|
Herpetologische Exkursion nach Georgien
- 3.-20. Mai 2007
ein Bericht von Norbert Frotzler und Thomas
Bader,
Fotos und Gestaltung: Christoph Riegler

Teilnehmer:
Nino Davitashvili & Norbert
Frotzler (Organisatoren)
Christoph Riegler,
Franz Rathbauer, Thomas Bader &
Murtasi (Fahrer)
Das Land Georgien:
Georgien (georgisch: Sakartwelo) liegt im Süden des Großen Kaukasus am Schwarzen Meer zwischen Europa und Asien. Es grenzt im Norden an Russland, im Osten an Aserbaidschan, im Süden an Armenien und im Südwesten an die Türkei. Mit 69000 km2 ist Georgien größer als die Schweiz aber immer noch kleiner als Österreich. Die Einwohnerzahl von ca. 4,5 Mill. nimmt z.Z. wegen Wirtschaftsmigration ständig ab. Trotz seiner geringen Ausdehnung ist es – landschaftlich und klimatisch – ein außerordentlich vielseitiges Land, von dem die Georgier folgende Geschichte erzählen:
Als Gott die Schöpfung vollendet hatte, wies er allen Völkern der Erde ihre Heimatländer zu. Die Georgier, die – wie gewöhnlich – zu spät zur Landverteilung erschienen waren, gingen leer aus. Sie kümmerten sich allerdings wenig darum und feierten stattdessen ein großes Fest mit reichlich Essen, Trinken, Gesang und Tanz. Das gefiel Gott so sehr dass er ihnen das Stück Erde überließ, das er eigentlich für sich selbst reserviert hatte.
Daher finden sich in Georgien Meeresküsten, Seen, fruchtbare Ebenen, uralte Wälder, einsame Steppen und gewaltige Gebirge in unmittelbarer Nähe nebeneinander.
Drei der höchsten Gipfel Georgiens sind mehr als 5000 m hoch, im Südwesten des Landes fällt im Schnitt doppelt so viel Regen als in Manaus am Amazonas, während es keine 300 km weiter östlich
trockener ist als in Taschkent oder Tunis!
Das Leben in Georgien war schon in den Zeiten des Prometheus - der bekanntlich
von den Göttern des Olymp an den Fels des Kaukasus geschmiedet wurde,
weil er den Menschen das Feuer gebracht hatte - nicht einfach und im Lauf seiner
wechselvollen Geschichte weckte das Land wegen seiner Reichtümer Begehrlichkeiten
nicht nur bei den unmittelbaren Nachbarn.
Nacheinander kamen Griechen, Araber, Mongolen, Türken, Perser und schließlich – 1801 – die
Russen. Zwischendurch gelang es den Georgiern immer wieder, die Unabhängigkeit
zu erlangen, z.B. zwischen 1918 und 1921, danach wurde das Land wieder annektiert,
war Teil der Sowjetunion und proklamierte seine Eigenstaatlichkeit 1991.
Nach der Entmachtung Swiad Gamsachurdias, des Vaters der Unabhängigkeitsbewegung
und 1.Staatspräsidenten Georgiens (1993 ermordet), wurde der frühere
sowjetische Außenminister und KP-Chef Eduard Schewardnadse sein Nachfolger.
Er verlor sein Amt 2003 nach der Rosenrevolution wegen Korruptionsvorwürfen.
Der neue Präsident Michail Saakaschwili steht wegen seines pro-westlichen
Kurses in keinem guten Verhältnis mit dem Nachbarn Russland. Besonders
die von Russland unterstützte Ablösung Abchasiens und Südossetiens
(die Georgier waren die ursprüngliche Bevölkerungsmehrheit in Abchasien
und bis heute leben ca. 200000 Flüchtlinge aus der Region in Georgien) und
Serien von Wirtschaftsembargos belasten die Beziehungen Georgiens zum nördlichen
Nachbarn schwer.
Unser aus Abchasien stammender Fahrer Murtasi hat uns von der abenteuerlichen
Flucht aus seiner Heimat erzählt, die er 1993 unternehmen musste, um dem
Massaker von Suchumi zu entgehen bei dem Tausende Georgier ermordet wurden.

Unser Fahrer Murtasi posiert vor dem
Geburtshaus von Stalin in Gori
Was uns besonders beeindruckt hat, war die Tatsache, dass wir trotz der
ständigen
Spannungen mit Russland, auf unserer Reise niemand getroffen haben, der über
die in Georgien lebenden Russen geschimpft hätte. Sie stellen immerhin auch
heute noch die fünftgrößte Bevölkerungsgruppe. Genug Zündstoff
für Kritik liefert aber die russische „Nachbarschaftspolitik“ und
auch die Europäische Union wird wegen ihres nur zögerlichen Engagements
in der Region nicht mehr nur positiv wahrgenommen.
Wie in allen jungen Demokratien im ehemals kommunistischen Einflussbereich
ist die Unzufriedenheit vieler Menschen, die immer noch auf eine Verbesserung
ihrer Lebensumstände warten, mit der jeweiligen Regierung auch hier groß und
die geopolitische Lage des Landes im Überschneidungsbereich der Interessen
politischer Global Players konfrontiert die Georgier – trotz Wirtschaftswachstum
- fast täglich mit neuen Problemen.
Neben den im Land gebliebenen Russen gibt es auch aserische, armenische, abchasische,
griechische, ossische, kurdische und aramäische Minderheiten.
Die Sprachen der georgischen Bevölkerungsmehrheit: Georgisch = Kartuli Ena,
Megrelisch, Swanisch und Lasisch, bilden eine eigene Sprachfamilie für sich,
die – Albtraum aller Linguisten und lernwilliger Ausländer – keine
erkennbaren Beziehungen zu irgendeiner anderen Sprachgruppe weltweit aufweist!
Alle Vier bedienen sich der georgischen Schriftsprache mit eigenem Alphabet (33
Buchstaben).
Die Mehrheit der Georgier gehört der Georgisch-Orthodoxen Kirche an,
es gibt aber auch Muslime, Armenische Christen, Russisch-Orthodoxe, Katholiken,
Protestanten, Juden und Parsen. Bei Festen ist es Brauch, dass alle Nachbarn – ungeachtet
ihrer Religionszugehörigkeit – daran teilnehmen!
Eine Reise nach Georgien bedeutet, eine andere Welt kennen zu lernen.
Die ländliche Bevölkerung lebt fast ausschließlich von traditioneller
Landwirtschaft, überall laufen Hunde, Rinder, Büffel, Schweine, Pferde,
Esel, Schafe, Ziegen und Hühner umher, was auf den mittlerweile besser werdenden
Hauptverkehrsstrassen manchmal zu unangenehmen Überraschungen führen
kann.

Außerhalb der Hauptstadt Tiflis
ein immer wieder kehrendes Motiv
Auf den Äckern haben wir ganze Familien beim Absammeln von Kartoffelkäfern
beobachtet. Meist werden Ochsen zum Pflügen eingesetzt. Die im Land produzierten
Nahrungsmittel sind von hoher Qualität, besonders Obst und Wein sind auch
im Ausland berühmt.
Riesige Industrieruinen zeugen vom Zusammenbruch der Sowjetunion, besonders der
Industriekomplex Rustawi würde einen hervorragenden Hintergrund für
den Showdown in jedem beliebigen amerikanischen Thriller abgeben, da ausländische
Investitionen auf sich warten lassen!
Mit großem technischem Aufwand werden Pipelines auch durch Schutzgebiete
gebaut, da dies für die ökonomische Entwicklung des Landes unerlässlich
scheint. Hier sind die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt allerdings vorbildlich
und entsprechen durchaus westlichen Standards.
Der Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle während der Sowjetzeit – steckt
allerdings derzeit noch in den Kinderschuhen. Nur am Schwarzen Meer trifft man
wieder auf eine wachsende Anzahl von Touristen aus der ehemaligen Sowjetunion
und im Winter besuchen Schifahrer den Ort Bakuriani im Kleinen Kaukasus, wo sie
leider – wovon wir uns selbst überzeugen konnten – ungeheure
Mengen an Dreck im Wald hinterlassen, was die Ortsverwaltung anscheinend überhaupt
nicht stört!

Feldarbeit mit Ochsengespann
Kleine Gruppen von Reisenden aus westlichen Ländern bezwingen in geführten
Touren den Mkinwartsweri, den dritthöchsten Berg Georgiens, bei uns besser
bekannt unter seinem anderen Namen: Kasbek (5047 m).
Den meisten Einheimischen fehlt noch das Geld, um sich einen Urlaub leisten
zu können. Allerdings finden sich in der Hauptstadt bereits jede Menge an internationalen
Designerläden, die von den reichen Georgiern besucht werden. Da die Preise
aber oft noch deutlich höher sind als bei uns, zieht man jedenfalls – wenn
möglich - einen Einkaufsbummel in Kärntner- bzw. Mariahilfer-Straße
einem Besuch des Rustaweli-Prospekts in Tbilisi immer noch vor.
Die Menschen auf den Strassen und Märkten Georgiens waren allesamt sehr
freundlich zu uns. Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten beim
Einkaufen, sahen auch diejenigen von uns, für die es der erste Besuch des
Landes war ein, dass die einheimischen Produkte mindestens so gut, aber wesentlich
billiger waren als die Importwaren.
In den gut 2 Wochen unseres Aufenthaltes ernährten wir uns von den gängigen
Speisen, die in den Restaurants angeboten wurden:
Chatschapuri (Brot mit eingebackenem Käse), Chinkali (gefüllte Teigtaschen),
Mtswadi (Schaschlik), Ostri (Gulasch), Soko (Pilze), Grillhendl, Forellen, Gefüllte
Melanzani usw.
Am letzten Tag speisten wir bei McDonalds: Kein Vergleich mit einer echt georgischen
Tafel!
Wir gewannen während unseres Aufenthaltes den Eindruck, dass das Land sicher
zu bereisen ist. Bei fehlender Kenntnis der Landessprache bzw. des Russischen
und mangelhafter Planung stößt man außerhalb der Städte
trotz der Hilfsbereitschaft der Georgier allerdings bald an seine Grenzen.
Die
Natur Georgiens
Zur Übersicht
seit dem 8. März 2008 wurde diese Seite 7581 mal aufgerufen
|