläche angetroffen werden. Der ganzjährige Aktionsradius der Tiere liegt im Bereich von 200 – 400 m rund um das Laichgewässer. Knoblauchkröten werden bis zu 10 Jahre alt und nach der 2. Überwinterung geschlechtsreif.

 

Fortpflanzung

 

Knoblauchkröte Laichschnur

Knoblauchkröte Laichschnur

 

Knoblauchkrötenweibchen legen ihre Eier im Wasser in Form einer 40-70 cm langen und 10-20 mm dicken Laichschnur, die spiralig um Pflanzen gewickelt wird, ab. Pro Gelege finden sich etwa 1200-3300 Eier.

Bei der Paarung werden die Weibchen von den Männchen im Lendenbereich von hinten umklammert. Die Kaulquappen der Knoblauchkröte erreichen im Normalfall 8-10 cm Länge; fallweise kommt es zu Riesenwuchs von 18-22cm bedingt durch Hormonstörungen.

Die Entwicklungsdauer der Larven ist sehr variabel und beträgt im Regelfall 70-150 Tage. In Ausnahmefällen kommt es zur Überwinterung von Kaulquappen im Gewässer. Die Jungtiere sind nach der Metamorphose durchscnittlich 33mm lang.

 

Nahrung

 

Zur Nahrung der Knoblauchkröte zählen vor allem kleinere Laufkäfer und nachtaktive Schmetterlinge, daneben auch andere Wirbellose.

 

Allgemeines und Besonderheiten


Die Knoblauchkröte besitzt ein - im Vergleich zu anderen heimischen Froschlurchen – reiches Repertoire an Lautäußerungen. Auch die Weibchen geben bei der Paarung fallweise leise, grunzende Laute von sich. An Befreiungs- und Angstrufen sind neben schnellem, leisen Quaken auch noch laute, klagende Schreie bekannt, welche mit offenem Maul ausgestoßen werden und an das Geheul von Katzen oder Kleinkindern erinnert. Sogar größere Larven und Metamorphlinge sind zu einem leisen Fiepen befähigt. Weitere Möglichkeiten des Abwehrverhaltens sind Aufblähen des Körpers (ähnlich der Erdkröte) oder direktes Attackieren des Gegners durch Kopfstöße oder Bisse. Anders als heute war die Knoblauchkröte noch im 19. Jhdt in Ostösterreich offenbar so häufig und der Bevölkerung geläufig, das aus dieser Zeit sogar ein Dialektname für die Art – und zwar „brauner oder marmorierter Protzen“ überliefert ist.
 

Gefährdung und Schutz

 

In Österreich erlitt die Art in den letzten drei Jahrzehnten Arealverluste von etwa 45%. Jüngere Nachweise aus dem Norden und Osten des Bundesgebietes stammen größtenteils nur noch aus Naturschutzgebieten. Der Hauptgrund für diese negative Entwicklung dürfte in der Zerstörung geeigneter Laichgewässer im landwirtschaftlich genutzten Raum liegen. Die einzig wirkungsvollen Schutzmaßnahmen sind die Erhaltung der noch vorhandenen Laichgewässer und die Anlage eines Laichgewässerverbundes.

 

Literatur
  • CABELA, A. & GRILLITSCH, H. & TIEDEMANN, F. (2001): Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich: Auswertung der Herpetofaunistischen Datenbank der Herpetologischen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien. Wien (Umweltbundesamt), 880 S.
  • GÜNTHER, R. Hrsg. (1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Jena (Gustav Fischer Verlag), 825 S.
  • NÖLLERT, A. (1990): Die Knoblauchkröte. Die Neue Brehm- Bücherei, Wittenberg Lutherstadt (A. Ziemsen-Verlag), 144 S.
  • Tiedemann, F. Hrsg. (1990): Lurche und Kriechtier Wiens. – Wien (J & V Edition), 200 S.
 

altDie Amphibien Österreichs

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